Branchenbarometer
Kulturreisende wünschen Kinderbetreuung
Umfrage belegt großes Interesse an Städtetrips / Bei der Hotel- und Reisezielauswahl ist der Preis ausschlaggebend / Internet gewinnt bei der Buchung an Bedeutung
BERLIN. Das Thema Kulturtourismus stand sechs Wochen lang im Fokus einer gemeinsamen Online-Befragung von wissen.de und der ITB Berlin. Die Auswertung der Antworten der mehr als 1200 Teilnehmer liegt nun vor. Wichtigstes Ergebnis: Eine Marktlücke ist die fehlende Kinderbetreuung bei Kultur- und Städteurlaub. Zudem meinten die Befragten, dass die Preise für Städte- und Kulturtrips sich seit der Euro-Umstellung gefühlt verdoppelt hätten. Andererseits ist das Interesse an dieser Urlaubsform sehr groß. Und schließlich zeigt die Umfrage, dass deutsche Städte im europäischen Wettbewerb gut mithalten können.
Beim Thema Reisekosten geben 42 Prozent der Befragten als Obergrenze bei Reiseausgaben für eine Woche für zwei Personen 1000 Euro an. Für eine Reise ins Ausland ist ein Drittel bereit, mehr Geld zu investieren. Mehr als 55 Prozent geben an, dass sich die Preise für das Reisen gefühlt verdoppelt haben. Das Interesse an Kulturreisen ist jedoch ungebrochen, zumal zwei Drittel der Teilnehmer nur ein bis zwei Mal im Jahr verreisen. Vor allem, wenn der Trip als Ergänzung zum Badeurlaub gebucht werden kann, ist diese Reiseform für gut 26 Prozent der Befragten sogar „eine Art, sich zu erholen“.
Nur knapp 8,5 Prozent der Teilnehmer meinen, kein Geld für Kultur- und Städtetrips zu haben. Bei der Hotel- und Reisezielauswahl ist der Preis ausschlaggebend und wichtiger als das Angebot an Museen und Kultur. Wenn man sich zur Reise entschlossen hat, genießen kulinarische Erlebnisse höchste Priorität und gehen vor den Besuch von Museen, Theater und Ausstellungen.
Familien mit Kindern verreisen am liebsten mit „Kind und Kegel“, so das Fazit von 387 Befragten. Das Problem der Eltern, die Abende zu organisieren, ist für viele offenbar ungelöst. „Eine Marktlücke: Kulturreisen mit Kinderbetreuung würde ich sofort buchen“, gibt die Mehrheit an, knapp 9 Prozent bleiben notgedrungen im Hotel, um die Kinder nicht allein zu lassen.
Immerhin knapp 3 Prozent nehmen ihren Babysitter mit in den Urlaub. Wer dabei an die Schwiegermutter denkt, liegt nicht richtig. Nur 27 der Befragten würden am liebsten diese mitnehmen. Die beliebteste Begleitung ist der Partner oder die Partnerin (50,2 Prozent), gefolgt von der besten Freundin oder dem besten Freund (21,5 Prozent).
Bei der Frage nach dem beliebtesten Reiseziel steht Rom an erster Stelle, Paris gilt nach wie vor als die romantischste Destination für einen Stadturlaub (39,1 Prozent), Platz zwei belegt Wien. Abgeschlagen sind München und Berlin. Die beiden deutschen Kulturstädte können jedoch bei der Kinderfreundlichkeit punkten, sonst stehen im Ranking London, Wien sowie Paris, gefolgt von Barcelona und Stockholm, oben in der Gunst der Familien. Für die Teilnehmer der Umfrage sind London, Rom, Paris, Barcelona, Hamburg, Berlin und Dresden die angesagtesten Destinationen, die in den nächsten drei Monaten besucht werden sollen.
Das bevorzugte Transportmittel in die Wunschstadt ist das Flugzeug, nur gut fünf Prozentpunkte dahinter liegt das Auto mit 33,9 Prozent, die Bahn hat mit gut 20 Prozent noch viel Potenzial. Die Information zum Städte-Kulturtrip holen sich die Reisekunden nach Angaben der Studie im Internet (33,3 Prozent). Kataloge und Freunde sind als Informationsquelle vergleichsweise weniger interessant und kommen nur auf 17,7 und 16,3 Prozent. Nur knapp 11 Prozent der Befragten informieren sich im Reisebüro, Reisesendungen sind mit 6,5 Prozent nicht relevant. Nicht nur als Informationsquelle dient das Internet: Mehr als die Hälfte der Befragten bucht im Web, rund 34 Prozent im Reisebüro.
Ein Großteil der Teilnehmer ist zwischen 20 und 29 Jahre alt und hat ein kleineres Haushaltsnettoeinkommen, die andere große Gruppe der Teilnehmer ist zwischen 30 und 59 Jahre alt, liegt bei einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 2500 Euro und ist gebildet sowie berufstätig. red
www.wissen.de