Touristik
Marketing ist der Schlüssel zum Erfolg
Zusammenarbeit der Tourismuswerber fördern / Bedeutung neuer Medien / Von Jürgen Klimke, Bundestagsabgeordneter und Tourismusexperte
BERLIN Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wachstumsbereiche der deutschen Wirtschaft, der insbesondere strukturschwachen Regionen zu Gute kommt. Neben touristischem Angebot und touristischer Infrastruktur vor Ort ist touristisches Marketing im In- und Ausland der Schlüssel für den Erfolg einer Destination im Wettbewerb um den Urlauber. Dass man seine Stärken herausstellen muss und Gutes, Schönes nur dann wahrgenommen wird, wenn man darüber redet, mag von einigen als Binsenweisheit angesehen werden, ist jedoch meine wichtigste praktische Erfahrung aus meinen Tätigkeiten als Marketingexperte und als Tourismuspolitiker.
Die Stärken einer Region ziehen nicht mehr von allein Touristen an, egal ob es sich dabei um kulturelle oder Sehenswürdigkeiten oder Naturlandschaften handelt, oder ob eine reich entwickelte touristische Infrastruktur vorhanden ist. Die Menschen informieren sich – zum Beispiel über das Internet – genauer, ihre Ansprüche sind gestiegen und spezifischer. Tourismusregionen, Beherbergungsbetriebe und touristische Anbieter müssen sich diesen Anforderungen stellen. Investitionen in Barrierefreiheit, Wellnessangebote oder Erlebnistourismus stellen jedoch nur die eine Seite dar. Es gilt vielmehr, die Besonderheiten der Region sowie die touristische Infrastruktur den potenziellen Urlaubern schmackhaft zu machen. Standortmarketing und Tourismuswerbung sind also im Wettbewerb von hoher Wichtigkeit. Das gilt für den Tourismusstandort Deutschland insgesamt ebenso wie für Urlaubsregionen und -orte in Deutschland, aber auch für jedes Hotel oder Erlebnisbad.
Das Tourismusmarketing in Deutschland bleibt bisher jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurück, nicht weil es zu geringe Marketingaktivitäten gäbe, sondern weil es zu traditionell, zu kleinteilig und uneinheitlich ist. Ich halte drei Kriterien für eine erfolgreiche Tourismuswerbung für wichtig.
Erstens: Ein gutes Standortmarketing braucht eine gewisse Basisgröße, eine zentrale Plattform, die dem Besucher die Vielzahl touristischer Möglichkeiten offeriert und auf Orte innerhalb der Region sowie auf übergeordnete oder Nachbarregionen verweist. Nicht jede Kleinstadt sollte mit aufwändig gestaltetem Internetauftritt und einer Vielzahl von Prospekten um Urlauber werben. Es gilt vielmehr, Aktivitäten zu bündeln und als Bezugsgröße eine Region zu wählen, die über verbindende Gemeinsamkeiten und als Ganzes über ein hohes touristisches Potenzial verfügt. Auf dieser Ebene ist eine schlagkräftige Tourismusorganisation zu schaffen, die einen anspruchsvollen Internetauftritt erstellt und die Region und touristische Highlights bundesweit oder sogar im Ausland vermarktet. Die Bedeutung eines solchen – nur ab einer gewissen Größe erreichbaren – professionellen Marketings zeigen die Zuwachsraten Berlins und Hamburgs im Tourismus, die beide ein sehr gutes Tourismusmarketing betreiben.
Zweitens: Tourismusregionen sollten sich für tourismusrelevante Großveranstaltungen zusammenschließen und diese gemeinsam bewerben. Außerdem ist eine enge Kooperation von benachbarten oder sich ergänzenden Tourismusdestinationen sinnvoll, um dem Gast ungewöhnliche Angebote aus einer Hand zu bieten. So gibt es zum Beispiel schon heute die Möglichkeit, dem Hamburgtouristen einen Tag in der Hauptstadt anzubieten und dem Berlintouristen einen Musicalbesuch in Hamburg.
Eine engere Zusammenarbeit wäre auch zwischen den touristischen Regionen an der Elbe oder am Rhein sinnvoll, damit ein Kreuzfahrt- oder Fahrradtourist sich aus einer Hand über die touristischen Angebote am Fluss informieren kann. Eine Zusammenarbeit verschiedener touristischer Regionen ist auch für zielgruppenspezifische Angebote sinnvoll. Nämlich um dem Urlauber ein breiter gefächertes Angebot zum Beispiel für Wellness- oder Reittourismus anbieten zu können. Kooperationen beim Marketing sind auch über die Landesgrenzen hinaus sinnvoll.
Drittens: Die elektronischen Medien, an erster Stelle das Internet, sind zu tragenden Säulen des Touismusmarketings auszubauen. Immer mehr Menschen stellen sich gerade innerhalb Deutschlands und der EU ihren Urlaub selbst zusammen und recherchieren dafür im Internet. Dabei haben jene Hotels Wettbewerbsvorteile, die ihre Zimmer, Restaurants sowie ihre Wellnessbereiche durch aussagekräftige Fotos im Internet präsentieren und sich im Internetauftritt nicht auf einige Informationen und unscharfe Fotos beschränken.
Ähnliches gilt für Regionen oder Länder: Eine aussagekräftige Präsentation mit interaktiven Elementen und Landkarten zum Anklicken ist einer langen Liste mit den Tourismusdestinationen der Region vorzuziehen. Der Internetauftritt sollte immer übersichtlich gestaltet sein und buchbare Elemente aufweisen. Mein Idealbild eines Internetauftritts ist eine interaktive Deutschlandkarte, bei der man mit wenigen Clicks seine Urlaubsregion und seinen Wunschurlaubsort mit allen Informationen abrufen kann. Wichtig ist auch das Kriterium der Mehrsprachigkeit, das es dem Urlauber ermöglicht, komfortabel in seiner Sprache zu recherchieren. Deshalb sind fremdsprachige Angebote vor allem dann sinnvoll, wenn sie bis in die Details gehen. Je nach Urlaubsort ist zu überlegen, ob ein Internetauftritt mit weiteren Fremdsprachen neben Englisch sinnvoll ist.
In meiner Arbeit im Deutschen Bundestag werde ich das Marketing des Tourismusstandorts Deutschlands sowie die Förderung des Tourismus in Hamburg, Norddeutschland sowie der Elbregion zu Schwerpunkten meiner politischen Arbeit machen. Dabei stelle ich mich gern als Ansprechpartner für Tourismusunternehmer und Verbände zur Verfügung, die politische Unterstützung für Kooperationen beim Aufbau einer schlagkräftigen Tourismuswerbung benötigen.
