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Nicht nur das Menü ist Bio

Nachfrage nach Öko-Raumausstattung und natürlichen Baustoffen in Hotels wächst / Standards werden gerade erarbeitet

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/12 vom 25. März 2006

STUTTGART Wellness und gesunde Küche, möglichst mit Zutaten aus ökologischem Anbau, sind Trumpf in der Hotellerie. Ganz nach dem Motto „Nur wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin“. Demnach wäre es konsequent, diese Philosophie über den Tellerrand hinaus im ganzen Haus anzuwenden: Angefangen bei den Baustoffen und Wandfarben, über Möbel frei von Kunststoffen und chemischen Lösungsmitteln bis hin zu biologisch abbaubaren Putz- und Pflegemitteln. 100-prozentig halten das bislang nicht einmal Bio-Hotels durch, aber viele sind schon sehr weit.

Letztlich bezieht sich der Öko-Gedanke in der Kooperation Bio-Hotels in erster Linie auf die Gastronomie. Das liege daran, dass es hierfür ganz klare gesetzliche Richtlinien gebe, sagt Ludwig Gruber, Sprecher der Vereinigung. Was die Ausstattung der Häuser betrifft, sei man gerade erst dabei zu sondieren, auf welche Standards man sich einigen könnte.

Doch bereits jetzt liege es vielen Mitgliedern am Herzen, ihren Gästen eine möglichst schadstofffreie Umgebung zu bieten. „Viele Häuser haben auf energetisiertes Wasser und Vollholzmöbel umgestellt“, so Gruber. Mobiliar aus Holzspan- und Holzfaserplatten sei nicht geeignet, weil sie gesundheitlich bedenkliches Formaldehyd enthielten.

Das österreichische Unternehmen „Grüne Erde“ ist neben „Team 7“ und „Löwe“ einer der wenigen Möbelhersteller, der ökologisch einwandfreie Ausstattungen für die Hotellerie anbietet. Die Produkte werden mit einem hohen handwerklichen Anteil in Klein- und Mittelbetrieben in Österreich, Deutschland und EU-Nachbarländern produziert. Auch das Holz stammt aus der EU. Auf Kunststoff-Beschichtungen und Lacke sowie Metall- und Kunststoffteile wird verzichtet. Stattdessen bekommen die Stücke eine veredelnde Behandlung mit Pflegeölen oder flüssigem Bienenwachs. Und das duftet. Das findet auch Barbara Kenner. Ihr Name ist Programm. Sie kennt sich aus in Sachen Ökologie und traut sich zu, chemische Ausgasungen in Hotelzimmern erschnüffeln zu können.

Auch schädlicher

Elektrosmog wird abgeschirmt

Sie betreibt mit ihrem Mann im Wendland das Bio-Hotel Kenners Landlust. Ihr Hotelanbau ist ein Niedrigenergie-Haus. Alle verwendeten Baumaterialien sollen frei von Schadstoffen sein. Eine spezielle Anlage schirmt Elektrosmog ab. Die Wände sind mit Bio-Farben gestrichen.

Für Barbara Kenner kommen nur Vollholzmöbel und allergikerfreundliche Latexmatratzen in Frage. Allerdings erfolgt die Umstellung nach und nach – aus finanziellen Gründen. Dieses Jahr gibt es wieder zehn neue Matratzen. Achtete sie bisher darauf, bei Gardinen und Bezügen nur Naturstoffe zu verwenden, geht sie jetzt noch einen Schritt weiter. „Sie sollen auch sozialverträglich produziert worden sein“, sagt die Gastgeberin. Ihren Eichenfußboden pflegt sie mit Carnaubawachs. Auch das duftet. Die Gäste seien dafür sehr empfänglich und fragten häufig, was denn da so gut rieche. Inzwischen überlegen sich Kenners, zusammen mit den Nachbarn ein Blockheizkraftwerk zu bauen. Damit könnten sie ihren eigenen Strom herstellen. Kenners sind neben ihrer Bio-Hotel-Kooperation auch Mitglied bei Viabono, einem Trägerverein, der unter anderem vom Umweltministerium gefördert wird. In einem Kriterienkatalog für Hoteliers ermittelt Viabono unter anderem, wie verantwortungsvoll der Betrieb mit Ressourcen wie Energie und Wasser umgeht. Gibt es in jedem Zimmer eine stromfressende Mini-Bar? Wird bewusst Abfall vermieden, indem das Haus auf
Einweg- und Portionsverpackungen bei Lebensmitteln verzichtet? Auch darin zeigt sich der sensible Umgang mit der Umwelt. Aber manchmal muss man Kompromisse schließen. Wer die Kriterien eines DEHOGA-zertifizierten 4-Sterne-Hauses erfüllen möchte, müsse in den saueren Apfel beißen und im Bad Duschgel, Shampoo und dergleichen in Portionspackungen anbieten, erklärt Viabono-Geschäftsführer Stephan Krug.

Wie man, davon einmal abgesehen, im Hotel nachhaltig wirtschaftet, dazu bietet Viabono in der zweiten Jahreshälfte 2006 in mehreren Bundesländern verschiedene Seminare und Vor-Ort-Coachings an, zum Beispiel zum Thema „Umwelt- und Energieberatung“ und „Naturerlebnis-Pauschalen marktorientiert entwickeln und erfolgreich vermarkten“.

Ob Umweltschutz oder biologisch einwandfreie Ausstattung – wer hierzu Hilfe sucht, sollte zunächst ein, zwei Betriebe besichtigen, die auf diesem Gebiet sehr weit sind, rät Öko-Hoteliere Barbara Kenner und denkt dabei spontan an das Natur-Hotel Grafenstand in Österreich. Auch die Bio-Hotel-Zentrale in Nassereith gibt auf Nachfrage Tipps. Micaela Buchholz

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