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Nicht zu übersehen: Die künstlichen Welten des Belantis sollen zur Rast einladen Foto: Heinz

Konzept & Strategie

Nur das Auto geht leer aus

Das Belantis bietet eine Rast für Autofahrer und kulinarische Spezialitäten aus verschiedenen Ländern / Tanken kann man allerdings nicht

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/35 vom 2. September 2006
von

LEIPZIG Eine Raststätte der besonderen Art liegt an der A 38 im Süden von Leipzig. Dort befindet sich das erste „Autobahnrastschloss“. Seit 2003 erhebt sich das hellblau strahlende, phantasievoll dekorierte Gebäude mit zahllosen Türmchen und goldglänzender Kuppel aus der ehemaligen Tagebaulandschaft. Drei Jahre lang war das Belantis nur über eine mehr oder weniger bequeme Straßenverbindung erreichbar und lag fast am Ende einer Autobahn-Sackgasse. Der nötige Durchgangsverkehr fehlte. Doch nun hat sich die Lage der Anlage deutlich gebessert. Ende Mai 2006 hat das Belantis eine eigene Abfahrt an der neuen A38 erhalten. Und von der neuen Südumfahrung Leipzigs zwischen A9 und A14 versprechen sich die Betreiber den nötigen Verkehr vor den Schlosstoren.

Bis jetzt kommen etwa 80 Besucher pro Tag. Nach vollständiger Eröffnung der Südtangente hofft Belantis auf etwa 500. bis dahin soll auch noch einiges an der Ausschilderung perfektioniert werden. Von der Stadt Leipzig erhofft man sich die Genehmigung für einen Werbeturm direkt an der Autobahn.

Dass sich das Ganze allerdings Rast-Schloss und nicht etwa Rasthof oder Raststätte nennt, hat zum einen juristische Hintergründe: Mit der Autobahn Tank & Rast Holding GmbH, dem größten Dienstleistungsunternehmen im deutschen Autobahnnetz, möchte Belantis schlichtweg nicht aneinander geraten. Zum anderen hat der Vergnügungspark keine Tankstelle und löscht nachts seine Lichter.

Angebote für Stippvisiten

Schloss und Pyramide sind von der Autobahn nicht zu übersehen. Damit die Vorbeifahrenden nicht nur neugierig aus den Autofenstern schauen, haben die Belantis-Manager jetzt ein spezielles Stippvisiten-Angebot erarbeitet: Das kostenfreie Parken wurde von einer halben auf eine ganze Stunde ausgedehnt. Wer den Schlosshof betreten möchte, zahlt am Schlosstor mit dem Drehkreuz einen Euro. Das Ticket kann er anschließend jedoch beim Verzehr im Restaurant oder im Shop wieder einlösen. Für den eigentlichen Parkeingang am Hinterausgang des Schlosses gilt das 1-Euro-Ticket dann allerdings nicht mehr.

Aber immerhin wird den Rastenden schon im Schlosshof eine gehörige Portion Vergnügungspark geboten. Clowns begrüßen die Gäste am Tor, über die Lautsprecher klingt Musik, Maskottchen Buddel tollt mit den Kindern herum, Artisten treten auf.

Auf das gastronomische Konzept des Unternehmens haben die neuen Ambitionen deutlichen Einfluss. Der Park ist nur von Anfang April bis Ende Oktober geöffnet. Dem entsprechend hielt auch das Schloss bisher Winterschlaf. Das wird sich ändern, denn fortan können Gäste tagtäglich von 10 bis 18 Uhr eintreten. Das bedingt, dass einige der 72 auf acht bis zehn Monate befristet angestellten Mitarbeitern in Küche und Service ganzjährig fest angestellt wurden. Etwa zehn Leute werden zusätzlich eingestellt.

Küchenkonzept wird überarbeitet

Doch das Angebot soll nicht nur quantitativ ausgedehnt werden. „Reisenden oder auch Radlern und Wanderern müssen wir etwas anderes bieten als Familien auf Vergnügungs-Trip“, so Belantis-Geschäftsführer Nikolaus Job. „Da ist mehr Frische gefragt, mehr Leichtes und Gesundes.“ Der Leiter der Gastronomie, Cem Ülker, und Küchenchefin Melanie Hörsch haben deshalb ein neues gastronomisches Angebot erarbeitet.

Dieser Schritt nach vorn ist für die Betreiber auch ein gewisser Schritt zurück zum Ursprungskonzept der Anlage. Dargestellt werden im Belantis verschieden Regionen Europas und Afrikas – von der Sahara über Marokko bis nach Griechenland und England. In jeder dieser Regionen wurden anfangs nationale Spezialitäten serviert.

Doch Pizza, Pommes und Bratwurst haben das spanische Buffet oder den ägyptischen Obstmarkt mittlerweile vertrieben. „Die Besucher eines Freizeitparks haben klare Vorstellungen und Erwartungen – auch an die gastronomischen Angebote –, die wir natürlich erfüllen wollen“, kommentiert Job aus Erfahrung. Zu wenige haben nach der originalen Paella oder den griechischen Salaten gegriffen. Bestenfalls die Haxe aus dem mittelalterlichen Deutschland konnte gegen Fastfood bestehen. „Das Experiment hat uns viel Geld gekostet. Also mussten wir uns nach der ersten Saison wohl oder übel anpassen“, erklärt Job. Das Konzept mit dem Rast-Schloss sieht er als eine zweite Möglichkeit, das gastronomische Angebot auf exotische Spezialitäten zu erweitern. Das dortige Angebot soll sich wieder an den sieben Themenwelten des Parks orientieren und wieder einen Hauch von Griechenland oder dem Orient auf die Teller bringen.

Der Freizeitpark soll aber auch Kurzurlauber ansprechen. Dazu das Entertainmentangebot, Infos zu allen Themenwelten und ein Blick aus den Fenstern des Schlosses dienen. „Damit wollen wir sie zum Wiederkommen anzuregen“, so Jobs Strategie. „So, als wären sie an einem einladend dekorierten Schaufenster vorbeigegangen.“

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