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Frische steht im Mittelpunkt: Im Bistro werden die Fertiggerichte von Frosta vor den Augen der Gäste erhitzt Foto: Mathias Thurm

Märkte & Unternehmen

Ohne Zusatzstoffe auf Erfolgskurs

Die Frosta AG verzichtet auf Geschmacksverstärker und Aromen / 200 Gäste essen täglich im Hamburger Tiefkühlrestaurant

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/1 vom 6. Januar 2007
von

HAMBURG. Das bayerische Reinheitsgebot des Bieres stammt aus dem Jahre 1516. Das „Frosta-Reinheitsgebot“ ist keine vier Jahre alt. 2003 entschied der Tiefkühlkost-Hersteller aus Bremerhaven, auf alle Zusatzstoffe wie Aromen, Geschmacksverstärker, Farbstoffe und Stabilisatoren in seinen Produkten zu verzichten. Dabei sind rund 500 Zusatzstoffe in der Europäischen Union zugelassen. „Unsere Produkte unterscheiden sich nicht groß von den Gerichten in Restaurants“, sagt Felix Ahlers, Sohn des Firmengründers und Vorstand Marketing und Vertrieb der Frosta AG: „Aber unsere Technik ist völlig anders.“

Das kulinarische Know-how hat Ahlers bei einer Kochlehre im Hotel Le Bristol in Paris gelernt. Nach seinem Studium der Volkswirtschaftslehre in Frankreich und in den USA hat er zudem von 1997 bis 1999 als Hotel-Manager im Sheraton Hotel in Frankfurt gearbeitet. Während er in der Sterne-Küche in Paris die französische Kochkunst erlernte, bekam er in Frankfurt die Praxis in Großküchen mit. Sein Fazit: „Wenn man ausschließlich natürliche Zutaten verwendet, muss dies auch industriell möglich sein.“

Seit dem Jahrtausendwechsel gab es laut Ahlers bei Frosta Überlegungen, die Marke neu auszurichten. „Es macht keinen Sinn, alles immer billiger herzustellen und immer mehr natürliche Zutaten durch Zusatzstoffe zu ersetzen“, sagt er. Außerdem hatten Studien ergeben, dass die Konsumenten lieber Fertiggerichte ohne Zusatzstoffe wollten. Von 2003 bis 2005 wurden deshalb alle Frosta-Rezepte nach dem „Reinheitsgebot“ umgestellt. Die Zahl der Gerichte wurde von 100 auf 50 reduziert, weil viele Zutaten ohne Zusatzstoffe nicht in ausreichender Menge erhältlich waren. Doch der Erfolg ließ auf sich warten. Noch vor der Umstellung hatte das Unternehmen im Jahr 2001 einen Rekordumsatz von 299 Mio. Euro. Dann kam es zum Gewinneinbruch. Nach Einführung des „Reinheitsgebots“ erzielte die Frosta AG mit einem Verlust von 7,7 Mio. Euro das schlechteste Ergebnis in der Firmengeschichte. „Wir haben am Anfang Fehler gemacht“, räumt Ahlers ein. Er habe erwartet, dass die Konsumenten eher bereit gewesen wären, 30 bis 40 Cent mehr für ein Gericht ohne Zusatzstoffe zu zahlen. Doch dann habe sich das „Reinheitsgebot“ langsam herumgesprochen und sei eigentlich erst jetzt bekannt.

Seit 2005 sei Frosta wieder Marktführer in Deutschland bei Fertiggerichten. Der Umsatz stieg von 264 Mio. Euro (2004) auf 269 Mio. Euro: „In den vergangenen zwölf Monaten lagen wir mit einem Wachstum von mehr als 10 Prozent deutlich über dem Marktdurchschnitt“, so Ahlers. 20 Prozent Umsatz trägt die Frosta GV Catering bei. In diesem Unternehmensbereich werden sowohl Fertiggerichte als auch Convenience-Bausteine für die Gastronomie hergestellt. Auch im Cateringbereich hat Frosta Teile des „Reinheitsgebots“ umgesetzt. In diesem Jahr sei geplant, auf deklarationsfreie Produkte umzustellen.

Zum Konzept des „Reinheitsgebots“ gehört auch die Nachhaltigkeit. So kauft Frosta möglichst Fischsorten, die durch das Marine Stewardship Council (MSC) zertifiziert sind. Das Unternehmen kontrolliert zudem seine Zulieferer, ob sie bestandserhaltende Fischerei betreiben: „Wir beschränken uns auf wenige Lieferanten, die wir auch unangekündigt besuchen.“ Ein Problem stellen steigende Preise für Fisch und andere Rohstoffe dar. „Wir haben es bisher nicht geschafft, die gestiegenen Kosten an unsere Kunden weiterzugeben“, sagt Ahlers.

Die Frosta AG setzt beim Marketing vor allem auf das Internet. So hat Frosta seit 2005 unter anderem ein Weblog. Als Schaufenster betreibt das Unternehmen außerdem ein Bistro mit 60 Sitzplätzen in Hamburg. Etwa 200 Gäste besuchen täglich das Lokal. Nach Angaben von Ahlers haben sich auch bereits einige Gastronomen das erste reine Tiefkühlrestaurant in Deutschland angesehen.

Das Konzept sei voll tragfähig. Denn die Personalkosten seien geringer als in anderen Restaurants, der Wareneinsatz und die Produktionskosten ließen sich leichter kalkulieren. Trotzdem soll das Bistro das einzige gastronomische Projekt von Frosta bleiben. Ahlers betont: „Wir wollen nicht in den Wettbewerb mit unseren Kunden aus der Gastronomie eintreten.“Helmut Heigert

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