Märkte & Unternehmen
Private kämpfen ums Überleben
Für kleine und mittlere Hotels wird Spezialwissen immer wichtiger / Vor allem die Distribution rückt in den Mittelpunkt
STUTTGART. Die Hotellerie zählte in den vergangenen zwei Jahren klar zu den Gewinnern im Gastgewerbe. Umsätze und Ergebnisse konnten jedenfalls gesteigert werden. Allerdings war die Ausgangsbasis zu gering, um von rosigen Zeiten zu sprechen. Besonders hart in die Mangel werden in den nächsten Jahren die Kleinhotellerie (Umsatz bis 250.000 Euro) und die gehobene Mittelstandshotellerie (Umsatz bis 2,5 Mio. Euro) genommen. Sie müssen ihre Auslastung dringend steigern, um weiter existieren zu können. Schon jetzt nimmt die Zahl der Hotels jährlich ab, während die Zahl der zur Verfügung stehenden Betten steigt: Zeichen dafür, dass kleine Betriebe von der Bildfläche verschwinden.
Anbindung an Systeme
Klein- und Mittelstandsbetriebe erhalten zum einen zunehmend Konkurrenz durch Budget-Ketten, zum anderen müssen sie gegen eine wachsende Zahl von Kettenhotels im mittleren Preissegment ankämpfen. Nicht selten handelt es sich dabei um ehemalige Privathotels in B-Lagen, die bereits in die Hände in- oder ausländischer Investoren gelangten und – nach dem Kauf ein bisschen verschönt – ein noch ernstzunehmenderer Wettbewerber sind. Ihre neuen Eigentümer schließen die Hotels in der Regel per Franchise-System an starke Distributionssysteme an oder gründen eigene Ketten, mit denen sie sich modernster Reservierungstechnik bedienen. In diesem Umfeld Umsatzsteigerungen zu generieren ist für Einzelkämpfer schwierig, aber überlebensnotwendig.
Darauf weist auch kürzlich veröffentlichte BBG-Treugast Betriebsvergleich hin (AHGZ vom 26. Januar). Die Belegung der gehobenen Mittelstandshotellerie, zu der mehr als 50 Prozent der Beherbergungsbetriebe in Deutschland zählen, erreichte 2007 lediglich 50 Prozent, heißt es dort. Wegen der hohen Fixkosten in dieser Gruppe würde eine bessere Auslastung auch gleich das Betriebsergebnis massiv verbessern. Bei den Kleinhotels, die Umsatz und Ergebnis im Vorjahr ebenfalls verbessern konnten, bleibt der Wareneinsatz mit 38,1 Prozent zu hoch. Auch hier sei die Auslastung noch steigerungsfähig.
Hat der Privathotelier noch Chancen mittel- bis langfristig zu überleben oder kämpft er bereits auf verlorenem Boden? „Privathoteliers verstricken sich häufig im operativen Tagesgeschäft und nehmen sich keine Zeit, einmal von Außen auf den Betrieb zu schauen, um ihre strategische Ausrichtung zu prüfen“, sagt Sabine Möller, Geschäftsführerin der Kooperation City Partner Hotels aus Hamburg.
Projekte sind austauschbar
Möller glaubt, dass der mangelnde Abstand zum Tagesgeschäft vor allem zwei Gründe hat: die aus Kostengründen dünne Mitarbeiterdecke und das persönliche Gefühl vieler Führungskräfte, unentbehrlich zu sein oder durch Delegation an Macht zu verlieren. Defizite bei Marketing und Vertrieb fallen somit erst dann auf, wenn keine Gäste mehr kommen.
Der Schwerpunkt der Marketingüberlegungen, dies erläutert auch das jüngste Kompendium Markenhotellerie des Hotelverbandes Deutschland, (IHA) wird sich von der Produktpolitik zur Distributionspolitik verlegen. Hotelprodukte werden zunehmend austauschbarer. Der Wert eines Hotels wird allein durch seinen Erfolg, das heißt die Akzeptanz der Gäste bestimmt, die das Hotel buchen.
Und gebucht wird, wer problemlos verfügbar ist„Gerade hier ist hoch spezialisiertes Wissen nötig, das kein Privathotelier mehr besitzen kann. Er müsste IT-, CRM- und Yield-Spezialist sein, dazu auch noch alle Kanäle des Travel-Managements kennen und wissen, wohin sich der Markt bewegt“, so Anke Cimbal, Pressesprecherin der Kooperation Best Western Hotels und mit den Schwächen und Stärken der Privathoteliers vertraut.
Schon heute wird laut Branchenreport 2007 des Hotelverbandes Deutschland knapp ein Drittel aller Buchungen aus den Bereichen Global Distribution System (GDS), Computer Reservierungs System (CRS) oder Internet generiert. Entwickelt sich der Hotelier jedoch zum IT-Spezialisten, bleibt sein restliches Tagesgeschäft auf der Strecke.
Chancen, den Wettbewerb der kommenden Jahre zu überleben, haben nur diejenigen Hoteliers, die Spezialisten für die organisatorischen und technologischen Bereiche zu Rate ziehen und sich auf ihre Stärke konzentrieren. Die bestehen im persönlichen Service und der flexiblen Reaktion auf Marktveränderungen. Susanne Stauß
