Aktuell
Provisionen verschärfen Steuererhöhung
Kreditkartenunternehmen verdienen an der Mehrwertsteuer / Vorteile für Verbandsmitglieder
STUTTGART Sie wird den Bürgern das Geld aus der Tasche ziehen. Viele sehen darin eine Konjunkturbremse: Die Mehrwertsteuererhöhung, die zum 1. Januar 2007 kommt. Um drei Prozentpunkte wird sie angehoben. Doch damit nicht genug: Für die Betriebe in der Gastronomie, vor allem aber in der Hotellerie bringt sie eine Reihe zusätzlicher Belastungen – beispielsweise bei den Kreditkarten-Gebühren.
„Kaum wahrgenommen wird, dass nicht nur die Umsatzsteuer steigt, sondern auch gleich die Kreditkartengebühren für die Betriebe, da sie vom Brutto-Umsatz errechnet werden, aber selbstverständlich vom Netto-Umsatz bezahlt werden müssen“, schimpft ein Hotelier und hat Recht damit. Die eigentlich paradoxe Situation, dass die Provisionen auch auf die Umsatzsteuer zu entrichten sind, führt dazu, dass die Kreditkarten-Unternehmen gemeinsam mit dem Staat von der Mehrwertsteuererhöhung profitieren werden.
Dass es sich dabei durchaus um relevante Beträge handelt, rechnet der Hotelier am Beispiel von American Express vor: Dort zahlt er derzeit auf 1000 Euro Umsatz 44,08 Euro Provision. Nächstes Jahr werden es nach dem Aufschlag der Mehrwertsteuer 45,22 Euro sein und damit 2,6 Prozent mehr.
Nun liegen die Provisionen für Visa und Mastercard nicht wie bei American Express höher als vier Prozent, sondern je nach Anbieter zwischen zwei und drei Prozent. Allerdings haben allein die 2000 Partnerbanken von Visa rund 11,7 Mio. Kreditkarten ausgegeben. Gemeinsam mit Mastercard deckt Visa rund 80 Prozent des Marktes ab, und da kommt durch die Steuererhöhung dann doch ein deutliches Plus zustande. Nach Angaben von Hauptgeschäftsführer Markus Luthe vom Hotelverband Deutschland (IHA) wickelt die Hotellerie in Deutschland bis zu 50 Prozent ihres Umsatzes – rund 3 Mrd. Euro pro Jahr – über Kreditkarten ab.
Viele Hotels haben nicht nur bei den Kreditkarten die Situation, dass sie auf eine Steuer Provision zahlen müssen. Auch Reiseveranstalter und Betreiber von Internet-Hotelführern und Buchungsportalen kassieren munter mit, wenn der Staat den Bürgern in die Tasche greift. Allerdings nicht bei allen Hotels: „Es gibt auch Betriebe, die mit den Reiseveranstaltern Netto-Vereinbarungen abgeschlossen haben“, erläutert Markus Luthe. Einen Überblick darüber, wie viele das sind, hat sein Verband allerdings nicht. Gegenüber Reiseveranstaltern gibt es also offenbar zumindest die Möglichkeit, beim Neuabschluss von Verträgen zu vermeiden, dass auf die Umsatzsteuer auch noch Provisionen an Dritte gezahlt werden müssen. Dagegen können Gastronomen und Hoteliers gegenüber den Kreditkarten-Unternehmen nur darauf achten, dass die Provision so niedrig ausfällt, wie es nur geht.
DEHOGA-Mitglieder haben dabei die besten Karten. Die Servicegesellschaft ihres Verbandes, die Interhoga mit Sitz in Bonn, hat mit dem Anbieter Acceptance, Lufthansa AirPlus Servicekarten GmbH eine Vereinbarung, die Verbandsmitgliedern bei Visa und Mastercard Vorzugsbedingungen sichert: Bei Akzeptanz beider Karten beträgt der Provisionssatz für die Visa-Karte 1,75 Prozent netto, für die Mastercard liegt er bei 1,95 Prozent netto. Wird nur eine der Karten gewählt, betragen die Gebühren bei Visa 1,85 Prozent netto und bei Mastercard 2 Prozent.
