Rauchverbot
Raucher-Kneipen melden Umsatzeinbußen
STUTTGART. Die Nachricht kommt ohne jede Vorwarnung auf den Schirm: „Kneipen-Umsätze steigen trotz Rauchverbot“, heißt es bei Spiegel Online. Am Beispiel des Freistaates Bayern macht das Magazin eine Rechnung auf, die in der gastgewerblichen Branche für einiges Kopfschütteln und noch mehr Verwunderung sorgt. „Seit vergangenem Jahr herrschen in Bayern die strengsten Regelungen Deutschlands. Dennoch stiegen die Umsatzzahlen im zweiten Halbjahr 2010 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,5 Prozent. Die Kneipen und Restaurants in Nordrhein-Westfalen mit umfassenden Ausnahmeregelungen für Raucher verzeichneten dagegen ein Minus von 3,1 Prozent“, meldet der Online-Dienst.
Minus von 6 Prozent
Frank-Ulrich John ist damit aber nicht aus der Ruhe zu bringen. Der Pressesprecher des DEHOGA Bayern kennt seine Quartalszahlen in- und auswendig. „Unsere getränkeorientierten Betriebe schließen das Jahr 2010 mit einem Minus von 6 Prozent ab“, sagt John auf Nachfrage der AHGZ.
Beim DEHOGA Nordrhein-Westfalen in Neuss redet Hauptgeschäftsführer Klaus Hübenthal Klartext. „Wir gehen von 3000 bis 3500 verbotsbedingten Betriebsaufgaben aus, wenn die bisherigen Ausnahmeregelungen für Raucher wegfallen sollten“, prognostiziert Hübenthal. Damit spielt der Hauptgeschäftsführer auf ein aktuelles Urteil in Sachen Rauchverbot in Gaststätten an. Das Oberverwaltungsgericht Münster hat in einem Eilbeschluss ein Rauchverbot für eine Gaststätte bestätigt, die nach Angaben der Inhaberin nur den Mitgliedern eines Raucherclubs offensteht . Zuvor hatte bereits das Verwaltungsgericht Köln den Eilantrag der Wirtin gegen das von der Stadt Köln verhängte Rauchverbot abgelehnt. Bislang verbliebene Schlupflöcher für Wirte sind damit wohl auf Dauer verschlossen.
Aufrichtig leid tun Björn Grimm „alle jene Gastronomen in Hamburg, die im Vertrauen auf die Landesregierung in Raucherbereiche investiert haben und diese nicht mehr nutzen dürfen“. Der Inhaber von Grimm Consulting in Emden und Hamburg ist ganz dicht an der Branche dran, weiß um die Befindlichkeiten seiner Klientel. „Hier drücken zum Teil die somit zusätzlich zu erbringenden Kapitaldienste auf die ohnehin schon schwachen Betriebsergebnisse“, sagt Grimm im AHGZ-Gespräch. Und schiebt ein dickes Stück Branchen-Realität nach. „Viele Kneipen sind allein nur noch deshalb geöffnet, da der Wirt keine wirklichen Lebensalternativen hat, und mitunter bis zum Schluss ein guter Gastgeber sein möchte. Mit Geld verdienen hat es aber definitiv nichts mehr zu tun“, sagt Grimm.
Angst geht um
„Die Masse der Gastronomen leidet unter dem Rauchverbot.“ Thomas Lengfelder muss es als Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Berlin wissen. Und die Zahlen vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg geben Lengfelder Recht. Zwar verzeichnet das Berliner Gastgewerbe im vierten Quartal 2010 ein Umsatzplus von 2 Prozent (real - 1,2 %), was aber ausschließlich auf deutliche Mehreinnahmen im Beherbergungsgewerbe (+10,2 % ; real: + 4,6 %) zurückzuführen ist. Die Gastronomie meldet im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres Mindereinnahmen von nominal 4,8 Prozent (real – 6,1 %).



Walter, Nürnberg
30.04.2011 um 11:18
Betreff: Rauchersterben
Kneipe ist ein Auslaufmodell und Raucher auch. Schon weit vor den Rauchverboten gingen Kneipen massenhaft pleite aber jetzt hat man etwas gefunden, dem man das eigene Unvermögen zur Veränderung anhängen kann. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Raucher sind Herden"tiere" sie brauchen das Dazugehören das Dabeisein und Gesellschaft mehr als andere. Deswegen haben sie ja Seinerzeit auch mit dem Rauchen angefangen. Sie wollten dazu gehören, Anerkennung und cool sein. Das haben sie nun davon. Sie werden daher nicht irgendwo abgeschottet rumsitzen und weiter in die immer uncooler werdenden stinkenden Kneipen gehen und ihr Niedriggehalt versaufen, während das Leben an ihnen vorbeizieht.