Aktuell
Raucher müssen nicht draußen bleiben
Das Gastgewerbe hat auf die steigende Nachfrage nach Nichtraucherplätzen reagiert / DEHOGA setzt weiterhin auf die freiwillige Zielvereinbarung
HAMBURG/BERLIN Torsten Petersen legt die Stirn in Falten. Auf 19 Prozent seiner Gäste wolle er wirklich nicht verzichten. So viele hatten mit einem Restaurant-Boykott gedroht, sollte man das Rauchen in den Enchilada-Outlets generell verbieten. Vor einem Jahr hatten die über 30 Betriebe ihre Gäste befragt, wie man es mit dem Rauchen halten solle. Mehr als 15.000 Gäste nahmen daran teil. Das erstaunliche Ergebnis: 36 Prozent waren für ein generelles Rauchverbot, 34 Prozent für einen Nichtraucherbereich. Sechs Prozent fanden es okay, wenn nur an der Bar geraucht werden dürfe. Als Kompromiss etablierte man in den folgenden Monaten in jedem Betrieb eine Nichtraucherzone.
über Rauchverbot diskutieren
Das ist Rauchergegnern zu wenig. Der SPD-Politiker Lothar Binding hat im Bundestag die Initiative für einen fraktionsübergreifenden Antrag auf ein generelles Rauchverbot in öffentlichen Räumen und der Gastronomie gestartet. Bündnis 90/Grüne und mehrere Abgeordnete von Union und SPD haben ihre Sympathie für diese Idee bekundet – aktuell wird der Antrag in den Fraktionen beraten. Nach dem Willen von Unionspolitikern soll er der Bundesregierung noch vor der Sommerpause vorgelegt werden. Um das Verfahren zu beschleunigen, arbeiten die Grünen derzeit an einem eigenen Gesetzentwurf für ein Rauchverbot. Auch für den NGG-Vorsitzenden Franz-Josef Möllenberg „führt kein Weg an einem Rauchverbot vorbei“, wie er der
Sabine Bätzing, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, möchte hingegen an der Selbstverpflichtung festhalten. In einem Interview mit der
Gegen ein solches Verbot wendet sich Detlef Parr, drogenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag. „Die Arbeitsstättenverordnung regelt bereits den wirksamen Schutz von Nichtrauchern“, sagte der Politiker dem
„Wenn Nichtrauchern ihre Gesundheit so wichtig ist, warum treiben sich dann so viele von ihnen in verrauchten Bars herum“, fragt Patrick Welter in der
mit Nichtraucherzonen
Woher die plötzliche Regelungswut kommt, ist vielen Gastronomen und Hoteliers schleierhaft. Sollten sich die Befürworter durchsetzen, sieht Peter Reichert, stellvertretender Vorsitzender des sächsischen Hotel- und Gaststättenverbandes, eine Katastrophe auf die Branche zukommen. Wie in Irland prophezeit er ein Kneipensterben. „Diese schönen alten Pubs haben jetzt das Flair einer Krankenstation.“
Eine repräsentative Umfrage der
Diese Erfahrung hat man auch bei Gastro & Soul GmbH in Hildesheim gemacht. Die Firma betreibt 13 „Cafe del Sol“-Restaurants in Deutschland. Als sie vor einem Jahr mit den Nichtraucherzonen startete, gab es in den Filialen kleinere Umstellungsschwierigkeiten, erzählt Pressesprecherin Jimena Struve. Mancher Gast wusste nicht auf Anhieb, wo er nun rauchen durfte. Doch das legte sich schnell. „Seit diesem Jahr planen wir die Nichtraucherzonen bereits in der Entwicklungsphase fest in unsere Outlets ein“, sagt sie. Seit dem 1. März 2006 kommt das Unternehmen auf 50 Prozent Nichtraucher-Sitzplätze – zählt man die Freiluftplätze nicht mit. Das sind mindestens 100 Nichtraucherplätze pro Lokal.
Ein kleines Nichtraucherstübchen betreibt die Düsseldorfer Brauerei im Füchschen – und ist damit eine der ersten Brauereikneipen der Landeshauptstadt mit einem Nichtraucherbereich. Die 45 Sitzplätze (von 300 Innen-Plätzen) seien meist recht ordentlich frequentiert, berichtet Rolf Köster, Bereichsleiter Gastronomie. Vor allem die älteren Gäste sitzen lieber rauchfrei. Nur an allgemein schwachen Abenden, wenn das ganze Lokal nur zur Hälfte gefüllt ist, bleibt die rauchfreie Stube unterdurchschnittlich ausgelastet. Da mischen sich die Nichtraucher unters rauchende Volk – besser als separat zu sitzen.
Angesichts vieler positiver Erfahrungen mit dem Nichtraucherschutz hat der DEHOGA Bundesverband kein Verständnis für eine undifferenzierte Debatte. Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges: „Ich erwarte, dass sich die Bundesregierung vertragstreu verhält.“ Ein vorzeitiges Abweichen von der Zielvereinbarung sei nicht nachvollziehbar. Die Branche brauche Planungssicherheit. Übersehen wird, dass – wie DEHOGA-Pressesprecherin Heckel sagt – die aktuelle Diskussion zu viel über einen Kamm schert. Es werde nicht nach Betriebstypen unterschieden. „Größere Betriebe können viel leichter Nichtraucherbereiche ausweisen als die kleine Kneipe von 40 Quadratmetern“, meint auch Enchilada-Geschäftsführer Petersen.
Bei der Lösung des Problems kommt es offenbar auf Flexibilität an: So sind die Nichtraucherbereiche in den Enchilada-Outlets in der Regel als erstes reserviert und als erstes besetzt. Sie sind allerdings auch zu späterer Stunde als erstes weniger frequentiert – vor allem an den Wochenenden. Dann zieht es offenbar die Nichtraucher zu den Rauchern. Kleinere Enchilada-Betriebe haben ihre Nichtraucherbereiche nur bis 22 Uhr ausgewiesen. Probleme gibt es dann aber kaum: Denn mit vorgerückter Zeit scheint auch die Toleranz der Nichtraucher zu steigen. Vor allem, wenn die Stimmung ebenfalls steigt.