Branchenbarometer
Reisen haben Konjunktur
Studie: Internationaler Tourismus wächst kräftig / Junge Reiseländer, höhere Produktivität und das Internet tragen die Entwicklung
STUTTGART. Für den weltweiten Tourismus war 2007 erneut ein fantastisches Jahr. Das konstatiert der aktuelle Travel Monitor des Münchner Marktforschungsunternehmens IPK. Demnach ist die Zahl der Reisen mit Übernachtung im vergangenen Jahr um 6 Prozent gestiegen.
Interessant: In absoluten Zahlen hat Europa am meisten zum Volumenwachstum beigetragen, auch wenn die Veränderung beim Incoming-Tourismus nur bei 5 Prozent liegt. Betrachtet man dagegen die jeweiligen Wachstumsraten, liegen Regionen wie Afrika (+12%), Asien (+10%)und Amerika (+8%) vorn – aber eben von einem niedrigeren Niveau aus.
Trotzdem sieht die Studie als Wachstumstreiber Nummer eins im Reisemarkt die aufkommenden, noch nicht gesättigten Reiseländer – und zwar als Quellmärkte. Relativ junge Ausgangsländer für Auslandsreisen wie Korea, China, Indien, Brasilien oder Argentinien entdecken demnach zunehmend das Reisen für sich. Ebenfalls positiv wirke sich das Produktivitätswachstum in der Reiseindustrie aus. Auch die rasante Verbreitung des Internets für Reisebuchungen fördere den Wachstumsschub im Tourismus, so IPK. Weltweit lag der Anteil von Onlinebuchungen 2007 bei einem Drittel des Gesamtaufkommens.
IPK bestätigt zudem einen Trend, den bereits andere Studien andeuteten: Das Wachstum bei den längeren Reisen – jedenfalls bei Touristen aus Europa – liegt mittlerweile über dem Zuwachs bei Kurztrips. Letztere nahmen lediglich um 2 Prozent zu, während erstere um 7 Prozent zulegten. Somit bestehe die Möglichkeit, dass der Kurztrip-Boom der vergangenen Jahre nun abebbt.
Betrachtet man die beliebtesten Städteziele innerhalb Europas, fällt die Entwicklung von Berlin ins Auge: Vor wenigen Jahren noch weit abgeschlagen, liegt die deutsche Hauptstadt jetzt auf Platz drei der europäischen City-Destinationen.
Nach Reiseformen ergibt sich ein interessantes Bild: Am stärksten zugenommen haben laut IPK Rundreisen mit einem satten Plus von 15 Prozent, Urlaub auf dem Land wuchs um 9 Prozent, Sonne und Strand lagen 6 Prozent im Plus, Städtereisen wuchsen um 5 Prozent. Die Studie ergab auch, dass fast die Hälfte aller europäischen Reisenden (45 Prozent) kein Englisch spricht. Hier zeigt sich, dass Hoteliers und Gastronomen nicht nur auf die „Weltsprache“ Englisch setzen sollten. Mehrsprachige Speisekarten und Mitarbeiter mit mehreren Fremdsprachen können so zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.
Für die Deutschen verzeichnet IPK seit fünf Jahren einen abnehmenden Anteil der Auslandsreisen. Den Grund für die Stärkung der Inlandsziele sieht die Studie in dem guten Produkt, das Urlaubern hierzulande geboten wird. Auch die gute Konjunktur hat dazu beigetragen. So boomten etwa Geschäftsreisen 2007 mit einem Zuwachs von 10 Prozent.Marina Behre
www.ipkinternational.com