Unternehmen
Rosenthal schweigt und verhandelt weiter
von Alexandra Leibfried
SELB/MÜNCHEN. Was gerade hinter den Türen des Traditionsunternehmens vor sich geht, ist ein Geheimnis. Sicher ist nur soviel: Es wird verhandelt. Der zuständige Geschäftsführer für die Hotellerie, Achim Bornhäußer, sagte gegenüber der AHGZ: „Wir haben Stillschweigen mit den Verhandlungspartnern vereinbart. Wir sind mit 10 bis 20 potenziellen Investoren im Gespräch."
Laut eines Berichtes der Financial Times könnte Rosenthal demnächst an den italienischen Besteckanbieter Sambonet mit Unternehmenssitz in Orfengo übergehen. Bornhäußer blockt ab: "Ich kann und werde aber nicht einmal bestätigen, ob wir überhaupt mit den Italienern verhandeln.“ Anderen Medienberichten zufolge will der Freistaat Bayern dem fränkischen Traditionsunternehmen mit einem Kredit unter die Arme greifen. So soll eine Anfangsliquidität sichergestellt werden, wenn ein neuer Investor einsteigt.
„Wir werden alle verfügbaren Maßnahmen ergreifen, damit es bei Rosenthal weitergeht", sagt der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). Rosenthal erwägt nach Angaben einer Sprecherin eine Bitte um einen staatlichen Überbrückungskredit in Höhe von 30 Mio. Euro.
Der börsennotierte Porzellanhersteller Rosenthal musste kürzlich Antrag auf Insolvenzeröffnung stellen. Dieser Schritt, ausgelöst durch die Insolvenz der irisch-britischen Muttergesellschaft Waterford Wedgwood, werde jedoch keine Auswirkungen auf das Geschäft mit Hotel- und Restaurantgeschirr haben, versicherte Achim Bornhäußer gegenüber der AHGZ. „Produktion, Verkauf und Vertrieb laufen normal weiter. Wir sind voll aktionsfähig."
Mit ihren Hotel- und Gastronomiekunden, darunter Branchenriesen wie das Kreuzfahrtschiff Queen Mary II oder das Berliner Hotel Adlon, generiert die Rosenthal AG 20 Prozent ihres Umsatzes. „Es gibt keine Probleme mit dem Nachschub", stellt Bornhäußer klar. Sein Geschäftsbereich sei geprägt von langfristigen Kundenbindungen, „da kauft man nicht gleich neues Geschirr bei einem anderen Anbieter". Im abgelaufenen Kalenderjahr habe Rosenthal sogar Umsatzzuwächse und Marktanteilgewinne beim Handel mit Restaurants und Hotels verzeichnen können.
Rosenthal beschäftigt weltweit 1.545 Mitarbeiter. Sie bekommen noch Insolvenzgeld bis Ende März. Das Traditionsunternehmen mit 130-jähriger Geschichte hatte am 9. Januar beim Amtsgericht Hof Gläubigerschutz beantragt. Die irische Konzernmutter Waterford Wedgwood, die 90,7 Prozent der Rosenthal-Papiere hält, war vier Tage zuvor in Insolvenz gegangen.


