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Rettungsanker Traumschiff: Gisa Deilmann (links) und Hedda Deilmann, hier mit dem Kapitän ihres Hochseeschiffs, mussten für die Flussschifffahrt Insolvenz anmelden Foto: Unternehmen

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Schwimmende Hotels: Viel Bewegung auf dem Wasser

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2009/29 vom 18. Juli 2009
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Wegen immer stärkerer Überkapazitäten tobt im unteren und mittleren Segment bei der Fluss- und Hochsee-Kreuzfahrt ein Preiskrieg. Wer aber Kabinen auf hoher See unter wirklich noblen Schiffsplanken anbietet, muss keine Preisnachlässe geben.

Touristiker oder Hoteliers, die auf Nischen setzen, können prächtig verdienen. Oder, wenn die Nachfrage ausbleibt, Schiffbruch erleiden. Letzteres ist den Schwestern Gisa und Hedda Deilmann passiert. Sie mussten für ihre Flusskreuzfahrtschiffe Mitte Juni Insolvenz anmelden. Die Insolvenz betrifft sieben sogenannte Besitzgesellschaften für die neun Schiffe. Gesellschafter sind jeweils die Deilmann-Schwestern. Darlehen seien kurzfristig fällig gestellt, Anträge der Reederei auf Liquiditätshilfen von den Banken und der Politik negativ beschieden worden, sagt ein Unternehmenssprecher. Die Reederei selbst sei nicht berührt. Als Hochseereiseveranstalter werde Deilmann weiterhin die MS Deutschland betreiben, deren Besitzgesellschaft nicht insolvent sei.

Hochbetagte Stammgäste

Dem Vernehmen nach ist die MS Deutschland, ZDF-Zuschauern als „Traumschiff“ bekannt, bestens ausgelastet. Den Zwillingen Deilmann ist wohl zum Verhängnis geworden, sich auf 5-Sterne-Flussschiffe konzentriert zu haben. Im obersten Preissegment mit Tagespreisen zwischen 350 und 400 Euro seien die Schiffe zu klein gewesen, um flexibel auf die wegbrechende Auslandsnachfrage zu reagieren, sagt ein Mitbewerber. Die Reederei hatte darüber informiert, dass der Umsatzrückgang um mehr als die Hälfte nicht mehr verkraftbar war. Möglicherweise, so ein Mitbewerber, hätten die beiden Schwestern bei den Banken nicht den Rückhalt gehabt wie ihr Vater, der verstorbene Firmengründer. Der hatte noch zu Lebzeiten ein zweites Hochseeschiff bestellt. Die Kinder stornierten jetzt diese Bestellung.

Flusskreuzfahrer sind eigentlich keine Luxus-Touristen. Sie benutzen die Schiffe wie Busse, um bequem viel zu sehen. Dass wegen der hohen Preise auch das Inlandsgeschäft auf den Flüssen und Strömen rückläufig ist, hat wohl das Aus für dasFlussgeschäft der Deilmanns besiegelt. Es bleiben nur die Stammgäste, deren Durchschnittsalter auf den Flüssen noch biblischer ist als auf den Weltmeeren. Hochbetagte schätzen daran, jeden Abend sicher im Hafen zu liegen, weil Fachärzte in fünf Minuten zum Schiff kommen können.

Auch bei anderen deutschen Reedereien, die Luxus-Flussschiffe betreiben, scheint das Geschäft ins Stocken geraten zu sein. Sea Cloud Cruises, die viele vor allem wegen ihrer imposanten Hochsee-Segler schätzen, werden eines von zwei Flussschiffen aus dem deutschen Markt nehmen, wie das Unternehmen per Pressemitteilung verlautbart. Die Flussyacht River Cloud von Sea Cloud Cruises wird vom 1. März 2010 an langfristig an ein niederländisches Unternehmen verchartert. „Damit sichert sich das Kreuzfahrtunternehmen die langfristige Auslastung der 1996 in Dienst gestellten Flussyacht“, heißt es.

Sind das nur zwei einzelne Entwicklungen – oder ein Trend für die gesamte Branche? „Der Kreuzfahrtenmarkt wächst derzeit noch immer zweistellig“, sagt Sybille Zeuch, Pressesprecherin beim Deutschen Reiseverband (DRV), räumt aber ein: „Die rückläufige Nachfrage aus dem Ausland macht sich allerdings bemerkbar. Das betrifft meist das höherpreisige Segment – etwa bei den Flussreisen, da beispielsweise viele US-Amerikaner wegen des hohen Euro-Kurses derzeit auf Reisen verzichten.“

„Wer sich auf dem amerikanischen Markt tummelt, hat augenblicklich Schwierigkeiten. Aber wir expandieren profitabel weiter“, sagt Benjamin Krumpen. Der Geschäftsführer von Phoenix Reisen ist Marktführer für Flusskreuzfahrt in Deutschland. Allerdings beobachtet er Mitbewerber, die eine Woche auf der Donau für 299 Euro anbieten. „Wir lassen dann lieber

40 Kabinen leerstehen, das ist aus meiner Sicht wirtschaftlich sinnvoller“, sagt Benjamin Krumpen. Sein Unternehmen besitzt keine eigenen Schiffe, betreibt sie aber im sogenannten Vollcharter auf eigenes Risiko. Die Palette reicht vom 2- bis zum 5-Sterne-Schiff. Dadurch kann Phoenix Einbrüche wettmachen.

Die Anbieter von Hochsee-Kreuzfahrten verbuchten gegenüber dem Vorjahr ein Gäste-Plus von 18,9 Prozent. Flusskreuzfahrten-Veranstalter steigerten ihre Passagierzahlen um 14,8 Prozent. Das ergab die jährliche Umfrage im Auftrag des DRV für die exklusive Branchenanalyse „Der Kreuzfahrtenmarkt Deutschland 2008“. Michael Thamm, Vorsitzender des DRV-Ausschusses Schifffahrt und Chef des deutschen Seereisen-Marktführers Aida, jubelt: „Diese Entwicklung belegt den Trend zur Kreuzfahrt sehr eindrucksvoll.“ Zugelegt hat vor allem das Massengeschäft mit Tagespreisen um die 200 Euro pro Person.

Tui mischt mit

Der rasant gewachsene Markt in Deutschland hat bisher Platz genug für alle. Da will auch die Tui mitmischen. Für die Tochter Tui Cruises hat Vorstandschef Michael Frenzel das Marketinggenie Richard Vogel gewonnen, der schon das Clubschiff Aida erfunden hat. Tui Cruises taufte vor Kurzem zusammen mit Joint-Venture-Partner Royal Caribbean das erste umgebaute und komplett renovierte 13 Jahre alte Schiff auf den Namen „Mein Schiff“.

„Mit den Aida-Clubschiffen hat sich das Geschäft völlig geändert und ist zu einem Massenmarkt geworden“, sagt Otto Schüßler, Schifffahrtexperte und Autor der DRV-Kreuzfahrtstudie. Die lässige Atmosphäre lockt auch Kunden an Bord, denen traditionelle Kreuzfahrten zu formell sind und die im Urlaub mehr wollen als Shuffleboard und Völlerei.

Fünf der 2000-Betten-Dampfer, die bei der Meyer Werft in Papenburg gebaut oder umgebaut werden, hat Aida-Chef Thamm schon übernommen, die restlichen drei folgen in den kommenden drei Jahren. Die Neubauten mit dem roten Kussmund am Bug sind weitgehend identisch. Unterschiede liegen im Detail: Die gerade in Dienst gestellte „Aida Luna“ hat etwa ein

Indisches Spa und auf dem Pooldeck ein Open-Air-Kino. Die noch ausstehenden Schiffe bekommen ein zusätzliches Asia-Restaurant und eine eigene Hausbrauerei. Der Druck auf die Preise nimmt unterdessen weiter zu – nicht nur, weil die neuen Schiffe das Angebot vergrößern. Wegen der schwächelnden Nachfrage in ihrem Heimatmarkt haben etliche große US-Reedereien einen Teil ihrer Schiffe nach Europa beordert. Die Folgen sind in den Preistabellen der Reedereien abzulesen: Alle Anbieter werben mit zum Teil zweistelligen Rabatten und Sonderaktionen, Aida verramscht Kontingente auch schon mal bei Tchibo oder Metro, Tui Cruises bietet All-inclusive-Reisen sowie Vergünstigungen für Kinder und Flitterpaare.

Kreuzfahrt-Experten gehen davon aus, dass die Preise wegen der Überkapazitäten weiter fallen. Gerade hat die italienische Reederei MSC ihre Tarife drastisch gesenkt: Auf den Routen durchs westliche Mittelmeer kosten sieben Nächte in der günstigsten Kabine in der Hochsaison 700 Euro. Vor wenigen Wochen waren das noch 1250 Euro. Ähnlich stark hat MSC auch die Preise für Fahrten durchs östliche Mittelmeer reduziert. Ruhigere Luxus-Törns kosten meist noch so viel wie zu Jahresbeginn. Kunden, die sparen wollen, buchen die schwimmende Kirmes, Anmach-Garantie im Preis inklusive, wie die Oasis of the Seas. Die schwimmende Kleinstadt hat in 2700 Kabinen Platz für 5400 Passagiere. Damit ist das neue Flaggschiff der US-Reederei Royal Caribbean das größte Kreuzfahrtschiff der Welt. Der Dampfer mit Loftkabinen, 20 Restaurants und einem Park an Bord sticht Ende 2009 erstmals in See und wird in der Karibik kreuzen.

Für alle was dabei

Das Angebot für Freizeitmatrosen ist riesig und passt zu jedem Geschmack und Geldbeutel. Die zum Firmenimperium des Easy-Jet-Gründers Stelios Haji-Ioannou gehörende Easy Cruise offeriert 3-Tage-Ägäis-Kreuzfahrten

in engen Innenkabinen zweier umgebauter Fähren schon für knapp 400 Euro. Die „Athena“ von Phoenix Reisen hat Kabinen zum Tagessatz von weniger als 80 Euro – ein Musikdampfer mit bewegter Vergangenheit, der vor allem Kunden mit kleinerem Geldbeutel aus den neuen Bundesländern anzieht.

Wer dagegen eine 5-Wochen-Tour von Venedig durch das Schwarze Meer und zurück bucht, muss für eine der 270 Balkonsuiten auf dem mit 540 Passagieren eher familiären Luxuskreuzer „Seabourn Odyssey“ mehr als 25.000 Euro berappen – so viel wie für einen Mittelklassewagen. Dafür gibt es aber Champagner und Kaviar satt. Vielen Deutschen gilt die „Europa“ von Hapag Lloyd als bestes Kreuzfahrtschiff der Welt. 400 bis 500 Euro pro Kopf und Tag kostet die Passage auf dem Flaggschiff der zum Tui-Konzern gehörenden Reederei. Unternehmerfamilien sollen sich um die Suiten mit eigener Küche und privatem Spa reißen. Eine Weltreise auf einem derartigen Luxuskreuzfahrtschiff kostet so viel, wie andere für frei stehende Einfamilienhäuser aufwenden.

Deutsche mit schönen Depots daheim buchen aber auch Traditionsschiffe wie „Queen Mary II“ und „Queen Victoria“. In den Speisesälen herrscht noch die 2-Klassen-Gesellschaft – man diniert streng getrennt. Beim Captain's Dinner ist große Abendgarderobe obligatorisch. Und alleinreisende Damen werden anschließend von vier „Dance Hosts“ – Herren reiferen Alters – zum Foxtrott gebeten.

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