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Kempinski hat die Adresse in St. Petersburg gewechselt: Hotel Moika 22 Foto: Berg

Gastgewerbe International

Stilmöbel und klares Design

Spitzenhotellerie etabliert sich in St. Petersburg / Kempinski gibt Grand Hotel Europe an die Orient-Express-Gruppe ab

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/16 vom 22. April 2006
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ST. PETERSBURG In die Spitzenhotellerie von St. Petersburg ist Bewegung gekommen. Zunächst übernahm im Februar 2005 die in London ansässige Orient-Express-Gruppe das Traditionshaus Grand Hotel Europe von Kempinski. Nach diesem Rückzug aus dem 130 Jahre alten Grand Hotel begrüßte Kempinski im Juli 2005 heimlich, still und leise die ersten Gäste in der neuen Nobelherberge „Moika 22“. Als jüngst die letzten Innenarbeiten abgeschlossen waren, fand die große Eröffnungsfeier statt. Auch die anderen Luxushotels rüsten auf, um für den immer härter werdenden Wettbewerb gewappnet zu sein.

Thomas Noll, der seit Februar 2005 als General Manager die mehr als 700 Mitarbeiter des Grand Hotel Europe führt, hat sich viel vorgenommen. „Orient-Express hat die Mehrheit der Anteile des Hotels übernommen und damit die volle Verantwortung für das Management und das operative Geschäft.“ Rund 30 Mio. Dollar werden in den nächsten drei Jahren investiert, um das Haus noch glanzvoller als bisher zu machen. 120 Zimmer werden derzei modernisiert und können bereits ab Anfang Mai gebucht werden. Das neue Design-Konzept wurde von Michel Jouannet erarbeitet. „Die Räume müssen den Charakter eines privaten Wohnzimmers haben, viel Wärme bieten und den Geist des 19. Jahrhunderts atmen,“ sagt der französische Innenarchitekt. So orientieren sich alle Möbel an historischen Vorbildern aus der Zeit der Zaren. Auch Originalbilder reflektieren diese Zeit. Ganz modern sind dagegen die Fernseher mit Flachbildschirm und integriertem DVD-Player. Die Bäder wurden ebenfalls grundlegend modernisiert und mit großen Spiegelfronten und eleganten Armaturen ausgestattet. „Im 5. Stock wird es nur noch Suiten geben“, kündigt Noll an. „Nur so können wir die enorme Nachfrage nach Suiten abdecken.“ Aber nicht nur mit der Verbesserung der Hardware versucht Noll zu punkten. Der erfahrene Hotelmanager, der zuvor vier Jahre lang das Corinthia Nevskij Palace Hotel sehr erfolgreich geführt hat, brachte auch eine Menge neuer Ideen mit. So organisierte er zum Beispiel den glamourösen Puschkin-Ball. „Um mehr Gästen Platz bieten zu können, werden wir den nächsten Ball in den Katharinen-Palast verlegen. Wir erwarten dann rund 260 Gäste, von denen jeder 400 Dollar Eintritt zahlt“, so Noll über das umsatzstarke Zusatzgeschäft.

Panoramablick vom Dach

des Hotels Moika 22

„Über zehn Jahre haben die Planungen für das Hotel Moika 22 gedauert“, sagt Maria Sobolevskaya, Promotion Managerin des Hotels. „Im Juni 2005 konnten wir nur eine Etage für die Gäste freigeben, die Bauarbeiten haben sich sehr in die Länge gezogen. Hinter dem schlichten Namen, der zugleich die Adresse des Hotels ist, versteckt sich eine Top-Lage: Die Vorderfront, ein 150 Jahre altes Stadtpalais des holländischen Architekten Basil von Witte, ist auf den Schlossplatz ausgerichtet. Spektakulär ist das 360-Grad-Panorama, das sich allen Gästen vom 9. Stock des Hotels bietet. Etwas zurückgesetzt von der historischen Fassade thront auf dem Dach das rundum verglaste Restaurant Bellevue Brasserie. Im Feinschmecker-Restaurant Beau Rivage setzen Spitzenköche aus Frankreich Akzente.

Die 197 Zimmer und Suiten sind stilvoll und komfortabel eingerichtet. Im historischen Gebäudeteil finden sich auch die fünf Suiten, allesamt individuell mit Antiquitäten und Originalgemälden ausgestattet. Die übrigen Zimmer sind im maritimen Stil gehalten. Zum Hotel gehören auch ein Konferenzzentrum bis zu 200 Personen, ein Spa auf dem Dach der Hotelanlage und eine Parkgarage.

Als eine moderne Alternative zum altehrwürdigen Luxus-Stil versteht sich das im Juli 2005 eröffnete Novotel der französischen Hotelgruppe Accor. Das 233 Zimmer umfassende Haus präsentiert sich in einem in der Stadt bislang nicht gekannten Stil: Statt auf Stilmöbel wurde auf kühles Design gesetzt. Auch die Fassade ist modern. Zwei durch eine dreistöckige Brücke verbundene Rundtürme aus Naturstein und Glas werden von metallenen Dachaufbauten gekrönt. „Wir hoffen in den nächsten Jahren auf deutlich mehr Gäste aus Deutschland“, sagt Sebastian Krämer, der seit kurzem Director of Sales & Marketing im Hotel Astoria ist. Das Nobelhaus gehört zur kleinen, aber feinen Hotelsammlung von Sir Rocco Forte.

Noch nicht beschlossen, aber schon im Gespräch ist ein neues Hotelprojekt. Der Petersburger Strommonopolist Lenenergo will seinen angestammten Platz auf dem Marsfeld räumen. Der lokale Stromriese residiert in einstigen Kasernen. Die Stadtverwaltung spricht sich für einen grundlegenden Umbau und die Einrichtung eines Hotels der Luxuskategorie des im föderalen Staatsbesitz befindlichen Komplexes aus. Natalja Belik vom Corinthia Nevskij Palace sagte gegenüber der Presse, dass ein Hotel auf dem Marsfeld in der so genannten Prime Location unter die Kategorie 5-Sterne-plus fallen müsse. Die Immobilienfirma Bekar hat nachgerechnet, dass die Kosten für die Sanierung sich auf 5000 bis 10.000 Dollar pro Quadratmeter belaufen würden und sich das Hotel innerhalb von zehn Jahren rentieren könnte.

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