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Vom Computer gesteuert: Sushi dreht seine Runden Foto: Hannes Finkbeiner

Ausland

Sushi per Touchscreen

Im jüngsten Restaurant der Schweizer Höschgass Gastro AG verbinden sich zahlreiche Ansätze zu einem stimmigen Konzept

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/42 vom 21. Oktober 2006

ZÜRICH. Gastronomische Konzepte entstehen am laufenden Band. Sushi-Restaurants entstehen gern mit laufendem Band. Kommt eine ordentliche Portion Innovation hinzu, ist man nicht weit von der Unternehmensstrategie der Höschgass Gastro AG und ihrem neuesten Outlet, dem „Yooji’s Sushi Sins und Take Away“, entfernt. Das Restaurant hat jüngst im Züricher Stadtkern eröffnet.

Mit einem Vorgänger des Restaurants hatte das Unternehmen bereits 2000 den Markt auf die Nachfrage nach japanischer Küche getestet. Im Stadtteil Seefeld eröffnete die Höschgass Gastro AG den „Prototyp“ des Yooji’s, der sich dort mit großem Erfolg etablierte. „Sein Nachfolger wurde dann mit zusätzlichen technischen Finessen ausgestattet“, berichtet Daniel Lüscher, Geschäftsführer des Yooji’s.

Dem Gast werden hier nicht nur diverse japanische Spezialitäten mit Schwerpunkt auf Sushi geboten. Er kann auch über die Art und den gewünschten Zeitaufwand des Verzehrs entscheiden. Im rechten, separat zugänglichen Bereich liegt der Take Away. Im linken Teil ist der so genannte „Kaiten“ untergebracht, in dem das Sushi auf einem Fließband seine Runden dreht.

Hier erfolgt der Service über ein spezielles Computersystem. Über beiden Einheiten erstreckt sich eine Galerie, auf der die Speisen im traditionellen A-la-carte-Service angeboten werden. Im Design besticht das Yooji’s durch knallige Farben wie Orange, Gelb oder Pink. Außerdem fallen die aufwändigen Wandmalereien ins Auge, die durch die durchdachte punktuelle Beleuchtung unaufdringlich abgesetzt werden. Das schlichte Mobiliar ist vorwiegend in schwarzen und hellbraunen Tönen gehalten. Mit der dezenten Farb-auswahl der Möbel und der geraden architektonischen Linienführung bringt das Interieur den nötigen Kontrast, um nicht die Grenze zum überstylten Kitsch zu überschreiten. Modern, hip und schick präsentiert sich das Yooji’s – eine Mischung, der die Züricher Klientel bekanntlich nicht abgeneigt ist. Strategisch gut positioniert wurde das junge Etablissement am Bellevue, einem Knotenpunkt im Herzen Zürichs. So spricht das Lokal eine breitgefächerte Zielgruppe an – mittags wie auch abends, wenn die Plätze oft drei- bis viermal belegt werden. Besonders innovativ ist der „Kaiten“: Vor jedem Sitzplatz am Rollband ist ein Touchscreen installiert, mit dem die Bestellung aufgegeben wird.

Getränke, Suppen sowie Sushi, das sich derzeit nicht auf dem Rollband befindet, können so auf technischem Wege geordert werden. „Es ist nicht in unserem Sinn, den Gast vom persönlichen Kontakt abzukoppeln, sondern es beschleunigt die Bestellung und das Geschehen hinter der Kulisse“, so Daniel Lüscher.

Das mit einer Schweizer Firma entwickelte Computersystem verfügt zudem über einen Internetzugang zu freigeschalteten Seiten, beispielsweise Tageszeitungen. Mehr als Gag erscheint die Möglichkeit, mit anderen Personen am Rollband zu chatten. Jeder Teller ist mit einem Computerchip ausgestattet. Der Gast kann das gewünschte Gericht – das durch eine durchsichtige Kunststoffglocke geschützt wird – auf einem Inforing an seinem Platz positionieren. Auf dem Bildschirm erscheint sogleich das Häppchen mit allen seinen Zutaten. „Es hilft dem Gast, Sushi kennen zu lernen“, erläutert Daniel Lüscher.

Zudem erleichtert das weltweit einzigartige System die Koordination hinter den Kulissen. Der Küchenchef ist jederzeit darüber informiert, welche Speisen auf dem Band sind und welche nachproduziert werden müssen.Ein weit wichtigerer Punkt ist jedoch die hygienische Komponente: In herkömmlichen Sushi-Restaurants kann nicht nachvollzogen werden, wie lang der rohe Fisch schon im Kreis fährt. Im Yooji’s bleibt kein Teller länger als eine Stunde auf dem Fließband. Dann wird er entfernt.

„Das System spielt uns teilweise noch Streiche. Außerdem braucht es sehr viel Instruktionszeit für die Gäste. Aber da sich viele Kunden schon weitgehend auskennen, minimiert sich der Zeitaufwand immer mehr“, so der 31-Jährige. „Am häufigsten muss ich den Gästen erklären, warum es bei uns keine Cola light gibt“, erzählt Daniel Lüscher. Der Grund hierfür ist in der Unternehmensphilosophie zu finden: gesundsheitsorientierte Ernährung.

Hannes Finkbeiner

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