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Teure Pommes für den Wirt

Heißer Juli lässt die Kartoffelpreise ins Kraut schießen / Nicht alle Agrarprodukte sind betroffen

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/35 vom 2. September 2006
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STUTTGART Die Spätfolgen des trockenen und heißen Monats Juli dürften Gastronomen schon bald zu spüren bekommen. Ernteausfälle und Lieferengpässe lassen für bestimmte Agrarprodukte die Preise steigen. „Für den 25-Kilo-Sack Kartoffeln der Sorte Lena bezahle ich mittlerweile 10 Euro. Normal sind 6,50 Euro“, berichtet Waldemar Fretz, Inhaber des Hoepfner-Burghofs in Karlsruhe.

„Noch halten wir unsere Preise stabil“, sagt Magrit Bunge vom Restaurant Kartoffelkeller in Hamburg. „Durch langfristige Lieferverträge haben sich die Kostensteigerungen für uns bisher in Grenzen gehalten.“ Ähnlich vorausschauend handhabt man im Kartoffelhaus Hannover den Einkauf, kein Problem also für Gastronom Matthias Grünsfelder. Auch im Kartoffel-Hotel in Lübeln am Rande der Lüneburger Heide will man an den Preisen festhalten, ebenso im Liedberger Landgasthaus in Korschenbroich. „An Preiserhöhung ist im Augenblick nicht zu denken“, so Inhaber Peter Schmitt. Offensiver will hingegen Kai Thiemer vorgehen. „Unsere Speisekarte wird saisonal verändert, für die Oktober-Karte werden wir die Preise moderat erhöhen“, sagt der Direktor des Gerry Weber Sporthotels in Halle/Westfalen.

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Fest steht: Wer als Gastronom vorausgeplant hat, liegt jetzt richtig. Im Vergleich zum August vergangenen Jahres sind Kartoffeln um 49 Prozent teurer geworden, Birnen haben 47 Prozent zugelegt, Paprika kosten 35 Prozent mehr, Wassermelonen 33 Prozent und Äpfel 28 Prozent mehr. Das hat Hans-Christoph Behr von der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft (ZMP) herausgefunden. HGK-Chef Wolfgang Schmidt geht davon aus, dass die Preise bei Obst und Gemüse für die Gastronomie insgesamt steigen werden.

„Es ist eine mittlere Katastrophe“, schildert Herbert Köhler, Bereichsleiter Obst und Gemüse der Handelshof-Großhandelsmärkte in Köln die Situation. Bereits im vergangenen Jahr hätten sich die Preise für Kartoffeln verdoppelt. In den nächsten Wochen rechnet Köhler mit einem weiteren Preisanstieg von bis zu 50 Prozent. Bei der Einkaufsgemeinschaft Progros hat man festgestellt, dass die Preise gerade für die großen Pommes-Frites-Kartoffeln stark anziehen. Einen Angebotsrückgang um rund 30 Prozent sagt Michael Kunzmann, Geschäftsführer des Gastro-Lieferanten Havelland Express voraus.

Ansonsten ergibt sich ein uneinheitliches Bild. „Wir hatten aufgrund der Trockenheit Lieferengpässe bei Salat, konnten diese aber durch Ware aus anderen Ländern schnell ausgleichen“, berichtet Lars Bank, Unternehmenskommunikation bei Metro Cash & Carry. „Gemüse aus Holland wie Paprika, Tomaten und Gurken sind praktisch nicht von Trockenheit betroffen, da sie im Gewächshaus gezogen werden. Gemüse aus Spanien kommt dagegen meist aus unbewässerten Folientunneln und ist deshalb wetterabhängig“, erläutert Herbert Köhler von Handelshof. Zitrusfrüchte aus Spanien hätten sogar vom heißen Sommer profitiert und sich besonders prächtig entwickelt, so Köhler. Hans-ZMP-Experte Christoph Behr sieht nicht nur bei Kartoffeln starke Ausfälle, sondern auch bei Zwiebeln. Er schätzt, dass die Preise um rund 50 Prozent anziehen werden. Beim Kohl könne es dagegen zu einem unerwartet hohen Angebot kommen.

„Nicht immer ist das Sommerwetter für die Ernte von entscheidender Bedeutung“, so Behr. Gerade bei Äpfeln rechnet er mit Preissenkungen. „Da sind wir noch ganz am Anfang der europäischen Saison, die Preise werden bis zum September wieder fallen“, so Behr. Ähnlich sei das auch mit Eisbergsalat und Birnen. „Die Haupt-ernten stehen erst noch bevor.“ Ohnehin wird für den deutschen Agrarmarkt das Wetter in anderen Teilen der Erde immer wichtiger. Viel Obst kommt mittlerweile aus Neuseeland und Südafrika. Inwieweit die Preiserhöhungen vom Handel an die Kunden weitergegeben werden, bleibt abzuwarten. „Der Wettbewerbsdruck lässt nur wenig Spielraum“, meint Gerd Häring vom Bundesverband des Lebensmittelhandels.

Dennoch dürften Hoteliers und Gastronomen zumindest beim Einkauf von Fleisch bald tiefer in die Tasche greifen. Die Schweinefleischpreise sind auf ein Fünfjahreshoch gestiegen, „wegen stärkerer Inlandsnachfrage und steigender Exporte um mehr als 20 Prozent“, so Thomas Vogelsang, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Fleischwarenindustrie.

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