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Mag es locker: Pius’-Geschäftsführer Hans-Lorenz BeckFoto: Mathias Thurm

Konzepte

Unkomplizierter Weinspaß für alle

Pius’ Weinwirtschaft vereint Bar, Bistro und Shop / Übersichtliche Karte mit launigen Beschreibungen / Weitere Standorte in größeren Städten geplant

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/7 vom 16. Februar 2008
von

KEITUM/HAMBURG. Bei einem guten Glas Wein entstehen oft die besten Ideen. So schien es nur eine Frage der Zeit, dass aus der Freundschaft des Sylter Szenegastronomen Regli und des Sylter Weinhändlers Lars Fuchs heraus ein neuer Typ Weinlokal Gestalt annahm. 2003 eröffneten die beiden Liebhaber edler Tropfen ihre erste Pius’ Weinwirtschaft in Keitum. Inzwischen gibt es Ableger in Neustadt bei Hannover und Hamburg. Weitere Filialen sind geplant.

Lust am Probieren wecken

„Wir wollen eine Gastronomie schaffen, die unkomplizierten Weinspaß mit kleinen Leckereien und einem Wohlfühlambiente vereint“, beschreibt Geschäftsführer Hans-Lorenz Beck das Konzept. Unkomplizierter Weinspaß soll heißen: Im Pius’ fühlen sich Einsteiger ebenso wohl wie Kenner. Das beginnt schon beim Interieur.

Der dezente, auf klare Linien setzende Stil verzichtet mit seiner rustikalen Note auf jedes elitäre Tamtam, sodass auch ein überzeugter Biertrinker sich auf Anhieb heimisch fühlt. Dunkle Holzmöbel und tiefrote Wände schaffen eine einladende, warme Atmosphäre. Dekorativ verteilte Flaschen aller Größen sowie ganze Fässer und begehbare Weinklimaschränke sorgen für vinophiles Ambiente ohne kitschige Weinseligkeit.

Wer vom Rebensaft so viel Ahnung hat wie der Blinde von der Farbe, muss bei der Bestellung nicht im Dunkeln tappen. Die Karte mit 40 offenen Weinen nimmt den Gast quasi bei der Hand und führt ihn mit locker-launig formulierten Beschreibungen durch die Welt der Weine. Ausgeschenkt werden auch 0,1-Liter-Gläser, was die Lust am Probieren fördert.

Bei mehr als 130 Positionen aus allen Teilen der Welt dürfte jeder Gast die Chance haben, das richtige Gewächs für sich zu entdecken. Die Preise beginnen bei günstigen 1,90 Euro für ein 0,1-Liter-Glas eines 2006er Trebbiano und reichen bis zu 229Euro für eine Flasche Château Lafite-Rothschild, Premier Cru Classé.

Ecklagen gesucht

Für den kleinen Hunger nebenbei bietet die offene Küche feine Leckereien wie gratinierten Ziegenkäse mit Thymianhonig, luftgetrocknete italienische Fenchelsalami oder verschiedene Elsässer Flammkuchen. „Unsere Küche ist bei den Gästen so beliebt, dass sie inzwischen 30 Prozent des Umsatzes einfährt“, erzählt Beck. Damit sei die absolute Obergrenze jedoch erreicht, meint der Geschäftsführer, denn im Pius’ sollen die Speisen den Wein begleiten und nicht umgekehrt.

Deshalb verzichtet die Weinwirtschaft auch auf einen Mittagstisch und öffnet täglich erst ab 17 Uhr. Zum Rotwein empfiehlt Beck ganz besonders die edlen belgischen Dolfin-Schokoladen. Sie werden auch, wie viele andere kleine Köstlichkeiten und ebenso wie alle Weine, im hauseigenen Shop „Genuss & Sünde“ zum Außer-Haus-Verkauf angeboten.

Die dekorativen Regale mit edlem Balsamico-Essig, Feigensenf, Oliven, Waldhonig, Meersalz und Wasabi-Nüssen dienen jedoch vor allem dem Ambiente. Der Umsatzanteil des Shops liege bei 8 Prozent, sagt der Geschäftsführer. Auch wenn man sich im Pius’ ganz ohne Weinkenntnisse wohlfühlen kann, erhalten Novizen und Fortgeschrittene Gelegenheit, in locker entspannter Runde ihr vinologisches Wissen zu vertiefen. Einmal im Monat lädt der hauseigene Sommelier Carsten Laade zu themengebunden Verkostungen ein.

Nach den ersten Erfahrungen mit dem Konzept auf Sylt, in Buxtehude und Neustadt am Rübenberge haben Regli und Fuchs in Hamburg-Eppendorf zuletzt ihr Referenzobjekt eröffnet, an dem sich zukünftige Weinwirtschaften orientieren sollen. Aus Buxtehude habe man sich wieder verabschiedet, weil die Stadt nicht groß genug gewesen sei, wie sich herausgestellt habe.

„Für unsere Standorte suchen wir Städte ab 100.000 Einwohnern in Lagen mit hoher Bevölkerungsdichte und gehobenem Einkommen“, so Beck. Gefragt sind vorzugsweise Ecklagen oder auch gut sichtbare Lauflagen in moderner Architektur oder renovierter Bausubstanz. Die 1a-Lage sei keine Bedingung. Die Idealgröße der Objekte, die vorerst in Eigenregie geführt werden sollen, liege bei 200Quadratmetern für etwa 60 Sitzplätze innen und 50 außen. Mathias Thurm

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