Konzepte
Versuch am lebenden Gast
Im Destination 2010 von McDonald’s wird getestet, was bei Fastfood-Kunden ankommt
KIRCHHEIM. Im Restaurant spielt leise Lounge-Musik im Hintergrund. Zwischen Designer-Sitzgruppen in Apfelgrün und einer bunten Salatbar gibt man am Touch-Screen-Port seine Bestellung auf. Auf der Speisekarte stehen Thai Veggi, Mexican Chili-Soup, Ceasars Salad, Chicken Wraps, Gemüsesticks, Müsli oder natürlich der Big Mac. In Kirchheim bei München hat McDonald’s mit der Destination 2010 einen Testbetrieb eingerichtet. Es ist ein Modellprojekt, das Vorbild für die künftige Entwicklung der McDonald’s Restaurants sein kann.
Wie findet man heraus, was der Gast will? „Wir machen hier einen Live-Test mit realen Speisen, echten Mitarbeitern und realen Gästen“, sagt Udo Klinkhammer, Senior Manager Operations Development McDonald’s Deutschland, der das Projekt leitet.
Der EU-Markt tickt anders
Getestet werden Sortimente, Equipment, Arbeitsabläufe und Einrichtung. Bisher gab es nur einen McDonald’s-Testbetrieb in Oak Brook bei Chicago. „Für den europäischen Markt ist doch einiges anders. Seien es technische Anforderungen, wie etwa energiesparende Geräte oder auch andere Speisen“, so Klinkhammer. Modernste Technik kommt zum Einsatz und wird kontinuierlich ausgetauscht.
Schon die Aufteilung im Lokal ist anders.
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Es fehlt der altbekannte McDonald’s-Tresen, an dem man die Bestellung aufgibt und wartet. In Kirchheim gibt es einen eigenen Bestell-Schalter, einen „Kiosk“. „Wir wollen, dass der Gast in Ruhe, ohne Stress bestellen kann“, so Klinkhammer. Dann bekommt man eine Nummer, die auf dem Flatscreen aufleuchtet, wenn das frisch zubereitete Essen fertig ist. „So kann der Mitarbeiter besser auf die Gästewünsche eingehen, dem Gast auch auf dem Flatscreen das aktuelle Angebot zeigen.“ Wer will, kann auch am Automaten selbst bestellen, per Scheckkarte zahlen. Auch dann gibt es einen Bon mit Nummer.
Im Test sind neue Speisen, beispielsweise Salate und Wraps. Die verschiedenen Wraps wie Mexican Wrap, Asia Wrap oder Greek Wrap werden vor den Augen des Gastes frisch zubereitet. „Der Gast ist das so nicht gewohnt. Aber unsere Erfahrung zeigt: Er wartet gern auf frische Wraps“, so Klinkhammer. Auch kann man sich seinen eigenen Salat aus 20 verschiedenen Beilagen und neun Dressings zusammenstellen. Basis ist ein großer oder kleiner Salat, den der Mitarbeiter mit den ausgewählten Beilagen ergänzt. Im McCafé werden frische Smoothies getestet, aus gefrorenen Früchten frisch zubereitet. Die „normalen“ Sachen wie verschiedene Burger und Pommes stehen natürlich auch auf der Speisekarte.
Nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind die Tests in der Küche. „Die Küche ist eine Einzelanfertigung“, so Restaurantleiter Snajo Topic. Nach sechs Monaten Testbetrieb wurde die Küche komplett neu konzipiert. Anfangs gab es getrennte Bereiche von Frittieren und Grillen, jetzt gibt es vier Stationen hintereinander, an denen alles an einem Platz zubereitet werden kann. Der Mitarbeiter bekommt nach der Bestellung die Daten über Monitor und bereitet die Bestellung frisch vor. In der Küche wird auch ein vollautomatischer Salzstreuer getestet, der jeder Portion Pommes exakt gleich viele Salzkörner zuteilt. Wichtig ist auch die Erprobung von Küchen-Geräten, die weniger Energie oder Fett verbrauchen. In die Küche kann der Kunde auch hineinschauen, während er auf seine Bestellung wartet.
Tische mit Steckdosen
Neben neuen Produkten und optimiertem Service steht auch ein neues Verständnis von Atmosphäre dahinter. Das Gebäude ist offen und transparent, ohne Zwischenwände: Holz-Glas-Kombinationen, kräftige Farben auf glatten Oberflächen, futuristische aber bequeme Sitzgruppen sind hier ein Novum. „Bei der Innenarchitektur haben wir auf verschiedene Bereiche gesetzt“, so der Projektleiter. Das Design stammt von „Hausdesigner“ Philip Arama. Apfelgrüne Sessel, lange Kommunikationstische – im Tisch integriert sind auch Steckdosen für Laptops. Jeder Gast kann eine Stunde kostenlos per WLAN im Internet surfen. Für eine angenehme Lautstärke sorgt eine ausgeklügelte Soundtechnik. Der Geräuschpegel ist so deutlich niedriger als in herkömmlichen McDonald’s-Restaurants.
Fragen der Gäste und Feedback der Mitarbeiter sind sehr willkommen, denn der Konzern will das Lernpotenzial maximal ausschöpfen. In Kirchheim arbeiten 60 Mitarbeiter, darunter 40 Vollzeitkräfte. Seit der Eröffnung wurde sechs Mal umgebaut – jetzt ist man mit dem Ergebnis vorerst zufrieden. Astrid Filzek-Schwab
www.mcdonalds.de



