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Marco Stuhr: „Wir setzen für die Hotellerie auf ein modulares Produktkonzept“

Industrie

Vom Gäste- zum Medienzimmer

Marco Stuhr und Dietmar Eberl, Geschäftsführer der Premiere Hotel Entertainment GmbH, über Produkte, Unternehmenspläne und die technische Zukunft

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/24 vom 17. Juni 2006

Noch Anfang vergangenen Jahres hielt Premiere nur 25 Prozent der Roombase-Anteile. Jetzt ist Roombase eine richtige Tochterfirma. Wie sieht das konkret aus?

Stuhr: Premiere hat seinen Anteil an Roombase kontinuierlich ausgebaut. Inzwischen hält das Unternehmen 97,5 Prozent der Geschäftsanteile. Seit Anfang April firmiert die Tochtergesellschaft unter dem neuen Namen Premiere Hotel Entertainment GmbH (PHE) und positioniert sich damit als Marke am Markt.

Was ändert sich durch die Übernahme in den Bereichen Vertrieb, Technik, Kundendienst und Abrechnung? Wo sitzen künftig die für die Hotellerie zuständigen Ansprechpartner?

Stuhr: Die Vertriebsmannschaften werden in Fürth zusammengeführt, auch Technik und Kundendienst verbleiben dort. Andere Bereiche wie etwa die Buchhaltung, Human Resources oder die Rechtsabteilung werden zentral in München gebündelt. Für die Hoteliers ändert sich nichts, die gewohnten Ansprechpartner bleiben.

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WEITERE BILDER ZUM ARTIKEL

0,2*sz"/>Welche Angebote hat das Unternehmen derzeit für die Hotellerie?

Eberl: Premiere Hotel Entertainment bietet der Hotellerie einen Medienservice aus einer Hand – von der Installation über die Logistik bis hin zu Inhalten und Wartung. Als einziger deutscher Hotel-TV-Anbieter hat die PHE ein Free-to-Guest und ein Pay-to-Guest-Produkt im Portfolio, inklusive aller Hardwarekomponenten.

Verkaufen Sie künftig auch Premiere-Produkte und die dazugehörige Hardware? Wie sieht es beispielsweise mit dem TV-Format HDTV aus?

Stuhr: PHE setzt – zusammen mit verschiedenen Kooperationspartnern – auf ein modulares Produktkonzept. So können wir der Hotellerie lukrative Gesamtpakete anbieten. Aufgrund der technischen Infrastruktur in den meisten Hotels ist es derzeit nur mit sehr hohem Aufwand möglich, HDTV in jedem Hotelzimmer zu zeigen. Was aber nicht heißt, dass HDTV für Hotels nicht in Frage kommt. Denn in den Bereichen Lobby oder Bar können die Gäste durchaus den neuen hoch- auflösenden Standard genießen. Auch IPTV, also Fernsehen via Internet, wird in der Hotellerie zunehmend eine Rolle spielen.

Sind Kombi-Angebote in Planung, beispielsweise für Hoteliers, die in ihrem Haus eine Premiere Sportsbar haben, oder bleiben diese Segmente auch künftig getrennt?

Eberl: Diese Angebote gibt es bereits – das Signal, das in die Hotels eingespeist wird, ist auch für die Sportsbar nutzbar. Es macht natürlich Sinn, hier einen entsprechenden Mehrwert für die Hotelgäste und Besucher zu schaffen. Ein einheitliches Pricing gibt es allerdings nicht.

Im vergangenen Jahr hat Premiere seinen „Entertainment Award“ an das Dorint Sofitel Überfahrt am Tegernsee vergeben. Anlass waren zwei runde Zahlen: das 1000. „Premiere-Hotel“, das 100.000 „Premiere-Hotelzimmer“. Roombase hatte – Stand Januar 2005 – 703 Hotels unter Vertrag. Wie agieren Sie vor diesem Hintergrund?

Stuhr: Mit der PHE wollen wir uns einen strategischen Vorteil in einem wachsenden Markt sichern und unsere führende Rolle im Hotel-Pay-TV sichern. Wir wollen unsere Position im Markt weiter stärken und auch den internationalen Vertrieb im umliegenden Ausland ausbauen.

Gibt es bestimmte Hotelsegmente und Kategorien, wo Sie besonders große Potenziale sehen?

Eberl: Der Markt für Hotelfernsehen erlebt zurzeit große Veränderungen, womit sich auch die Potenziale im Free-to-Guest- und Pay-TV-Sektor verschieben. Wir sind gut vorbereitet, da wir für beide Bereiche Geschäftsmodelle anbieten. Wir glauben, dass sich die gehobene Hotellerie immer stärker in Richtung Free-to-Guest-TV entwickeln wird. Gerade so können Hoteliers ihren Gästen einen echten Mehrwert bieten und sich klar vom Wettbewerb differenzieren. Die Zwei- bis Drei-Sterne-Hotellerie hingegen dürfte verstärkt auf günstige Abrechnungsmodelle setzen.

Mediale Angebote werden immer umfassender, aber auch immer günstiger. Können Hoteliers mit Preissenkungen rechnen?

Eberl: Lassen Sie uns das Pferd doch von hinten aufzäumen: Wir erweitern unser Portfolio kontinuierlich – und das bei konstanten Preisen. Gerade im Sportbereich werden wir künftig neue Schwerpunkte setzen: beispielsweise mit Champions League, Formel 1, Handball, Basketball und Eishockey sowie US-Sport.

Blick in die Zukunft: Welche Trends sehen Sie in den Bereichen Unterhaltung und Technik, bezogen auf den Hotelmarkt?

Stuhr: Zwei wichtige Trends zeichnen sich ab: Zum einen wird der Bedarf nach einem zentralen Medienlieferanten für die Hotellerie wachsen. Zum anderen werden mehr und mehr Hotels für ihre Gäste Medienzimmer einrichten, bei denen TV- und Internetnutzung nicht mehr separat ausgewiesen, sondern Unterhaltung und Infoservices gebündelt werden.

Die Fragen stellte Christoph Aichele

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