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Der Rothaarsteig zieht Wanderer in die RegionFoto: Ostlender

Touristik

Wanderer gezielt ansprechen

Studie über Fernwanderweg Rothaarsteig zeigt Bedeutung für die Region auf / Schwachstellen bei Vermarktung

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/16 vom 22. April 2006
von

SCHMALLENBERG Wie wirkt sich der Fernwanderweg Rothaarsteig auf die Wirtschaft der Region aus: Um diese Frage zu klären, hatte der Rothaarsteigverein in Schmallenberg ein Gutachten in Auftrag gegeben. Bernhard Harrer von der Münchner dwif-Consulting GmbH stellte die Ergebnisse nun vor. 300.000 Übernachtungsgäste und 1,2 Mio. Tagesausflügler drängen demnach jährlich zum Rothaarsteig. Dem Gastgewerbe beschert der südwestfälische Fernwanderweg damit einen Umsatz von 24,3 Mio. Euro im Jahr. Während die Tagesgäste 14,90 Euro pro Kopf und Tag ausgeben (Bruttoumsatz 17,88 Mio. Euro im Jahr), lassen die Übernachtungsgäste im Vergleich 50,10 Euro an der Strecke zwischen Brilon und Dillenburg in Hessen (Bruttoumsatz 15,03 Mio. Euro im Jahr).

Die Studie beruht auf Interviews von 600 Tages- und Übernachtungsgästen an sechs Standorten des 154 Kilometer langen Rothaarsteigs von Mitte September bis Mitte Oktober 2005. Außerdem wurden 50 Beherbergungsbetriebe im Oktober und November 2005 befragt.

Bei seinem Vortrag wies Harrer auch auf Schwachpunkte hin. Er appellierte an den Rothaarsteig-Verein, noch zielgruppenorientierter zu arbeiten und eine Service-Qualitätsoffensive zu starten. „Es gibt Vermieter, die lösen Probleme, manche haben Probleme und andere sind ein Problem“, fand der Berater deutliche Worte. Mit letzteren müsse geredet werden, denn sie seien schlecht für das Image.

Was Harrer damit andeutete, erklärt Harald Knoche vom Rothaarsteig-Verein. Wer darauf warte, dass einem „die Rothaarsteig-Besucher ins Haus schneien“, verkenne die Zeichen der Zeit, so der Tourismusexperte. Man müsse sich des Themas Wandern gezielt annehmen. So sei es wichtig, Gästen einen Hol- und Bringservice anzubieten, „selbst dann, wenn der Betrieb 20 Kilometer entfernt ist“. Bisher drei Viertel aller Betriebe (76 %) bieten einen solchen Service an. Nur 56 Prozent haben geführte Wanderungen im Angebot und lediglich 34 Prozent verkaufen ihren Gästen Wanderkarten oder Wanderliteratur, ergab die Studie. Auch das Widerstreben mancher Gastwirte, Zimmer an nur eine Person und auch nur für eine Nacht zu vermieten, rügt der Touristiker. Abgesehen vom unfreundlichen Verhalten würde das vermeintlich schlechte Geschäft in Wahrheit dadurch kompensiert, „dass diese Gästeklientel abends reichhaltig isst“. Laut Studie sind mehr als 90 Prozent der Tages- und Übernachtungsgäste ganz gezielt auf dem Rothaarsteig unterwegs.

Fast die Hälfte der befragten Tagesgäste (47,6 %) und ein knappes Drittel der Übernachtungsgäste (32,2 %) besuchten den Fernwanderweg bereits zum zweiten bis fünften Mal.

„Für 73,2 Prozent der Tagesgäste und 82,5 Prozent der Übernachtungsgäste spielt der Rothaarsteig an sich eine große oder eine sehr große Rolle, um in die Region zu kommen“ und für 84,6 Prozent der Übernachtungsgäste (69,8 % der Tagesgäste) „ist Wandern am Rothaarsteig der Hauptanlass zum Besuch des Steiges“, heißt es in der Studie.

Für fast die Hälfte (48,0 %) der befragten Beherbergungsbetriebe ist der Rothaarsteig die wichtigste Wanderdestination ihres Hauses. Für 80 Prozent unter ihnen spielt dieser Fernwanderweg in den eigenen Marketingaktivitäten eine wichtige (30%) oder sehr wichtige (50%) Rolle.

Die überwiegende Mehrheit der Besucher (85 % der Tages- und 79,8 % der Übernachtungsgäste) reist mit dem PKW zum Rothaarsteig. 71,4 Prozent der Übernachtungs- und 68,0 Prozent der Tagesgäste kommen aus NRW.

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