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Zwischen Gummibaum und Tischlampe: Oliver Dreber setzt auf das Retro-ThemaFoto: Gundula Marx

Konzepte

Wenig Investment – schnelles Geld

Die „Trinkhalle“ ist ein Low-Budget-Konzept für junge Existenzgründer / Kleines Angebot von Getränkeklassikern

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/47 vom 25. November 2006
von Gundula Marx

DÜSSELDORF/FRANKFURT. „Wir verkaufen Assoziationen und Emotionen“, bringt Oliver Dreber sein Gastro-Konzept auf den Punkt. Der Inhaber der Frankfurter Gastronomie-Marketing- und Vertriebsberatung Janusmind eröffnete in diesem Jahr zwei Pilotprojekte in Frankfurt und Düsseldorf.

„Trinkhalle“ ist der Name des getränkeorientierten Konzepts, das auf junge Gründer ausgerichtet ist. Es verspricht bei geringem Investitions- und Personalaufwand eine rasche Amortisation. Vor allem soll es den Betreibern erlauben, viel Individualität mit einzubringen.

Roter Faden des Konzepts sind die 50er bis 70er Jahre. „In Zeiten der Rezession erinnert man sich gern an gute Zeiten und an die Jugend“, so Dreber. Ob alt oder jung, jeder Gast sei total fasziniert, wenn er in diese vergangene Welt eintauche. „Das ist schon der wichtigste Erfolgsfaktor, denn wir leben in einem gesättigten Markt. Da entscheidet der Gast, wohin er geht. Als Gastronom muss man wissen, wie man den Gast in sein Lokal bekommt.“

Die „Trinkhalle“ im Stadtteil Flingern, der gerade zu einem hippen Viertel mit einer ausgeprägten Gastro-Szene mutiert, besteht seit knapp vier Monaten. Das Lokal in einem Hinterhof ist komplett im Stil der 60er und 70er Jahre eingerichtet. Grafisch gemusterte Tapeten, Ledersofas, Sitzpoufs, Stehlampen. Sogar der berühmte Gummibaum fehlt nicht. „Wir haben das Retro-Thema voll durchexerziert bis hin zu Musik und Getränkeangebot“, sagt Dreber.

Das „Herrengedeck“ besteht aus einem Kornglas und einer Veltins-Steinie-Flasche auf einem Tablett, die „Bunte Tüte für Mädels“ enthält Cola-Fläschchen und Ahoi-Brause. Kultige alkoholfreie Getränke wie Afri-Cola, Schweppes oder Orangina, ein Dutzend Cocktail-Klassiker, Jägermeister und Liköre, Sekt, je ein Rot- und Weißwein und natürlich Flaschenbier als Urgetränk jeder Trinkhalle sind im Sortiment, das bewusst klein gehalten ist. „Nicht verzetteln – nur 20 Prozent des Angebotes bringen den Umsatz“, erklärt Dreber. Aus den Lautsprechern tönen bunt gemixt Chansons, alte Songs, Heavy Metal – alles, was nicht Mainstream ist.

Die Möbel kommen vom Trödel, aus dem Sperrmüll oder dem Keller der Verwandtschaft. Für das Low-Budget-Konzept „Trinkhalle“ kommen nur Altobjekte in Betracht wegen der geringen Ausbaukosten. „So kann ein Gründer im Idealfall mit 20.000 Euro Startkapital beginnen. Die Höchstgrenze liegt bei 50.000 Euro“, so Dreber über den betriebswirtschaftlichen Vorteil seines Konzeptes. Ein weiterer Vorteil sei der große Spielraum an Individualität und Kreativität für den Gründer.

Dreber hat die Trinkhalle bewusst konträr zu den klar definierten Konzepten der Systemgastronomie entwickelt. „Ob plüschig, Eiche rustikal oder designorientiert – der Gastronom kann sich austoben.“ Wie in Düsseldorf, wo Mani Kianzad voll auf die 70er Jahre setzt.

Im Ruhrgebiet sollen weitere Trinkhallen eröffnet werden. Es wird nur eine einmalige Lizenzgebühr erhoben und es gibt nur drei Vorgaben: Name, thematischer Rahmen und Getränkeangebot. „Wir wollen nicht daran verdienen“, erklärt Dreber, „sondern der Industrie zeigen, dass es andere Wege in der Gastronomie gibt als die bisher beschrittenen.“ Gundula Marx

www.trinkhalle-duesseldorf

www.trinkhalle-frankfurt.de

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