Aus der Branche
Wettbewerbe fördern die Kreativität
Firmen und Verbände bieten viele Möglichkeiten zum beruflichen Kräftemessen/ Vorbereitungen kosten Zeit und Geld
Deutschland sucht den Superkoch – eine Fernseh-Show à la DSDS gibt es zwar noch nicht, aber das Potenzial wäre vorhanden. Denn Gastro-Wettbewerbe werden in der Branche immer populärer und die Gelegenheiten, sich mit Kollegen zu messen, immer zahlreicher.
Die wachsende Begeisterung habe ihre Ursache in der schlechter gewordenen Ausbildung, folgert Robert Oppeneder, Vorsitzender des VKD-Fachausschusses Jugend, Kochkunst, Wettbewerbe und Ausstellungen. Der Wettbewerb sei ein Instrument, um auf einen Schlag 20 bis 30 neue Ideen und Techniken von Mitstreitern kennen zu lernen. Ganz nebenbei eröffne ein interessantes Urkunden-Portfolio ganz neue Karrierechancen.
Thomas Brunk ist so ein Fall. In seinem Keller in Finsterwalde stapeln sich die Pokale. Gerade hat er den ersten Platz beim Melitta-Cup „Kochen mit Kaffee“ errungen. Das Kaffee-Unternehmen fördert sein Image und erntet für sein Engagement starke Medien-Resonanz. Und Thomas Brunk? Sein Gewinn: Ruhm und Ehre, zwei Wochen Urlaub auf den Malediven, eine Kaffeemaschine und jede Menge neue Tipps und Tricks für die Küche, zum Beispiel für Kaffee-Zuckerwatte, die er bei einem Kollegen bewundert hat. Angefangen hat der 33-Jährige bereits 1990 mit regionalen Kochwettbewerben. „Da habe ich Blut geleckt. Ich wollte besser sein als andere“, sagt der Küchenmeister, der 2004 Olympiasieger der Militärköche wurde und Teamchef der Nationalmannschaft der Militärköche ist. Er freut sich über das gewachsene Prestige, über die gute Presse, und auch im Verband der Köche macht sein Name die Runde.
Dass er beruflich von der Stabskompanie des Standortkommandos Berlin in das Gästecasino des Bundesverteidigungsministeriums wechselt, daran sind seine Auszeichnungen sicher nicht ganz unschuldig. Doch der Erfolg ist hart erarbeitet. Allein für die Bewerbung zur Teilnahme am Melitta-Cup verfasste er ein 68-seitiges Exposé samt theoretischer Ausarbeitung des Menüs, Rezepturen, Warenanforderungen, Kalkulationen, Beispielfotos und vielem mehr. Und auch das Kochtraining nimmt viel Zeit in Anspruch. Inzwischen jettet er zu Wettbewerben um den ganzen Globus, kürzlich nach Singapur zur Culinary Challenge mit seinem Culinary Team Let's go magic.
Auch Jens Gradel aus Dresden, Olympiasieger der Patisserie 2004 in Erfurt, war in Singapur – und als Mitglied der Köchenationalmannschaft erfolgreich. Aber der Juniorchef der Patisserie Gradel in Dresden und seine Frau Synke, ebenfalls Olympiasiegerin der Patisserie, denken darüber nach, ob sie sich dieses exklusive und kostspielige Hobby künftig noch leisten können. Um sich dieses Jahr optimal auf die Wettkämpfe vorzubereiten, hatten sie zusätzliches Personal eingestellt. Das geht ins Geld. Andererseits bringen Titel und Trophäen Popularität und locken nicht nur die Dresdner an, um neue süße Kreationen auszuprobieren, sondern auch die Medien.
Wettbewerbe sind für viele Köche, Barkeeper, Sommeliers oder Hotelfachleute das Salz in der Suppe, da kann der Berufsalltag noch so stressig sein.
Eigentlich sollte und wollte Anne Marten beim Couvert d'Or während der Intergastra in Stuttgart gar nicht mitmachen. Aber beim Anblick perfekt gedeckter Tische ist die Bankett-Beauftragte des Heilbronner Insel- Hotels nicht zu halten und sie entschied sich während eines Messebesuchs, doch teilzunehmen. Zusammen mit einer Kollegin setzte sie alle Hebel in Bewegung, um eine märchenhafte Tafel zu zaubern. Nach zwei schlaflosen Nächten, Einkäufen in Bastel-Läden und einem Spontan-Trip nach Würzburg zu einer Grafikerin, die die Speisekarte gestaltete, stand sie freudestrahlend neben ihrem Tisch. Ihre Kreation, eine Hommage an den Wettbewerb Couvert d'Or, wurde mit einer Goldmedaille belohnt.

