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Touristik

Wofür die Deutschen Geld ausgeben

Studie des BAT Freizeit-Forschungsinstituts über die Freizeitwirtschaft als Leitökonomie der Zukunft: Ein Millionenmarkt und Deutschlands größter Arbeitgeber

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/35 vom 2. September 2006

HAMBURG Ob WM oder Formel 1, Festspiel oder Freizeitpark, Fernsehen zu Hause oder Urlaubsreisen: Tourismus, Kultur, Sport und Unterhaltung sind ein gewaltiger Markt geworden und ziehen Millionen Menschen in ihren Bann. Seit mehr als vier Jahrzehnten zählt die Freizeitwirtschaft zu den stabilsten Wachstumsbranchen. Zu den Freizeitbeschäftigungen, bei denen die Deutschen in den letzten zwölf Monaten am meisten Geld ausgegeben haben, gehören das Aus- und Essengehen in Restaurants (87%) sowie die Freizeitmobilität bei Tagesausflügen (71%) und Urlaubsreisen (59%). Dies geht aus einer aktuellen Repräsentativbefragung des BAT Freizeit-Forschungsinstituts in Hamburg hervor, in der 2000 Personen befragt wurden (Grafik).

„Der Freizeitwirtschaft kommt die Rolle einer Leitökonomie zu. Ihre Wachstumsraten liegen weit über der Gesamtwirtschaft. Die Freizeitwirtschaft wird daher die Lokomotive sein, die die Wirtschaft des 21. Jahrhunderts antreibt“, erklärt Professor Horst W. Opaschowski, der Wissenschaftliche Leiter des Instituts. Dabei bezieht er sich auf die Ergebnisse der Studie, die aktuell unter dem Titel „Freizeitwirtschaft. Die Leitökonomie der Zukunft“ im Buchhandel (Lit Verlag Münster) erschienen ist. Gemeinsam mit den Autoren und Mitarbeitern des Instituts, Ulrich Reinhardt und Michael Pries, weist Opaschowski nach: Die Freizeitwirtschaft ist Deutschlands größter Arbeitgeber. Weit über sechs Millionen Menschen sind in den einzelnen Freizeitsektoren beschäftigt.

Das Erfolgsgeheimnis des Wachstumsmarkts Freizeitwirtschaft führt das Autorenteam auf den wachsenden Wunsch der Menschen nach Lebensqualität zurück. Ein auf Mobilität und Aktivität, Geselligkeit und Lebensfreude ausgerichtetes Freizeitverständnis lässt den Konsum als Teil einer Erlebnisökonomie erscheinen. Der erlebnisorientierte Freizeitkonsum wird so als kostspieliger Kontrast zum Alltag in den eigenen vier Wänden empfunden.

Für den Tourismus werden

zweistellige Zuwachsraten erwartet

Zum Freizeitkonsum gehöre immer beides: Zeit und Geld. Wer weniger Geld habe, investiere mehr Zeit. Und wer kaum Zeit habe, gebe dafür mehr Geld aus, halten die Autoren fest. Je nach Einkommens-, Sozial- oder Altersgruppe lässt der Freizeitmarkt beliebige Individualisierungen zu. Das Autorenteam kommt durch Repräsentativbefragungen zu folgenden Schlüssen: Kinderlose Paare sind bei den Wochenendreisen und Kurzurlauben überrepräsentiert. Familien mit Kindern unternehmen dagegen überdurchschnittlich viele Tagesausflüge und zählen zu den häufigsten Freizeitparkbesuchern. Die Jungsenioren im Alter von 50 bis 64 Jahren machen als kaufkräftige Best Ager die meisten Urlaubsreisen.

Besonders für Existenzgründer

ist die Freizeitwirtschaft attraktiv

Jeder sechste Beschäftigte in Deutschland arbeitet für die Freizeit. Mit steigender Tendenz, so die Studie. Insbesondere für Existenzgründer wird die Freizeitwirtschaft demnach immer attraktiver. Die Branche bietet Zukunftschancen für neue Selbstständigkeiten – von der Eventagentur bis zum Reisebüro. Besonders expansiv sind laut Studie die Bereiche Tourismus, Medien und Unterhaltungsindustrie. Allein im Tourismus sind im nächsten Jahrzehnt zweistellige Zuwachsraten zu erwarten. Dadurch werden bis zum Jahr 2015 bis zu 80.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, wie der Dachverband der deutschen Reisebüros (DRV) prognostiziert.

Selbst ein freizeitsportliches Einzelereignis wie die Fußball-WM werde zur Antriebskraft für das Wirtschaftswachstum in Deutschland, kurbele den Arbeitsmarkt an, fülle die Kassen von Freizeitunternehmen (Sportartikelhersteller, Werbung, Gastronomie) und beschere Mobilitätsdienstleistern (Bahn-, Bus- und Flugtouristik) einen Boom. In Zukunft wird die Freizeitwirtschaft „die“ Leitökonomie sein, sind die Autoren vom BAT Institut überzeugt.

Freizeitangebote sind geld- und konsumintensiv. Beim Freizeitkonsum sind die Teilnahme- und Teilhabechancen ungleich verteilt. Nur etwa jeder dritte Haushalt mit einem Nettoeinkommen unter 1750 Euro hat innerhalb eines Jahres Geld für Theater, Oper oder Konzert ausgeben können. Bei den Haushalten mit einem Nettoeinkommen über 2000 Euro war es hingegen jeder zweite Haushalt. Ähnliche Ungleichheiten finden sich beim Kurzurlaub oder bei Sport- und Wellnessangeboten.

Zum Freizeiterleben braucht man Geld und Zeit, halten die Wissenschaftler fest. Insofern zeichne sich als Perspektive ab: Zur Geldknappheit gesellt sich die Zeitnot der Konsumenten. Sie könne zu einem grundlegenden Wettbewerbswandel führen: „Zeitkriege“, in denen auch um die Zeit und nicht nur um das Geld der Verbraucher gekämpft wird, werden demnach die Wirtschaft prägen.

www.bat.de

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