Konzepte
Zeitgeist füllt Marktlücke
Das neue Ellington geht mit großen Erwartungen in der unterrepräsentierten 3-Sterne-superior-Kategorie an den Start / Design-Hotel will Berliner Lifestyle-Treff werden
BERLIN. Seit Mitte März ist es in der zuvor eher etwas verwaisten Nürnberger Straße zwischen Gedächtniskirche und Wittenberg-Platz wieder etwas lebendiger geworden. Direktorin Tina Palmowski konnte nach monatelangem Umbau den ersten Gast im Ellington begrüßen. Insgesamt checkten 58 Gäste am 15. März ein. Größere Probleme gab es zum Glück nicht, zeigte sich das Management erleichtert. Mit den Buchungseingängen für den April ist die Direktorin schon jetzt ebenfalls recht zufrieden.
Die Investoren wählten bewusst die West-City und das Haus präsentiert sich auch keineswegs als eine weitere Luxus-Unterkunft auf dem in diesem Bereich wohl eher gesättigten Markt. „Das Ellington sieht seine Chance als designorientiertes 3-Sterne-superior-Hotel. Wir wollen die 285 Zimmer mit Raten zwischen 89 und 209 Euro für das Doppelzimmer und einem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis auslasten“, erläutert Tina Palmowski das Konzept. „Nur während der bedeutenden Messen kann es auch weiter rauf gehen“, so Palmowski weiter.
Die Rechnung könnte aufgehen, denn die 3-Sterne-superior-Kategorie wurde bei den Neueröffnungen der vergangenen Jahre eher vernachlässigt und besteht zur Zeit überwiegend aus älteren Häusern.
Der Standort für die 42-Mio.
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-Euro-Investition wurde gut gewählt. Das Ende der zwanziger Jahre errichtete, denkmalgeschützte Gebäude mit der markanten Fassade im Stil der Neuen Sachlichkeit – auch im Inneren sind charakteristische Stilelemente dieser Epoche erhalten – liegt inmitten einer im Aufschwung begriffenen West-City. In den Dreißigern amüsierten sich an dieser Adresse die Berliner im Femina-Palast, in den Achtzigern gingen hier im „Dschungel“ Szene- und Musikgrößen wie Nick Cave, David Bowie oder Prince ein und aus. Kein Wunder, dass das Ellington wieder zu einem Lifestyle-Treff im Westen der Hauptstadt werden will.
Fusion und Showküche
Dies gilt besonders für das neue, in italienischem Design eingerichtete Restaurant, das Ende April öffnen soll. In der offenen Showküche wird dann Fusion-Cuisine zelebriert werden. Lichtdurchflutet und stilvoll designt präsentiert sich die an das Restaurant anschließende Wintergarten-Lounge und die durchgestylte, in die Hotelhalle hineinragende Bar.
Zur Lifestyle-Atmosphäre beitragen sollen acht neue Shops, wovon sechs bereits vermietet sind. Sie sollen im Hotel nach und nach eröffnet werden und teilweise eine Verbindung vom Hotel zur Nürnberger Straße herstellen. Als einer der ersten Mieter hat der Berliner Promi- und Szene-Friseur Shan Rahimkhan einen Salon eröffnet.
In den 16 bis 75 Quadratmeter großen Räumen – die Top-Kategorie bilden die beiden Turmsuiten – setzt sich das zeitgemäße Design, das einen urbanen Lebensstil verkörpern soll fort – in der Regel mit offenen beziehungsweise halboffenen Bädern, was sicherlich nicht jedermanns Geschmack trifft. Modernste Technik mit Highspeed-Internetzugang, Flachbildschirmen und Klimaanlage gehört zum Standard in allen Zimmerkategorien. Noch nicht ganz fertig war zur Eröffnung der großzügige Veranstaltungsbereich, in dem bis zu 800 Personen in sechs Veranstaltungsräumen tagen und feiern können. Prunkstück wird im Laufe des Aprils der 634 Quadratmeter große Femina Saal.
Bauherren des neuen Hauses in der West-City sind die Ideal Lebensversicherung AG und Ekkehard Streletzki, bereits Eigentümer des Estrel Berlin, Deutschlands größtem Convention-, Entertainment- und Hotel-Komplexes. Schon 1997 hatte Streletzki das ehemalige Bürogebäude der Senatsfinanzverwaltung in der Nürnberger Straße erworben und wollte ursprünglich dort zusammen mit seinem Sohn Julian ein 5-Sterne-Hotel errichten. Traurig, dass sich dieser Plan nicht realisieren ließ, ist der ehemalige „Hotelier des Jahres“ heute nicht mehr. Im Gegenteil. „Mit dem Ellington treffen wir genau den Zeitgeist. Wir eröffnen ein modernes Design-Hotel in absoluter Top-Lage und das in einem Marktsegment, das in Berlin in dieser Qualität völlig unterrepräsentiert ist“, zeigt sich Ekkehard Streletzki vom Erfolg des Projekts überzeugt. Für den Umbau und das Interieur zeichnen die Architekten Johannes Reuter & Wencke Katharina Schoger sowie Luigi Lanzi verantwortlich.
Kooperation mit Estrel
Zugute kommen wird dem Ellington sicherlich die enge Zusammenarbeit mit dem Estrel, aber das gilt auch umgekehrt. Die Direktorin: „Natürlich sind durch die zusätzlichen Zimmerkapazitäten nunmehr noch größere Veranstaltungen möglich und wir können auf Überhänge in einem der Häuser flexibel reagieren.“ Als weiteren Vorteil sieht sie auch, dass Packages aufgelegt werden können wie Stars in Concert, bei dem die Gäste in der City wohnen und im Estrel die Shows besuchen. So könnte sich das Ellington in einem Segment etablieren, in dem in Berlin noch reichlich Platz zu sein scheint. (Seite 8)Uwe Lehmann



