Von einer, die auszog das Fürchten zu lernen...
„Diese Branche finanzieren wir nicht mehr !“
Die Geschichte einer Frau, die ein Hotel gründen wollte, dafür Geld von der Bank brauchte, erstmal keins bekam – und wie es dann doch klappte
Im Beratungsverlauf wurde ein tragfähiger Business-Plan entwickelt. Der Eigentümer war begeistert, Bauaufsicht, Denkmalschutz und andere Behörden wurden an einen Tisch gebracht und mögliche Hindernisse für eine rasche Umsetzung beseitigt – im April 2003.
Die Ernüchterung kam bei der Realisierung der Finanzierung. Großbank A unterhält einen eigenen Gründungsbeauftragten für NRW. Dieser ist positiv beeindruckt, hinterfragt einige Details des Konzeptes und empfiehlt dann die Kontaktaufnahme mit dem lokalen Sachbearbeiter. Hier fällt das Zauberwort zur Sippenhaft zum ersten Mal, das Gründerin und Beraterin in der Folge immer wieder hören: „Diese Branche finanzieren wir grundsätzlich nicht mehr“.
Angesprochen wurden insgesamt zehn Kreditinstitute. Bank B hat sich nach anfänglichem Zögern „wegen der Branche“ zumindest bereit erklärt, den Standort zu besichtigen. Es folgten sechs Absagen, von denen vier im Begleitschreiben ausdrücklich zur „hervorragenden Präsentation und der fundierten inhaltlichen Gestaltung“ des Konzeptes gratulierten – und doch mit einem bedauernden Seitenblick auf „diese Branche“ ablehnten. Man fragt sich, von welcher Branche hier eigentlich die Rede ist, und fühlt sich an die in Bankenkreisen verpönte „Bordellhypothek“ erinnert. Aber nein, wir sprechen von einem grundsoliden Seminar- und Tagungshotel an der Route der Industriekultur, das den Beweis antreten will, wie man mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis und persönlichem Engagement erfolgreich ein Haus im Markt positioniert. Am Rande sei erwähnt, dass Nordrhein-Westfalen die Gründermutter besonders fördert, und durch Betriebskostenzuschüsse professionelle Beratung für Start-Ups erschwinglich macht.
Dieses Land ist unter anderem groß geworden durch Erfinder, Gründer, Pioniere, in der Hotellerie durch Leute, die ihr Fach von der Pike auf gelernt und sich international Anerkennung verschafft haben. Da werden in der Politik auf der einen Seite Gründungsinitiativen aus dem Boden gestampft und gleichzeitig der mangelnde Pioniergeist beklagt. Im November 2003 fand in Berlin die erste bundesdeutsche Gründermesse „Courage“ statt, mit wesentlicher Unterstützung durch den DEHOGA und das Bundeswirtschaftsministerium. Geboten wurden hervorragende Fachvorträge von zahlreichen Referenten, darunter auch ein Vertreter der Bürgschaftsbank des Landes Brandenburg. Wenn auch der Besucherandrang noch etwas zu wünschen übrig ließ: ein wertvoller Schritt in die richtige Richtung. Allein: Wer durch Abwesenheit beziehungsweise fehlende Standpräsenz glänzte, war die neu geschaffene KfW Mittelstandsbank, die aus der Fusion der Deutschen Ausgleichsbank DtA und der Kreditanstalt für Wiederaufbau entstanden ist.
als große Klippe
Die Instrumentarien der KfW wurden ’rauf und ’runter gerechnet, die Hausbank selbst ging ordentlich mit ins Risiko. Ja, da gäbe es jetzt nur noch die kleine Klippe mit der Bürgschaftsbank – die müsse selbstverständlich zustimmen. Der Termin geriet zu einer Szene aus dem Mittelalter, mit dem Bürgschaftsbanker als Großinquisitor. Die Gründerin als „Seiteneinsteigerin“ wurde regelrecht vorgeführt: „Was haben Sie gelernt, Gärtnerin?? Ach ja, Ihr Abitur haben Sie auf dem zweiten Bildungsweg gemacht! Und dann bei einer Zeitung, haben Sie denn einen Studienabschluss?“ Die Bemerkung „Und verheiratet sind Sie auch nicht?“ setzte das Tüpfelchen aufs I. Überflüssig zu erwähnen, dass der Vertreter der Bürgschaftsbank sich nicht an die Absprache mit dem mit anwesenden Bankvertreter hielt, offene Fragen in der Folgewoche zu klären. In typischer Männerfeigheit „nach Diktat verreist“ folgte die Ablehnung wegen mangelnder Qualifikation – ungefragt mit Kopie an den lokalen Hotel- und Gaststättenverband.
Und doch gibt es noch Hoffnung für das Gastgewerbe in Deutschland: Die Hausbank stand zur Gründerin und ihrem Vorhaben. Vorschriften und Programme wurden gewälzt – zum Vorschein kam ein Sonderprogramm des Landes NRW speziell für Personen mit mangelnder Qualifizierung, sprachlichen Defiziten und für ... Frauen! Die gelernte Journalistin wurde blass, aber es blieb keine andere Wahl.
hinter den Kulissen
Endlich, im Januar 2004 geht das Vorhaben in den Ausschuss der NRW.Bank Hinter den Kulissen wird hart diskutiert, gefordert wird als vierte fachliche Stellungnahme nach Beraterin, Bank und G.I.B. die des regional zuständigen Hotel- und Gaststättenverbandes. Der kennt das Projekt schon aus der Sicht der Bürgschaftsbank – beißt sich jetzt die Katze wieder in den Schwanz? Und vor allem: eine neue Verzögerung! Eigentlich sollte die Akquise für das Seminargeschäft im Herbst bereits auf Hochtouren laufen.
Erneut bange Tage – kann der HOGA-Verband das innovative Konzept des Vorhabens richtig einschätzen? Er konnte, allerdings offensichtlich mit Einschränkungen. Der Ausschuss beschließt eine Woche vor Ostern, das Projekt zu finanzieren. Jedoch wird die Haftungsfreistellung von 75 auf 60 Prozent zurückgefahren. Was macht jetzt die Hausbank? Geht sie mit, und damit weiter ins Risiko? Sie tut es! Seit zwei Wochen arbeiten die ersten Gewerke im Objekt. Nach einer gelungenen Premierenfeier zum Themenabend Ruhrgebiet plant der Fernsehsender

