Interview: Felix Ahlers

"Der Blog macht uns authentisch"

Berufs-Blogger Felix Ahlers: „Ein bisschen Spaß gehört dazu. Unsere Mitarbeiter schreiben nur, wenn sie Lust haben“ Foto: Unternehmen

Die wenigsten Verbraucher und auch Hoteliers wussten bisher, dass sämtliche Frosta-Produkte ohne Konservierungsstoffe auskommen. Eine PR-und Marketing-Panne?

Ahlers: Im Januar 2003 beschlossen wir, so zu kochen, wie in der Küche daheim und der normalen Gastronomie. Eben traditionelles Kochen. Wir bereiten beispielsweise einen Fisch- oder Fleisch-Fonds ohne Aromastoffe zu und frieren das ein.

Dann mussten sie teurer werden?

Ahlers: Genau, die Produktionsabläufe wurden komplizierter und wir mussten die Preise etwa um zehn Prozent erhöhen.

Das haben Ihre Kunden ohne Murren gezahlt?

Ahlers: Am Anfang war das nicht einfach, weil die wenigsten Endverbraucher das neue System schnell verstanden haben. Wir durchschritten ein Tal. Das hat einige Jahre gedauert. Inzwischen ist bekannt, dass der Geschmack deutlich gewonnen hat. Wir verkaufen auch wieder viel mehr, sind Marktführer. Frosta ist natürlicher geworden.

Apropos natürlich. Ist das bei Ihrem Blog auch so. Darf jeder darin wirklich Jeder das schreiben, was erdenkt?

Ahlers: Absolut! Kritik wird unzensiert sofort online gestellt. Das stählt unsere Glaubwürdigkeit.

Ihre eigenen Mitarbeiter bloggen auch: Ob die neuen Bewegungsmelder auf der Toilette ihren Sinn erfüllen, berührungslos das Licht ein- und auszuschalten und dabei Strom zu sparen – das war heiß diskutiert?

Ahlers: Der Blog ist ein Spiegel unserer täglichen Arbeit – und unsere Kunden bekommen ein Gefühl für unsere Mitarbeiter. Das macht uns authentisch.

Wird Ihr Unternehmen dadurch erlebbarer?

Ahlers: Selbst, wenn Einer einmal kräftig kritisiert, merkt der User: Bei Frosta arbeiten gute Menschen. Hier spürt der User und Kunde, dass die Aussagen der Firma nicht durch Werbeagenturen kontrolliert werden. Das ist glaubwürdig.

Gibt es keine unflätigen Beiträge im Blog, die sie wegen fäkalienhafter Sprache löschen müssen?

Ahlers: Praktisch nie. Die Blogger respektieren unsere Offenheit und geben unsere Fairness zurück. Bei uns bloggt der Pförtner oder unser Mitarbeiter Herr Fink, der sich ärgert, dass seiner Meinung nach Dienstwagen immer so verdreckt auf dem Firmengelände geparkt werden und der nächste Fahrer, die dann erst sauber machen muss.

Wie haben Sie es geschafft, viele Blogger für den Frosta-Blog zu interessieren?

Ahlers: Wenn man von der Firmenleitung aus steuert, merken das die User. Die kennen sich aus, weil PR-Geschreibe nicht natürlich wirkt. Wir haben dem Blog Zeit gelassen, sich zu entwickeln. Daran sehen wir, dass unser Blog die richtigen Fragen stellt, Antworten liefert, aber manchmal auch polarisiert. Wir haben Einträge mit bis zu 300 Kommentaren.

Etwa, weil sie, Herr Ahlers, ihren Kunden im Blog erzählten, nachdem ein us-amerikanischer Wettbewerber die „Obama-Fischfingers“ verkauft, Frosta diesen Erfolg mit den „Angie-Fingers“ zu kopieren versuche?

Ahlers: Ein bisschen Spaß gehört dazu. Das war ein spontaner Gag, über den wir während einer Sitzung gelacht haben. Und dann habe ich das in den Blog geschrieben. Unsere Blog-Konsumenten haben das als Gag verstanden.

Sie verfolgen aber auch ernsthafte Ziele, beispielsweise bei der Produktentwicklung?

Ahlers: Natürlich. Wir lassen uns beispielsweise Lieblingsrezepte unserer Kunden schicken. Was wollt Ihr haben, was sucht Ihr, wollen wir wissen. Die Rezepte testen wir, ob sie als Tiefkühlgerichte – vielleicht etwas abgewandelt – vermarktbar sind.

Sie beschäftigen Controller. Die müssen Ihnen ausgerechnet haben, wie viel Ihr Blog in Euro bringt?

Ahlers: Stimmt! Wir haben 8000 elektronische Besucher am Tag im Blog. Das ist etwa zehn Mal so viel, wie auf unserer normalen Internet-Site. Wenn man diese 8000 Blog-Kontakte hochrechnet in Medial-Werte, kommen wir auf etwa drei Millionen Euro im Jahr. Verglichen mit der Kontaktzeit, die wir im Fernsehen kaufen müssten. So viel bringt uns der Blog.

Dagegen gerechnet: Wie viel kostet sie der Blog?

Ahlers: Nichts. Unsere Mitarbeiter schreiben nur, wenn sie Lust haben. Tagelang unterhalten sich lediglich Kunden untereinander. Wir haben keine Arbeit und liefern nur die Kulisse, sich zu unterhalten. Auch das bringt Image.

Die Fragen stellte Thomas Grether

Felix Ahlers, Marketing-Vorstand bei Frosta, ist mit dem Thema „Innovative Instrumente – Blogs, Vlogs, Podcast und Vodcast. Überbewertete Spinnerei von Internetfreaks oder lukrative Vermarktungstools? Das Beispiel Frosta“ Referent beim AHGZ Leaders Day. Der Leaders Day 2009 findet am 27. und 28. April im Hotel Freizeit In in Göttingen statt. Veranstalter ist die AHGZ. Der Kongress kostet 450 Euro plus Mehrwertsteuer. Anmeldung unter www.leadersday.de

Erschienen in der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung, Ausgabe 2009/16, Seite 16
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