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Soziale Kompetenz ist Voraussetzung: Im Umgang mit kranken Menschen ist auch bei Service-Mitarbeitern Sensibilität wichtig Foto: Medical Park

Management

Ärzte suchen Hotelfachleute

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2009/5 vom 31. Januar 2009
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Bernau-Felden. Fachkräfte aus Gastronomie und Hotellerie sind seit jeher in vielen Branchen begehrt. Ein Arbeitsmarkt, der immer weiter an bedeutung gewinnt, sind moderne medizinische Einrichtungen: Reha-Kliniken mit hohen Servicestandards und Hotelcharakter akquirieren ganz gezielt geschulte Mitarbeiter aus Gastronomie und Hotellerie.

Nicht ohne Grund. Spätestens seit das Genre Medical Wellness boomt, haben klassische Reha-Kliniken ihren Stil und ihr Ambiente weg vom klinisch Sterilen hin zum hoteltypischen Komfort verändert. Um den gleichzeitig erhöhten Anspruch der Patienten erfüllen zu können, brauchen die Anbieter Fachpersonal.

Komfort wird wichtiger

„Die Patienten können Service-Qualität aus eigener Erfahrung sehr genau bewerten“, erläutert Patrick Zander, seit Dezember 2007 kaufmännischer Direktor des Medical Park Chiemsee in Bernau und zuletzt Stellvertretender Direktor und F&B Manager des Grand Elysee in Hamburg. Die Medical Park AG mit Sitz in Bad Wiessee ist ein Beispiel dafür, wie stark sich der Einfluss moderner Medical Wellness auch in klassisch medizinische Domänen auswirkt. Im Jahr 2000 gegründet, zählt das Unternehmen heute acht Komfortkliniken, darunter die renommierte Klinik St. Hubertus am Tegernsee. Weitere Einrichtungen sind bereits geplant. Allein am Chiemsee sind rund 600 Mitarbeiter im Einsatz, davon sind zirka 40 Prozent Hotel- und Restaurantfachleute, Köche, Hausdamen und Zimmermädchen.

Stichwort Medical Wellness

Die Kriterien für potenzielle Mitarbeiter gleichen dabei denen der Hotellerie in der Kategorie vier bis fünf Sterne. Zusätzlich sei jedoch eine soziale Einstellung Bedingung, unterstreicht Personalchef Stefan Guther: „Die Mitarbeiter sind Schnittstelle zwischen den Patienten und dem Ärzte- und Therapeutenteam, das ist eine besondere Herausforderung.“ Nicht jeder Mensch könne schließlich täglich mit Kranken zusammen sein. Zumal der Umgang mit ihnen Verständnis für deren Sorgen und Schmerzen erfordert.

Vorteile der beruflichen Kombination von Medizin mit Hotellerie beziehungsweise Gastronomie bestehen allerdings auf beiden Seiten. Ehemalige Hoteliers, die meist die Kliniken leiten, schätzen die etwas ruhigere, menschlichere Atmosphäre. „Speziell in der Business-Hotellerie hat man ja mit dem schnellen Gast zu tun“, so Chiemsee-Direktor Zander, „in Reha-Einrichtungen wie dem Medical Park sind die Gäste dagegen mindestens 21 Tage. Da entsteht automatisch eine ganz andere Situation.“ Bei der übrigens häufiger Mitarbeiterwechsel eher unüblich ist. Wer das bestimmte Feeling hat, bleibt meist lange im Team.

So wie Vasco de Mendoça, einst Mitarbeiter des Hotels Bayerischer Hof und bei Käfer in München, mittlerweile Gastronomieleiter des Medical Park Chiemsee. „Die Gespräche mit dem Gast bewegen sich hier auf einer anderen Ebene“, bestätigt er. Da geht es nicht darum, dass der Overheadstift kaputt ist oder in der Kaffeepause zehn Tassen fehlen, da geht es um viel persönlichere Belange. So sind in diesem Arbeitsmarkt auch ältere Fachkräfte gern gesehen: weil sie meist ein ausgeprägteres Sozialempfinden haben und ihre Lebensplanung oft nach einem festen Standort verlangt.

Ein weiteres interessantes Argument für einen derartigen Arbeitsplatz ist das andere Tarifwerk. Die Medical Park AG beispielsweise wendet ein variiertes, aufgewertetes System privater Kliniken an und beteiligt jeden Mitarbeiter prozentual am betrieblichen Erfolg. All das bei angenehmen Arbeitszeiten – denn ab 22 Uhr herrscht Nachtruhe in der Klinik.

Gute Arbeitsbedingungen

Trotz der zahlreichen Vorteile ist es nach Erfahrung von Patrick Zander nach wie vor schwierig, geeignete Fachleute aus Hotellerie und Gastronomie zu finden. „Es braucht noch Aufklärungsarbeit, um draußen die Attraktivität eines solchen Arbeitsplatzes zu vermitteln.“

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