Sales & Marketing
Akustisch durch die City
Gäste mit Berührungsängsten: Stadtführungen per Audio-Podcast auf MP-3-Playern sind weniger gefragt, als man vermuten könnte
STUTTGART. In den Metropolen dieser Welt ist die Idee bereits angekommen: Stadtführungen per Audio-Podcast. Als „Tor zur Welt“ wollte Hamburg da nicht nachstehen. Der Slogan ist nach wie vor gut: „Hamburg auf die Ohren!“ Nur die Begeisterung hält sich noch sehr in Grenzen. Mit professionellem Know-how und einer geplanten Unternehmensgründung in Aussicht wurde Anfang 2006 die Idee eines akustischen Reiseführers von der ehemaligen NDR-Journalistin Herdis Pabst ins Leben gerufen.
Die gute Idee
Vier verschiedene Stadtrundgänge für Hamburg, die mit einem MP-3-Player leihweise an Hotelrezeptionen angeboten oder im Internet heruntergeladen werden können. Kein Reiseführer unter dem Arm, kein Hin-und Herblättern, auf Knopfdruck Kaffeepausen, ein leichter MP-3-Player in der Tasche und „Hamburg entspannt im Ohr“. Die Stadtrundgänge wurden mit der Geschichte Hamburgs, Geschichten von interessanten Hamburgern und Anekdoten angereichert. Ab dem Frühjahr 2006 boten 16 Hotels die Audio-Stadtrundgänge ihren Gäste an. Ein Jahr nach Einführung liegen erste Ergebnisse vor
Eine telefonische AHGZ-Umfrage bei Rezeptions- und Marketingmitarbeitern, Empfangschefs und Hoteliers ergab, dass sich auch nach einiger Anlaufzeit dieses Konzept im Städtetourismus nicht durchzusetzen scheint. Im Folgenden eine Auswahl der Antworten und Argumente in den befragten Hotels, die die Gesamttendenz bestätigen:
Das Entrée Hotel Hamburg hatte einen Probelauf von einem halben Jahr, bevor es die Geräte mit den Stadtführungen wieder zurückgab. Der Grund: Null Resonanz, das Angebot wurde nicht abgefragt. Nach Auskunft eines Rezeptionsmitarbeiters hatte die Grundskepsis der Gäste, mit einem MP-3-Player herumzulaufen, deutlich überwogen.
Das Holiday Inn Hamburg in der Kieler Straße hatte die Audio-Stadtführungen ebenfalls ein halbes Jahr im Programm. Auch dort wurden sie jedoch von den Gästen nicht angenommen und werden deshalb nicht mehr angeboten.
Im Intercity Hotel Hamburg am Hauptbahnhof machte man ähnliche Erfahrungen: Der wirtschaftliche Nutzen geht bislang gegen Null, obwohl die Führungen direkt und gut sichtbar am Empfang beworben werden. Dennoch wird man an den Audio Stadtführungen festhalten. Björn Fischer, Betriebsassistent des Hauses, geht davon aus, das dieses Modell der Stadtführungen Zukunft haben wird: „Es ist eher die ältere Zielgruppe, die Stadtführungen in Anspruch nimmt. Sie ist nicht so mit den technischen Gegebenheiten vertraut.“ Dies könnte sich seiner Meinung nach langfristig ändern. Im Intercity Hotel Hamburg wird man „Hamburg auf die Ohren!“ den Gästen weiterhin anbieten (Interview auf dieser Seite).
Im Quality Hotel Ambassador zeigte man sich enttäuscht, da nicht eine Nachfrage nach den Audio-Stadtführungen zu verzeichnen gewesen war. Man hatte sich dort mehr Resonanz versprochen, zeigte sich von der technischen Seite der Audio-Stadtführungen überzeugt.
Im Hotel Garni bei der Esplanade wurde gleichfalls kaum Nachfrage registriert. Und im Hotel Böttcherhof wurde das Paket seit Oktober 2006 nur ein einziges Mal gebucht.
Die schlechte Resonanz
Warum stößt eine innovative Idee auf so wenig Akzeptanz? Trifft es doch den Zeitgeist, dass man auf eigene Faust eine Tour machen kann, ohne sich einer Gruppe anschließen zu müssen, meint Frau Brückmann, Verkaufsleiterin im Hotel Böttcherhof: „Die technischen Möglichkeiten des NDR, Hintergrundgeräusche und Kurzinterviews reichern die Stadtführungen an. Zu den Tücken gehört allerdings, dass der Gast daran gewöhnt werden muss. Er muss wissen, wie er das Gerät zu bedienen hat“.
Obwohl auch im Böttcherhof Werbung zu den Stadtführungen auf den Zimmern ausliegt, waren keine wirtschaftlichen Auswirkungen zu verzeichnen. Solange die Geräte leihweise angeboten werden, will man die Aktion weiter anbieten. Es scheint ein wesentliches Problem zu sein, dass die Zielgruppen für Audio-Podcasts und Stadtführungen sich nicht überschneiden: Während die technischen Möglichkeiten von MP3-Playern und Podcasts überwiegend von Jüngeren genutzt werden, sind die Kunden im besten Alter eher an „echten“ Stadtrundgängen und -fahrten interessiert. Noch scheuen sie die technische Neuerung.Bastian Bechtle
