Management & Praxis
Baden überzeugt mit Pinot Noir
Top-Spätburgunder von 2007 auf dem Prüfstand / Überraschung auf den ersten Plätzen / Sieg für Knab aus Endingen
von Heinz Feller
HEIDELBERG. Es gibt gute Gründe für die badischen Winzer, Burgundersorten zu pflegen – insbesondere den Spätburgunder. Diese Sorten sind in diesem Anbaugebiet an die Bedingungen des Terroirs seit Jahrhunderten angepasst und ermöglichen die Erzeugung individueller, einzigartiger Weine, die außer an der Ahr und in der Südpfalz nirgendwo sonst in Deutschland so gut gelingen.
Durchaus nicht jedes badische Terroir aber eignet sich für den roten Spätburgunder. In „kühleren“ Regionen wie in der Ortenau oder im Markgräflerland gelingen gute Spätburgunder nicht immer. Ausnahmen wie Dörflinger, Schlumberger oder Klumpp bestätigen hier nur die Regel. Besonders erfolgreich ist der Spätburgunder am Kaiserstuhl, wo heute auf knapp einem Drittel der Fläche Spätburgunder angebaut wird.
Wer beim 2007er den richtigen Lesezeitpunkt gewählt hat, konnte reifes, gesundes Traubengut einfahren, was in aller Regel einen großen Wein ergab. Frucht und Fülle ließen sich mit Eleganz und Tiefe vereinen, zumindest bei den Spitzenbetrieben.
Typizität und Charakter
Das bestätigte eine Blindverkostung bei Mondo in Heidelberg, wo 25 Gewächse der besten Erzeuger Badens angestellt waren. Das Jahr 2007 gilt nicht nur in Baden als ein gutes Jahr für Rotwein. Viele Winzer wie Martin Schwegler sprechen von einem „überdurchschnittlich guten Jahrgang“, bei dem es eigentlich „keine Entschuldigungen für schlechte Weine geben darf“. Erzeuger wie Bercher, Huber, Seeger, Keller oder Waßmer gehörten zum Favoritenkreis. Newcomer wie Höfflin, Holger Koch oder Schlossgut Ebringen überraschten. Dass am Ende viele Sieger der vergangenen Jahre – und der Gewinner des Deutschen Rotweinpreises ins Finale kam (mit einem 2003er) – war keine große Überraschung. Der 2007er war ein gleichermaßen komplizierter und vielschichtiger wie intellektueller Jahrgang mit ausgeprägtem Eigencharakter.
Es gab Weine, die mit einem gewiss etwas vordergründigen, fruchtig-strammen Stil schon im frühen Stadium Spaß machten (Michel, Schlör, Knab). Tropfen von Huber, Martin Waßmer, Salwey, Seeger oder Keller gefielen hingegen durch ihre Typizität und Charakter mit zum Teil kompakten, manchmal kantigen Tanninen. Sie kamen zwar ins Finale, konnten dort aber keine Spitzenplätze erringen. Dass Thomas Rinker vom Weingut Knab in Endingen mit seinem Spätburgunder A IX Endinger Engelsberg und der zweitbesten Vornote in die Finalverkostung kam – und dort souverän gewann – setzte nicht wenige der Verkoster ins Erstaunen. Er präsentierte sich beeindruckend reintönig und elegant und wurde zu Recht von vier der sechs Tester auf den ersten Platz gesetzt. Thomas Rinker baut alle seine Spätburgunder im Holzfass aus.
Duijn nicht dabei
Den zweiten Platz teilten sich mit identischer Punktzahl die Weingüter Michel (Spätburgunder trocken, Achkarrer Schlossberg, Barrique) und Schlumberger (Pinot Noir GG trocken, Altenberg). Mit dem 2007er Schlossberg untermauerte Josef Michel, dass er beim Spätburgunder des Jahrgangs 2007 zur deutschen Spitze zählt und Ulrich Bernhart, Inhaber und Kellermeister bei Schlumberger, stellte ebenfalls einen homogenen Kandidaten vom Bienenberg an, der durch seine Eleganz und Reintönigkeit faszinierte. Als sensationell kann man auch den 7. Platz von Newcomer Holger Koch aus Bickensohl bewerten. Die kirschfruchtige und nachhaltige Pinot Reserve wurde in französischer Eiche ausgebaut und ohne Filtration abgefüllt. Sie erhielt von allen Verkostern um die 90 Punkte. Bedauert wurde, dass Jacob Duijn, Topwinzer aus Bühl seine beiden Pinot Noirs SD und Jannin nicht rechtzeitig in Heidelberg anstellte, sie bestachen bei Vorverkostungen durch Frische und Reintönigkeit und hätten aufgrund ihrer Eleganz gute Chancen für die Finalrunde in Heidelberg
gehabt.

