Aus- und Weiterbildung
Bei Projektarbeiten sind Visionen gefragt
Rennbahntribüne gastronomisches Leben einhauchen
LEIPZIG (jg). Die Projektarbeiten im Abschlussjahr erfreuen sich bei den Lehrern und Studenten der Fachschule für Gaststätten- und Hotelwesen einiger Sympathie. Die Suche nach einem geeigneten Objekt schärft den Blick für Probleme. Die Analyse der Situation, abwägen von Möglichkeiten, ausarbeiten eines gastronomischen Konzepts und seine überzeugende Präsentation, das alles zeigt nicht nur, ob Theorie angeeignet, sondern auch wie sie gehandhabt wird. Das Team, in dem jeder für seine Teilaufgaben „den Hut aufhat“, spielt eine wichtige Rolle. Visionen sind gefragt.
Besonders traf das dieses Jahr auf das „Rennbahn-Team“ zu, dem es die 100-jährige Tribüne im Scheibenholz angetan hatte. Bessere Tage der morbiden Schönheit hatten drei der angehenden Hotelbetriebswirte selbst erlebt. „An Galopptagen ging es hoch her. Sonst füllte Sonneschein Restaurant, Kaffee- und Biergärten mit Ausflüglern“, erinnert sich Tina Seifert. Mit ihren gastronomischen Konzepten will die Gruppe diesem Kleinod wieder Leben einhauchen.
Doppelgleisig zu fahren erscheint angeraten. Ein gutbürgerliches Restaurant mit 70 Plätzen könnte Pferdesportpublikum, Spaziergänger und Bewohner aus umliegenden Wohnvierteln anziehen. Für betuchte Rennbahngäste und Geschäftsleute hätte ein Gourmetrestaurant mit 45 Plätzen im Grünen einigen Charme. Platz ist für beides im Tribünensockel. Außerdem für einen großen Fest- und Veranstaltungsraum. Freisitze soll es nach dem Willen der Planer vor beiden Restaurants und hinter dem Haus am Elsterflutbett geben. Auch Kalkulationen der Projektgruppe, Marketingziele, Ideen für Restaurantnamen machten Sinn, gäbe es den Haken der Grundinvestitionen nicht.
Über zwei Millionen Euro, so Rennclubpräsident Jörg Scheibner, werden Sanieren und Modernisieren der Tribüne des zweitältesten deutschen Rennplatzes kosten. Ein Brocken, den die Stadt nicht stemmen mag, solange unklar ist, wie sich das am Ende rechnet. Vage zeichnet sich eine Lösung über BSI-Maßnahmen ab. Die kommen ins Spiel, wenn es um Verbesserung der Infrastruktur geht. Falls den Entscheidern dafür noch Vernunftgründe fehlen, die Projektarbeit kann damit dienen. Und dann hätten die Studenten für ihre Stadt mehr als ein Gastrokonzept auf die Beine gestellt.

