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Management & Praxis

Der Betrieb als Mitarbeitermagnet

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2010/11 vom 6. März 2010
von Klaus Häck

Stuttgart. Immer zu Jahresbeginn sind die Medien voll mit statistischen Daten. Zahlen wie die nur leichte Zunahme der Arbeitslosen werden gleich in den Vordergrund gestellt. Auch die von den Gewerkschaften in Szene gesetzte Lehrstellendramatik darf da nicht fehlen. Geschickt von den Handwerkskammern gekontert, deren Betrieben es zunehmend an qualitativ guten Auszubildenden fehlt. Dem Gastgewerbe geht es nicht anders: Qualifiziertes Personal ist Mangelware. Nur wie kann man das Problem lösen?

Weniger Schulabgänger

Was in den Medien kaum zu lesen und zu hören ist: Bis zum Jahr 2013 ist mit 22,6 Prozent weniger Schulabgängern zu rechnen ist. In welcher Verbindung stehen diese Zahlen nun mit der Mehrwertsteuerreduzierung in der Hotellerie? Viele Unternehmer erklären zu Recht, dass sie die Erträge aus der Reduzierung der Mehrwertsteuer für die Investition in ihr Unternehmen nutzen, damit sie für die nächsten Jahre gut aufgestellt sind. Das ist gut so. Denn unsere Auszubildenden, Mitarbeiter und Führungskräfte wollen in Unternehmen arbeiten, die attraktiv sind und ihnen etwas bieten. Sie haben also das gleiche Ansinnen wie unsere Gäste, nur auf einer anderen Ebene. Was passiert jedoch, wenn wir demnächst toll renovierte Hotels in allen Teilen Deutschlands finden, die ihren Anspruch an eine gute Dienstleistung und eine ständige Weiterentwicklung des Unternehmens nicht mehr halten können? Die zwar schön anzusehen sind, aber ihre Dienstleistung einschränken müssen, da sie keine adäquaten Arbeitnehmer mehr finden? Dann haben wir etwas falsch gemacht, denn die Attraktivität eines Arbeitsplatzes ist nicht grundsätzlich an neue Zimmer und schön gestylte öffentliche Bereiche gebunden, sondern an das Gesamtbild, welches ein Unternehmen nach außen hin abgibt.

Wenn ein Unternehmer in unserem Gewerbe heute von einer Investition in die Zukunft spricht, dann sollte er zweierlei im Sinne haben: die Stärkung seines Unternehmens als Marke für seine Kunden und die Stärkung seines Unternehmens als Arbeitgebermarke für seine zukünftigen Arbeitnehmer. „Employer Branding“ heißt das Zauberwort.

Nichts beschädigt die Marke mehr als nicht erbrachte aber erwartete Dienstleistungsqualität. Nur wenn der Unternehmer den Anforderungen der Mitarbeiter und Führungskräfte gerecht wird, kann er diese für sich gewinnen und auch halten. Daher gilt es, aufgrund der demographischen Entwicklung und dem sich abzeichnenden Kampf um gute Arbeitskräfte in Deutschland, außer der klassischen Investition unbedingt in die Arbeitgebermarke zu investieren. Jetzt stehen die nötigen Mittel zur Verfügung. Wer diese nicht nutzt, agiert fahrlässig und riskiert die Überlebensfähigkeit seines Betriebs.

Nur der kann mit Interesse rechnen, wem es gelingt potenziellen Bewerbern verständlich und emotional Unternehmenskultur und Werte zu vermitteln. Fehlgriffe sind teuer! Wer Anforderungsprofile klar definiert und Perspektiven für die Zukunft der Arbeitnehmer aufzeigen kann, schafft die Basis zur Bindung von guten Fach- und Führungskräften.

Wichtig ist, dass Kriterien formuliert werden, die das Unternehmen für potenzielle Mitarbeitende besonders attraktiv machen: Familienfreundlichkeit, Entwicklungsperspektiven, Werte, besondere Kooperationen zum Nutzen der Mitarbeitenden, individuelle Arbeitsverträge. Der Hotelier oder Gastronom sollte aktiv auf potenzielle Mitarbeitende zugehen, sein Unternehmen auf Stellenbörsen, in Hotelfachschulen, in allgemein bildenden Schulen präsentieren und die Mehrwerte aufzeigen.

Individuelle Verträge

Besonderes Gehör in der Branche werden diejenigen finden, welche individuelle Arbeitsverträge gestalten und für eine gezielte Bindung von Mitarbeitern an das Unternehmen sorgen. Der gewünschte „Return on Investment“ wird nicht auf sich warten lassen. Und die Mehrwertsteuersenkung hätte tatsächlich eine Beschleunigung des Wachstums auf allen Ebenen zur Folge. Klaus Häck

Der Autor ist Inhaber des Beratungsunternehmens Homme² und Mitglied im FCSI

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