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Fachmann am Mischpult: Es geht aber auch ohne DJFoto: Colourbox

Management

Der Ton macht die Musik

Entertainment in Gastronomie und Hotellerie: Ohne klare Konzeption und eine eindeutige Zuständigkeiten geht es nicht / Alternative: Abos für das Webradio

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/12 vom 24. März 2007
von

STUTTGART. Der Abend scheint perfekt: Die Kellner sind aufmerksam, das Licht gedämpft, das Essen ausgezeichnet. Plötzlich setzt die Musik aus, ein Nachrichtensprecher sagt die Zeit an, und schon gehen sie los, die schlechten Nachrichten von Staumeldungen und Hungersnöten. Den Gästen vergeht der Appetit. Kein erfundenes Szenario, sondern erlebte Realität. „Radio im Gastraum ist völlig indiskutabel“, sagt der Frankfurter Gastro-Consultant Pierre Nierhaus.

Konzept gibt den Stil vor

Wie findet man die richtigen Töne? Da die wenigsten Gastronomen von Haus aus DJs sind und Erfahrungen bei der Auswahl und Zusammenstellung eines Musikprogramms haben, empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit professionellen „Musikmachern“. Gäste einer Tapasbar erwarten dort nunmal andere Musik als beim Griechen, dem Italiener, im Klosterschankhaus oder in einem Gourmetlokal.

Charles Schumann von Schumann’s Bar in München lässt Musik nur im Background laufen: „Wenn es voll ist, hört man sie fast gar nicht.“ Aber sie ist da und sorgt auf subtile Art für Atmosphäre. „Dazu sollte genau bedacht werden, welche Alters- und Zielgruppen ins Lokal kommen. Nicht alle Senioren hören gern Volksmusik und nicht alle Jungen mögen unbedingt Hiphop“, weiß Rana U. Baum vom Unternehmen Baum Media.

Die Auswahl der richtigen Musik ist und bleibt ein wichtiger Teil des Gesamterfolgs. „Musik kann alles,“ findet Nierhaus. Sie fängt Leute auf und hält sie vom Gehen ab. Sie kann aber auch Stimmungen zum Kippen bringen und Gäste vergraulen. Ohne generelle Musikkonzeption und eine klare Definition, wer fürs Entertainment zuständig ist, wird das kaum funktionieren. Beispiel Sausalitos: Andreas Steinbeißer, Leiter Unternehmenskommunikation der Münchner Sausalitos Holding GmbH: „Wie bei unserem Konzept Strukturen und Abläufe standardisiert sind, wird auch das Entertainment von der Zentrale aus gesteuert.“

Einmal im Monat erhalten alle Filialen eine Musik-DVD, bespielt mit insgesamt 1000 Titeln. Das hat laut Steinbeißer den Vorteil, dass „immer aktuelle und zu den Sausalitos-Betrieben passende Musik gespielt wird“. Konzeptionell steckt viel Arbeit dahinter, aber im Ergebnis stehen Zeitersparnis und Arbeitserleichterung für die jeweiligen Geschäftsführer vor Ort. Die Musikbeschaffung erfolgt über „iTunes“ und ein nationales DJ-Netzwerk mit Remixes aktueller Charts. Die Kostenersparnis beruht zum Teil auch darauf, dass nur ein Musik-Titel online gekauft werden muss und an alle Betriebe weitergegeben wird.

Auch für Einzelbetriebe gilt: Ist die Entscheidung für ein Musikkonzept gefallen, muss es beibehalten werden. Die Musik darf sich nicht ändern,nur weil die studentische Aushilfe oder der neue Barkeeper das Programm wechseln will. Trotzdem sollte jeder Gastronom parallel den Markt beobachten und Möglichkeiten der Veränderungen einplanen. Das bedarf der regelmäßigen Auseinandersetzung mit dem Thema, um die Titelwahl zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Als echte Alternative zum Dudelfunk gelten Web-Radios ohne Text- und Werbeblöcke. Alles, was man (neben der vorhandenen Wiedergabetechnik) braucht, sind ein Computer, DSL-Anschluss (optimal mit Flatrate) und ein aktueller Browser wie Firefox oder der Internet Explorer von Microsoft. Je nach Interessen kann man sich hier auf sein Lokal zugeschnittene Musikprogramme zusammenstellen. Da nicht jeder Player jedes Format spielt, muss man sich wohl oder übel „durchhören“ und herausfinden, was zu einem passt. Alle Sorgen los ist man mit Hilfe von Musikprofis, die einem selbst das abnehmen: Abodienste für Gastro- und Hotelmusik.

Mit oder ohne Gebühren

Es gibt Gema-pflichtige Angebote und gebührenfreie wie den MaxxMusic lite-Player von Baum Media (AHGZ vom 13. Januar 2007). Seit März 2006 bietet die EBH Radio Software GmbH, Bremen, Gastromusik an: Mit der Musik- und Layout-Software „Repertoire“ können ohne besondere Hardware-Installationen zehn Musikkanäle über das Internet empfangen werden. Geschäftsführer Frank Harreß: „Durch die gezielte Musikauswahl und entsprechende Wiedergabetechnik lässt sich vermeiden, dass das Personal einfach die Wiederholungstaste drückt, und die Gäste noch einmal den gleichen Sound hören.“ Die mit einem Abo verbundenen Kosten rechnen sich: Es muss keine zusätzliche Hardware gekauft werden, die Musikproblematik entfällt, das Handling vor Ort wird denkbar einfach, und es fallen keine Kosten für den Kauf aktueller CDs an. (Seite 23) Petra Mewes

www.gema.de

www.baummedia.de

www.ebh.com

www.gastromusik.de

www.pandora.de

www.sausalitos.de

www.nierhaus.com

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