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Die Visitenkarte

Text, Material und Layout bestimmen die Wirkung von Speise- und Getränkekarten als Imageträger und Verkaufsinstrument

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/13 vom 31. März 2007
von

STUTTGART. Was sind Speisekarten mit Rechtschreibfehlern, Fettflecken, veralteten Angaben oder Knicken? Ein schlechtes Aushängeschild. Die Negativ-Beispiele reichen von der schief kopierten Papierseite im A4-Format bis zum Kunstledereinband, von langweiligen Preislisten bis zur abgegriffenen Klappkarte. Dabei bieten Speisekarten ein hohes Potenzial an Profilierungs- und Verkaufschancen.

Der Mensch – heute hochgradig designverwöhnt – reagiert nun mal stark auf visuelle Impulse. Inmitten einer schillernden Werbeflut müssen Speisekarten in erster Linie Orientierungspunkt über Profil und Angebot eines Hauses sein. Trotzdem wird laut Gretel Weiss, Co-Autorin des Buches „Speisekarten Design“ (leider vergriffen), die Karte „noch viel zu wenig als Marketing-Instrument genutzt“. Dabei ist sie vor allem in der gedruckten Form das ideale Kommunikationsmittel mit dem Gast und Schlüssel für erfolgreiches Verkaufen. Gleichzeitig spiegelt sie den Charakter des Betriebes und die Persönlichkeit des Gastgebers wider. Mövenpick-Gründer Ueli Prager bringt es auf den Punkt: „Die Menükarte dokumentiert das gastronomische Engagement eines Unternehmens in allen Dimensionen: im Design der Karte, in der Art der Darstellung, den Gerichten und der Sprache, in der die Speisen angeboten werden.“

Ehrlichkeit ist Pflicht

Ehrliche Inhaltsangaben sind ein Muss. Wenn die Karte mehr verspricht als anschließend auf dem Teller, im Glas oder als Gesamtdienstleistung serviert wird, weckt das falsche Erwartungen und enttäuscht die Gäste nur. Wichtig ist, dass die Karte zum Hause passt. Dann kann sie auch sehr einfach gestaltet sein und selbst in Form einer Schiefertafel die Intentionen der Küche dem Gast nahe bringen. Aufmachung und Kreativität sind nicht zwangsläufig mit hohen Kosten verbunden. Als gelungenes Beispiel gilt die Karte der Spiele-Kneipe Triangel in Leipzig: Sie nimmt optisch das Thema Brettspiele auf, hat eine strapazierfähige Beschichtung und enthält neben dem umfangreichen F&B-Angebot in knapper Form auch die „Spielregeln“ des gastronomischen Gesamtkonzepts. Ein ideales Instrument, hilfreich für Gäste und Personal. Außerdem liegt sie im „Triangel“ auf jedem Tisch und animiert zum Nachbestellen. In vielen Betrieben nimmt der Service nach der Bestellung den Gästen die Karte sofort wieder weg. Dabei blättern laut Marketing-Spezialistin Ursula Hild zwei Drittel der Gäste sehr gern auch nach der Wahl noch darin. Manche holen sich dabei durchaus Appetit – auf ein Dessert, einen Wein, einen Cocktail. Es sollten also immer genug Exemplare da sein.

Stichwort Tisch- und Tablettsets: Die funktionalen Kombinationen aus Tischdecke und Speisekarte bewähren sich längst nicht mehr nur in Fast-Food-Restaurants. Auch bei Bedienungskonzepten wie den rustikalen Kartoffelhäusern haben sie sich über ihre Doppelfunktion zum Markenzeichen entwickelt. In Maredo-Restaurants werden Tischsets zudem als kartenunterstützendes Medium eingesetzt, das den Markenauftritt dokumentiert, die Selbstdarstellung unterstützt und der emotionalen Gästebindung dient. Wer eine eigene Homepage betreibt, sollte unbedingt auch die aktuelle (!) Karte ins Web stellen und die zeitnahen Möglichkeiten dieses Mediums nutzen, für wöchentliche Lunch-Angebote, Saisonkarten, F&B-Aktionen – und Tischreservierungen. Als attraktive Beispiele dürfen dabei die diversen, genau auf die jeweilige Zielgruppe und die Restaurants des Hauses abgestimmten Speisekarten im „Schindlerhof“ von Klaus Kobjoll gelten. Punktgenau sind auch die Karten der Tex-Mex-System-Restaurants Papa Joe’s mit Hauptsitz in Innsbruck kreiert.

Design muss Appetit machen

Bei der Zusammenarbeit mit Werbeagenturen sind besonders klare Vorstellungen über Material, Text und bildnerische Mittel gefragt: Speisekarten-Design ist nicht Kunst um der Kunst willen: Das Design muss bildlich darstellen und interpretieren, was Küche und Keller zu bieten haben (Beispiele gelungener Karten finden sich auf unten stehenden Webseiten). Die Karten sollen schließlich nicht zuerst den Grafiker profilieren, sondern die Gäste im Restaurant zum Bestellen anregen. Petra Mewes

www.moevenpick.com

www.papajoes-ibk.at

www.schindlerhof.de

www.kartoffelhaus.de

www.maredo.de

www.menu-design.ch

www.speisekarten-seite.de

www.triangel.de

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