Datenschutz
Diskretion ist Ehrensache
STUTTGART. Annähernd 230 Mio. Übernachtungen im Jahr zählt die deutsche Hotellerie. Doch jede einzelne Buchung spült den Hotels nicht nur Geld in die Kassen, sondern füllt zudem die Speicher der Computerserver. Denn die Hotels sammeln nicht nur weiche Daten, ob der Gast ein Allergiker-Kopfkissen benötigt oder nicht, den „Ceasar’s Salad“ ohne Knoblauch wünscht, sondern auch sensible Daten wie Kontodaten oder Kreditkartennummern. Wie also ist es um die Sicherheit der Daten in der Hotellerie bestellt?
Getrennt erfassen
„Eine einheitliche Richtlinie, wie mit vertraulichen Daten umzugehen ist, fehlt in der Branche“, stellt Stephan Gerhard, Geschäftsführer der Hotelberatungsgesellschaft Treugast aus München, fest. Deshalb gilt stets für jeden Gast, der Gewissheit haben möchte, wie mit seinen Daten verfahren wird, dies möglichst schon bei der Reservierung zu klären.
In einigen Häusern gibt es nur mündliche Regelungen, kleinere Gasthöfe machen sich keinerlei Gedanken darüber, nur die großen Hotelketten haben klare Regeln. „Wir akzeptieren die Privatsphäre unserer Gäste und handeln dementsprechend“, erklärt Kerstin Riedel aus der Marketing-Abteilung von Hyatt Deutschland. Alle Kreditkartendaten werden einheitlich nach 30 Tagen gelöscht und werden jedes Mal wieder neu aufgenommen. Anders verfährt die Hotelgesellschaft dagegen bei den unsensiblen Daten, welche getrennt erfasst werden und allen Hyatt-Hotels in Deutschland zur Verfügung stehen. „Wir wissen auch noch nach fünf Jahren, dass ein Gast gerne Erdbeeren beim Einchecken auf sein Zimmer wünscht“, so Kerstin Riedel. Keinerlei Daten werden dagegen in den Restaurants gespeichert. Anders verfahren die Mövenpick-Hotels. Dort wird darauf verwiesen, dass Kreditkartendaten, deren Verfallsdatum, sowie die Prüfnummer auf sicheren Servern verschlüsselt gespeichert werden. Dagegen werden die Daten von „Preferred Guests“ meist für Marketingzwecke genutzt. Dies wird von der Branche damit begründet, dass die Inhaber von Bonuskarten oder Kundenbindungsprogrammen dem Transfer von Daten bereits bei Ausstellung der Karten zugestimmt hätten. Hier verfährt die Hotellerie genauso wie die Lufthansa, die natürlich auch die Daten ihrer Vielflieger für Werbemaßnahmen nutzt.
Unklar ist die Regelung, wie mit dem Persönlichkeitsrecht von prominenten Gästen umgegangen wird. So hat schon der eine oder andere Concierge die Ankunft eines Popstars an die lokale Boulevardpresse durchgestochen. Doch die Grauzone bleibt hoch, da manche Gäste es nicht ungern sehen, wenn ihr Aufenthalt in der Presse nachzulesen ist.
Heikle Situationen
„Bislang sind die Hotels von großem Datenmissbrauch verschont geblieben“, meint Experte Gerhard. Spätestens dann, wenn eines der größeren Häuser einmal Opfer eines Hacker-Einbruchs wird, wird sich zeigen, ob die Vorsichtsmaßnahmen der Branche ausreichen. In einem solchen Fall könnten auch die vermeintlich harmlosen Daten schnell an Gewicht gewinnen. „Spätestens dann, wenn die Ehefrau erfährt, dass ihr Mann bei Geschäftsreisen immer Zweier-Belegung im Doppelzimmer bucht, wird die Angelegenheit heikel“, so Gerhard.

