Management
Ein Passbild fürs Hotel
Stuttgart. Jetzt ist es soweit: Seit dem 1. Juli benötigen Eigentümer von Hotels einen Energieausweis für ihre Gebäude. Der Ausweis soll den Verbrauch einer Immobilie offenlegen und vergleichbar machen. Die Energieexperten von Dekra empfehlen, den Energieausweis mit einer Analyse der Einsparpotenziale zu verbinden. Wie positiv sich das auf den Stromverbrauch auswirken kann, zeigt das Beispiel des Holiday Inn Munich City Centre. Dort wurde bereits Mitte vergangenen Jahres der Ausweis erstellt und das Einsparpotenzial ermittelt.
Zehn Jahre gültig
Die Energieeinsparverordnung 2007 (EnEV) legt die Pflichten für Immobilienbesitzer fest. So muss der Ausweis vorgelegt werden, wenn ein Gebäude vermietet oder verkauft wird. In öffentlichen Gebäuden mit mehr als 1000 Quadratmetern Nutzfläche muss er zudem gut sichtbar ausgehängt werden. Zusätzlich legt die EnEV zwei Ausführungen des Energieausweises fest. „Hoteliers und Immobilienbesitzer können für ihre gewerblichen Gebäude einen verbrauchsorientierten oder einen bedarfsorientierten Energieausweis beantragen“, erläutert Mike Verhoeven, Energieexperte von Dekra.
Für den bedarfsorientierten Energieausweis wird der Energiebedarf eines Gebäudes nach der Norm DINV18599 berechnet. Grundlage der Berechnung ist eine detaillierte Gebäudeaufnahme mit Daten für Heiz- und Warmwassersystem, Kühlung und Lüftung sowie Beleuchtung. Zudem werden die Daten der Bausubstanz miteinbezogen, wie die Abmessungen der Bauteilflächen oder der Aufbau der Wände und Decken. Mit diesen Daten wird der Energieverbrauch bei durchschnittlicher Beanspruchung berechnet. Der Vorteil dieser Methode ist es, dass alle Komponenten des Gebäudes abgebildet werden. Der Ausweis ist zehn Jahre gültig.
„Wir empfehlen, den bedarfsorientierten Energieausweis mit einer umfangreichen Energieberatung zu verbinden. So können Potenziale aufgezeigt werden, um die Energieeffizienz zu steigern“, sagt Verhoeven. Die Beratung umfasst konkrete und detaillierte Empfehlungen, wie der Energieverbrauch gesenkt werden kann. Eine Kosten- und Amortisationsprognose ist ebenfalls Gegenstand der Energieberatung. Wird die Beratung um eine thermografische Untersuchung des Hotelgebäudes erweitert, können zudem Wärmebrücken und andere Isolationslücken in der Fassade aufgedeckt werden.
Beim verbrauchsorientierten Ausweis wird der Energieverbrauch auf Basis des Warmwasser- und Heizungsverbrauchs der vergangenen drei Jahre errechnet. Bei einer guten Datenlage kann der Ausweis so schnell und effizient ausgestellt werden. Diese Analyse ist aber weniger detailliert. Eine Beurteilung einzelner Gebäudekomponenten ist nicht möglich, da das Gebäude nur in der Summe bewertet wird. Dieser Ausweis ist ebenfalls zehn Jahre lang gültig.
Nach Angaben des Forschungsverbunds Sonnenenergie sind in Deutschland Gebäude für knapp 40 Prozent des Endenergieverbrauchs verantwortlich. Dabei entfällt mehr als ein Drittel dieses Verbrauchs auf Raumwärme und Warmwasserbereitung. Für den weiteren Verbrauch sind dann die Kühlung, die Lüftung und das Kunstlicht verantwortlich.
Um Klarheit über den eigenen Verbrauch zu erlangen und konkrete Einsparmöglichkeiten zu erfahren, hat die Leitung des Hotels Holiday Inn Munich City Centre bereits im vergangenen Jahr einen bedarfsgerechten Energieausweis für das Hotelgebäude mit 582 Zimmern ausstellen lassen. Zusätzlich haben die Betreiber Experten mit einer Energieberatung und Thermografieaufnahmen für das gesamte Gebäude beauftragt.
Die Schwimmhalle als Leck
Die Thermografieaufnahmen deckten mehrere Wärmebrücken in der Fassade des Hotels auf. So wurde deutlich, dass durch das Dach der Schwimmhalle viel Wärme verloren geht, da die Dämmung an einigen Stellen durchnässt war. „Nach der Überprüfung haben wir beschlossen, die geplante Sanierung der Schwimmhalle vorzuziehen. Außerdem planen wir auf Anraten von Dekra eine Solaranlage für das Dach der Halle“, fasst Frank Schiffer zusammen, Technischer Leiter des Holiday Inn Hotels.
In der Gebäudetechnik erfüllte das Holiday Inn bereits einen guten Standard. Trotzdem entdeckten die Fachleute auch hier Einsparpotenziale. So haben sie der Hotelleitung empfohlen, für die Beleuchtung Energiesparlampen zu verwenden. Allein durch den Austausch von 850 Halogenlampen in den Etagenfluren sparen die Betreiber jährlich 10.000 Euro Energiekosten ein.
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