Eisacktal: Ein cooles Gebiet
Das Mikroklima und mineralhaltige Moränenböden sind Garanten für außergewöhnliche Weißweine
KLAUSEN. Tradition und Innovation. Diese Merkmale prägen die Region Eisacktal und die Weine gleichermaßen. Es ist das nördlichste Anbaugebiet Italiens – und für Weißweine deshalb besonders prädestiniert. Von hier kommen Klassiker (Silvaner, Gewürztraminer) aber auch moderne, innovative Weine (Veltliner, Riesling, Kerner).
Zwischen Klausen im Süden und Vahrn im Norden, wo Gletscher und mediterrane Hügellandschaften so nah beieinander liegen, gedeihen gesunde Trauben von höchster Qualität. Das spezielle Mikroklima mit ausgesprochen heißen Sommertagen und kühlen Nächten in der Erntezeit ist Garant für volle Reife der Trauben und für außergewöhnlich aromatische, aber auch alkoholreiche Weine.
Silvaner fühlt sich wohl
Außer Privatwinzern wie Peter Pliger vom Kuenhof in Brixen, Hannes Baumgartner vom Strasserhof in Vahrn, Andreas Huber vom Pacherhof in Vahrn, Peter Wachtler vom Taschlerhof in Brixen oder Günther Kerschbaumer vom Köfererhof in Vahrn waren Genossenschaften wie die Eisacktaler Kellerei in Klausen oder die Stiftskellerei Kloster Neustift die Lokomotiven der Eisacktaler Weinwirtschaft. Wir haben uns bei zwei typischen und herausragenden Vertretern der Eisacktaler Weinmacher umgesehen.
„Die Silvanerrebe fühlt sich hier vor allem in nicht zu hohen, luftigen und warmen Hanglagen des mittleren Eisacktals besonders wohl“, sagt Peter Baumgartner, der neue Geschäftsführer der Eisacktaler Kellerei – eine Genossenschaft mit 130 Mitgliedern aus elf verschiedenen Weinbaugemeinden. Mit der Sonderlinie „Aristos“ hat die Kellerei bei Weißweinfreaks für Furore gesorgt. „Sieben Weine dürfen den Namen tragen, der für ausgeprägte Sortentypizität und höchste Eleganz bürgt“, so Baumgartner.
Insbesondere der Silvaner und der Müller-Thurgau besitzen Substanz, Kraft und Länge. Die Grundvoraussetzungen dafür wurden laut Baumgartner im Weinberg gelegt: mit strengster Selektion und Ertragsbeschränkung für optimale Traubenqualität.
Was den Müller-Thurgau angeht, verstehen es die Südtiroler ihren deutschen Kollegen (die oft weniger ambitioniert ans Werk gehen) vorzuexerzieren, dass man mit entsprechender Ertragsbeschränkung herrlich aromatische, extraktreiche Weine machen kann, für die der Verbraucher und Gastronom bereit ist, auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Was die Reputation und die Verkaufszahlen betrifft, können aber auch Gewürztraminer und besonders der Kerner mithalten, während der Grüne Veltliner, Riesling und Sauvignon aus der gleichen Premium-Linie in der Anzahl erzeugter Flaschen etwas abfallen. Die beiden edelsüßen Dessertweine der Linie „Nectaris“ (Gewürztraminer und Kerner) bestechen mit ihrer fruchtigen Restsüße und sind ein besonderes Highlight in der Produktpalette.
Der Nectaris Kerner wurde 2007 sogar zum „Besten Süßwein Italiens“ gewählt. Eine weitere Premiumlinie ist „Sabiona“. Auf den Etiketten ist das auf einem mächtigen Dioritfelsen thronende Kloster Säbeln zu sehen, an dessen steilen Weinbergen die Reben für die Sabiona-Tropfen wachsen. Beide Weine – Silvaner und Kerner präsentieren sich trotz gleicher Herkunft mit ganz individuellen Eigenschaften.
Günther Kerschbaumer vom 5,5 Hektar großen Köfererhof in Vahrn gehört neben Peter Pliger (Brixen) zu den Riesling-Pionieren im Eisacktal. Man muss die ganze Palette seiner Weißweine durchprobieren, um dabei die Verschiedenheit der feinen Duft– und Aromastoffe einfangen und zu würdigen. Da gibt es den typischen Silvaner („von dem ich leider zu wenig habe“), den kristallklaren Pinot Grigio, die fruchtigen Riesling und Veltliner („die machen mir besonders viel Spaß“), den für diese Höhenlage gut angepassten Kerner („meine wichtigste Rebsorte“) und sogar den Gewürztraminer, der dank des dezenten Duftes eine eigene lokale Note erhält.
Längere Lagerung möglich
Auf einer Meereshöhe von knapp 800 Metern ist hier das Klima etwas rauer, die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht größer und die Trauben reifen etwas später als in den klassischeren Gebieten Südtirols. Diese Umstände sind bei seiner gewissenhaften Arbeit jedoch keineswegs ein Nachteil. Das Ergebnis sind intensive, mineralische, saftige und komplexe Silvaner mit Eleganz und Frische. Der Jahrgang 2009 ist Kerschbaumer sensationell gut gelungen: In der Ausgabe des Gambero Rosso 2011 wurde der Silvaner „R“ 2009 vom ihm zum Weißwein des Jahres in Italien gekürt. Insgesamt 48.000 Flaschen verlassen jedes Jahr den Keller. Die Hälfte des Weins wird im großen 30-Hektoliter-Akazienholzfass ausgebaut, der Rest im Stahltank. Die Frische und die leichte Salzigkeit geben ihnen die Tiefe. Extrakt und Alkohol erlauben eine längere Lagerung.
Im nördlichsten Teil des Tals gedeiht auch der Kerner besonders gut und wurde für das Weingut zur wichtigsten Rebsorte. Er ergibt fruchtige, komplexe Weine mit einer leichteren Struktur als im übrigen Südtirol. Sein Ausbau erfolgt im Stahltank. Vor allem aber der Riesling und neuerdings der Veltliner fühlt sich hier in Vahrn sehr wohl. Die beiden Rebsorten brauchen die großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht und die kargen, mineralischen Böden, um ihre große Aromenvielfalt und lebendige Frische zu entwickeln. Heinz Feller
