Management & Praxis
Energie ist zum Sparen da
Mit effizienten Geräten und technischen Lösungen bieten Aussteller den Energiekosten Paroli / DEHOGA hilft
Stuttgart. Bei Konjunkturumfragen des DEHOGA nehmen in der Rangliste der wichtigsten Branchenprobleme die Energiekosten regelmäßig eine vordere Position ein. Immer mehr Hersteller und Anbieter haben deshalb Geräte und Lösungen in ihrem Angebot, die dabei helfen, Energie effizienter zu nutzen. Die Intergastra bietet einen idealen Überblick über diesen Markt. Denn bei der Internationalen Fachmesse werden zahlreiche Aussteller Problemlösungen zu diesem Bereich vorstellen.
Moderne Technik und intelligente Sparmaßnahmen können die Kosten in einem Restaurant oder Hotel spürbar drücken. In welchem Umfang das in gastgewerblichen Betrieben möglich ist, macht der DEHOGA-Energieberater Sven Eckardt deutlich: „6 bis 8 Prozent des Umsatzes entfallen durchschnittlich auf den Bereich Energie“, berichtet er aus seiner in vielen Jahren gesammelten Erfahrung. Das muss aber nicht sein: „Umweltfreundliche Betriebe wenden dafür jedoch lediglich 2 bis 3 Prozent auf“, fügt er hinzu und macht damit das Sparpotenzial deutlich. Das beläuft sich auch bei kleineren und mittleren Betrieben schnell mal auf 2000 bis 3000 Euro pro Monat.
Intelligenter spülen
Dass es für die Betriebe gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wichtig ist, dieses Potenzial zu nutzen, wissen auch die Zulieferer und versuchen, Lösungen anzubieten. Zum Beispiel die Hersteller von Spülmaschinen: „In der Regel liegen die Einsparpotenziale bei den Betriebskosten im deutlich zweistelligen Bereich, 20 Prozent sind keine Seltenheit, 30 Prozent sind möglich“, so Siegfried Päsler, Geschäftsführer des Verbandes der Hersteller gewerblicher Spülmaschinen (VGG), für den die Faustregel gilt: Je älter die genutzte Technik, desto rentabler ist eine Investition in neue Spülmaschinen.
Eine Überprüfung der Energieeffizienz älterer Geräte lohnt aber nicht nur bei Spülmaschinen, auch bei Waschmaschinen oder Kombidämpfern kann ein Vergleich mit dem heutigen Angebot der Hersteller zu dem Ergebnis führen, dass sich eine Investition schnell rechnet – ebenso wie der Umstieg auf die Induktionstechnik beim Herdblock in der Restaurantküche. Der bringt nicht nur beim Energieverbrauch eine enorme Entlastung, sondern auch bei der Lüftung, die schließlich auch Energie frisst. Induktionstechnik bietet beim Garen ähnliche Vorteile wie ein Gasofen, garantiert aber selbst im Sommer angenehme Raumtemperatur für die Küchencrew ohne zusätzliche Lüftung.
Hotels mit Sparpotenzial
In Hotels sind die Energie- und Verbrauchskosten noch höher als in der Gastronomie, deshalb lohnt es sich nach Meinung vieler Fachleute dort noch mehr, über Einsparmöglichkeiten nachzudenken. Erfolge versprechen dabei schon relativ simple Maßnahmen wie der Einbau neuer Duschköpfe oder Durchflussbegrenzer. Schon deshalb, weil ein Gast im Hotel rund 300 Liter Wasser pro Tag verbraucht – im Gegensatz zum durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch im Haushalt, wo er zwischen 80 und 150 Litern am Tag liegt.
Wärme ist daher im Beherbergungsgewerbe ein ebenso wichtiges wie ergiebiges Thema, wenn es darum geht, Kosten einzusparen: Blockheizkraftwerke, Photovoltaik und Flüssiggas als saubere fossile Energiequelle sind deshalb derzeit die Renner. Auch weil diese Technologien von der Bundesregierung gefördert werden. Fördermitglieder des DEHOGA Baden-Wüttemberg informieren auf der Intergastra über diese Technik an einem Gemeinschaftsstand in Halle 6.
Clevere Schließsysteme
Für Hotels ab einer bestimmten Größe kann sich die Einführung eines intelligenten Schließsystems lohnen, zum Beispiel mit einer Keycard, mit der ein Gast den Hauptschalter im Zimmer aktiviert muss. Das sorgt dafür, dass Beleuchtung und Standby-Schaltung beim Fernsehgerät nur Energie verbrauchen, wenn der Gast tatsächlich auf dem Zimmer ist.
Durch gezielte Auswahl effizienter Leuchtmittel und Leuchten sowie intelligenter Schaltungen kann der Stromverbrauch dafür erheblich reduziert werden. Der Einbau von Bewegungsmeldern, Nachlaufrelais, Zeitschaltuhren, Dämmerungsschalter oder die Aufteilung von Schaltkreisen können den Stromverbrauch zusätzlich reduzieren.
Was alles möglich ist, wenn die einzelnen Maßnahmen genau auf einen Betrieb zugeschnitten sind, zeigte ein zwei Jahre laufendes Modellprojekt „Energieeffizientes Gastgewerbe“ des Vereins Modell Hohenlohe, an dem sich acht gastgewerbliche Betriebe beteiligt haben. Zwar ging es dabei vornehmlich um die Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes. Das hatte jedoch für die Beteiligten den angenehmen Effekt, dass auch die Energiekosten zurückgingen. Wärmerückgewinnung, Solarleuchten für den Parkplatz, bessere Isolation und der Einbau von Umwälzpumpen und ständiges Controlling waren Beispiele, die umgesetzt wurden.
Neuartiger Modellversuch
Als vor knapp einem Jahr das Ergebnis des Modellversuches präsentiert wurde, hatten die Betriebe ihre Energieeffizienz im Durchschnitt um
4,7 Prozent gesteigert und damit die seit 2005 eingetretenen Preissteigerungen auffangen können. Ohne Projekt hätten sie 14,1 Prozent mehr bezahlt.
Die Einsparungen waren nicht überall gleich hoch, weil vor allem bei baulichen Maßnahmen Denkmalschutz und Eigentumsverhältnisse das Ergebnis beeinflussten. Ein Ergebnis ist für den als Berater am Projekt beteiligten Sven Eckardt, ausgehend von durchschnittlichen Energiekosten von 6 Prozent des Umsatzes, dennoch klar: „Energieeffiziente Betriebe gibt es in der Hotellerie und Gastronomie noch wenige. Ihr Anteil liegt unter 4,5 Prozent in der Hotellerie und unter 5 Prozent in der Gastronomie.“
Tatsache ist: Kaum ein Thema ist so vielschichtig und wirkt in so viele Betriebsbereiche hinein wie die Frage nach der Energieeffizienz. Ein Blick in das Ausstellerverzeichnis zeigt: Führende Hersteller energiesparender Technologien sind bei der Intergastra in großer Zahl präsent. Allein sie machen den Besuch der großen Stuttgarter Branchenfachmesse zu einer lohnenden Investition. ek


