Management
Finanzspritzen sind Mangelware
Bei der Suche nach tragfähigen Alternativen zum klassischen Bankkredit sind Kreativität und Beharrlichkeit gefragt
STUTTGART. Wer über große Summen an Eigenkapital verfügt, hat beim Kauf von Gaststätten oder Hotels heute nahezu freie Auswahl. Alle anderen aber erleben, wie schwer es ist, an Darlehen zu kommen. Da lohnt es sich, nach Alternativen zu suchen.
Erster Ansprechpartner neben Banken sind von jeher die Brauereien. Als Gegenleistung zu einem exklusiven Bier-Liefervertrag wurden den Gastronomen in der Vergangenheit regelmäßig Gelder zur Verfügung gestellt, deren Tilgung über einen erhöhten Bierpreis erfolgte. Doch auch die Brauereien haben die Zeichen der Zeit längst erkannt. So manches Darlehen musste nach einer Gaststättenpleite abgeschrieben werden.
Mezzanine-Kapital
Das hat dazu geführt, dass auch die Bierproduzenten ihre Darlehen inzwischen weitgehend nach den gleichen Kriterien vergeben wie Banken – wenn überhaupt. „Wir versuchen lieber, unseren Kunden beim Bankgespräch zu helfen, als selbst Darlehen zu geben“, sagt beispielsweise der Chef der Meckatzer Brauerei, Michael Weiß.
Das Wort „Mezzanine-Kapital“ macht in den letzten Jahren die Runde. Doch hinter dem geheimnisvollen Begriff verbirgt sich gar nichts Neues. „Der Begriff wird seit etwa zwei Jahren verwendet. Er bezeichnet aber nichts anderes als das, was wir schon seit 1971 machen“, sagt Guy Selbherr, Geschäftsführer der MBG (Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden- Württemberg mbH).
Die in Stuttgart ansässige Beteiligungsgesellschaft bietet Unternehmern in Baden-Württemberg Beteiligungskapital an, mit dessen Hilfe die Eigenkapitalstruktur der Unternehmen gestärkt und Erfolg versprechende Existenzgründungen oder Innovationen ermöglicht werden sollen.
Dabei gibt es klare Vorteile gegenüber der normalen Finanzierung. Anders als bei staatlich geförderten Darlehen kann die Beteiligung direkt bei der MBG beantragt werden, ohne die Hausbank einschalten zu müssen. Die Gelder zählen bilanzrechtlich und im Sinne eines Ratings gemäß Basel II nicht als Fremdkapital. Die Beteilungsgesellschaft mischt sich nicht in betriebliche Entscheidungen ein.
Selbstverständlich werden die unternehmerischen Vorhaben nach ihren Erfolgsaussichten geprüft, und ganz ohne Eigenkapital geht auch hier nichts. Ein Nachteil sind die Zinskonditionen, die meist höher liegen als Darlehenszinsen. Bei der MBG in Baden-Württemberg liegen sie bei 7 bis 8 Prozent zuzüglich Erfolgsbeteiligung. Die Laufzeit beträgt in der Regel zehn Jahre, danach muss das Kapital in einer Summe zurückbezahlt werden. Hier gilt es, langfristig vorzubauen.
Die MBG in Stuttgart bietet ihre Unterstützung ausdrücklich auch Unternehmen im Gastgewerbe an. „Bei der MBG ist der DEHOGA Mitgesellschafter. Die Förderung von Unternehmern der Hotellerie und Gastronomie ist sozusagen direkter Auftrag unserer Gesellschaft“, führt Guy Selbherr aus. Es lohnt sich also unbedingt, die entsprechenden Möglichkeiten vor Ort auszuloten. Doch die meisten wissen nichts davon. „Bisher haben wir sehr wenige Anfragen aus dem Bereich Gastronomie und Hotellerie, was ich persönlich bedaure“, sagt Manfred Thivessen, Prokurist der Kapitalbeteiligungsgesellschaft NRW in Neuss.
Leider sind die Vorgehensweisen in den einzelnen Bundesländern ganz unterschiedlich, denn – mit Ausnahme von Bremen – hat jedes Bundesland eine eigene Landesbeteiligungsgesellschaft und eigene Vorgaben. „Engagements für Hotellerie und Gastronomie sind bei uns nicht vorgesehen“, sagt Helge Hase von dem in Frankfurt ansässigen Institut MBG Hessen und fährt fort: „Nach der Neuausrichtung in den Achtzigern zielt die MBG auf Beteiligungen in den Gebieten Produktion, Technologien und Innovationsförderung.“ Also ist es mitunter eine Standortfrage, ob eine solche Unterstützung in Kauf genommen werden kann oder nicht.
Handwerker als Geldgeber
Findige Unternehmer können allerdings noch andere Wege beschreiten, um das Eigenkapital des Unternehmens aufzustocken, von denen ich eine hervorheben möchte. Ein von mir beraterisch betreuter Unternehmer in der Lüneburger Heide hat beim Bau seines Hotels seine Eigenkapitaldecke durch eine raffinierte Idee gestärkt: Er gründete eine Kommanditgesellschaft, deren Komplementär er selbst darstellt. Die Kommanditisten bilden alle am Bau beteiligten Firmen.
Denn vom Maurer bis hin zum Maler bekam den Auftrag nur, wer sich bereit erklärte, 15 Prozent des Rechnungsbetrages als Kommanditeinlage zu erbringen.
Natürlich lieben die Baufirmen dieses Vorgehen nicht unbedingt, aber in Zeiten schwieriger Auftragslagen in der Baubranche kann das auch andernorts durchaus funktionieren.
Helmut Kammerer
