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Auch für Hoteliers interessant: Picknicks

Hotellerie

Ganz in Weiß

26. September 2009
von Matthias Schäfer

BERLIN. Weiße Picknickdecken auf der Straße, darauf eine Flasche Rotwein, Baguette und ein paar Käsewürfel. Im Hintergrund schallt gerade eine Ballade von Elton John über die Absperrung. So haben in diesem Jahr mehrere Besucher das sommerliche Open-air-Konzert auf dem Bowling Green vor dem Kurhaus in Wiesbaden erlebt, die keine Eintrittskarte mehr bekommen hatten.

Stattdessen haben sie Klappstühle und ein paar Pappbecher sowie in Schüsseln abgefüllten Kartoffelsalat mitgebracht. Ein paar Meter weiter geht es besonders stilvoll zu. Hier ziert ein Kerzenleuchter sowie mehrere Champagnerflaschen die weiß gedeckte Tafel. Weitgehend weiß gekleidet waren zudem alle daran Beteiligten. Einige Damen trugen sogar weiße Hüte und genossen auf der Wilhelmstraße bei Lachshäppchen und Sekt das abendliche Popkonzert.

Was in der hessischen Landeshauptstadt die spontane Idee einiger weniger war, wird in einigen Hotels immer häufiger als spezielles Highlight für die Gäste angeboten. Dazu zählen der Brandenburger Hof in Berlin, das Hotel Maritim in München und Köln sowie das Hotel Dollenberg im Schwarzwald. Dort wird das Picknick beispielsweise mit einer zweistündigen Wanderung verbunden. "Wenn das Wetter stimmt, veranstalten wir die so genannte ,Tischlein-deck-dich-Wanderung$1, sagt Direktor Meinhard Schmiederer vom Hotel Dollenberg. "Unsere Hotelgäste laufen an diesem Tag auf eine Höhe von 1.000 Metern, wo sie ein Picknick mit einem herrlichen Ausblick auf den Schwarzwald erwartet."

Und zwar nicht irgendein Picknick: Schmiederer und seine Mitarbeiter lassen gleich ein ganzes Restaurant auf den Berg hinauf schaffen. Mit allem, was für ein Vier-Gänge-Menü dazu gehört - Tische, Stühle, Sonnenschirme, inklusive weißer Tischdecken und Servietten, um den nötigen würdigen Rahmen für das Event unter freiem Himmel zu schaffen. Das Hotel Dollenberg bietet dieses Event jedes Jahr ab Frühjahr einmal pro Woche an - manchmal sogar im Winter - vorausgesetzt, die Wege sind passierbar und nicht zugeschneit.

Der Trend zum Picknick wird immer beliebter. Auch bei klassischen Open-air-Konzerten wie beispielsweise beim jährlichen Abschlusskonzert der Berliner Philharmoniker in der Berliner Waldbühne sind zahlreiche Menschen mit Picknickkörben zu sehen. "Wir haben zu diesem Ereignis ein spezielles Picknick-Set im Angebot", sagt Direktionsassistent Sebastian Bauer vom Brandenburger Hof in Berlin. Diese Picknickkörbe werden jährlich neu vom Küchenchef des Hauses in vier verschiedenen Varianten konzipiert, darunter auch für Vegetarier oder Veganer. Rund 100 Picknickkörbe verkauft das Hotel pro Jahr.

Ausgefallenes ist gefragt

Neben einigen Hotels in Deutschland bieten inzwischen auch einige Catering-Unternehmen diesen Service an. "Es reicht eben nicht mehr, nur Bratwürste mit Brötchen an einem Stand anzubieten. Die Leute wünschen sich ausgefallene Dinge wie ein Picknick unter freiem Himmel", berichtet die Sprecherin der Leading Event Caterer Association (Leca), Uta Goretzky. Schon seit einiger Zeit verzeichnet der Caterer-Verband eine steigende Nachfrage nach Veranstaltungen im Freien. "Immer häufiger hören wir von unseren Mitgliedern, dass Kunden bei Hotels anfragen, ob diese auch Außenanlagen wie beispielsweise eine Wiese haben, um dort während ihrer Veranstaltung auch ein Picknick veranstalten zu können", sagt Uta Goretzky.

Das Schleswig-Holstein-Musikfestival hat das Picknick schon länger in sein Programm integriert. Während der "Musikfeste auf dem Lande" können die Gäste in den Pausen picknicken. Diese Konzerte finden beispielsweise in Ställen und Scheunen statt. Das Picknick-Areal zieht sich über die gesamte Wiese um die Gebäude herum. "Auf diese Art und Weise konnten wir ganz neue Gruppen von Konzertbesuchern gewinnen, besonders Familien mit Kindern. Sie schätzen besonders die lockere Atmosphäre", sagt die Sprecherin des Schleswig-Holstein-Musikfestivals in Lübeck, Kristine Goddemeyer. Jeder kann sich entweder seinen Picknickkorb selbst zum Konzert mitbringen, inklusive Tische, Stühle sowie Geschirr, Gläser und weißen Decken. Es gibt aber auch die Möglichkeit, an Ort und Stelle Essen und Getränke zu kaufen.

Die Tradition zu Picknicken kommt ursprünglich aus England und ist dort schon viel länger üblich. Bei Open-air-Konzerten ist es hier seit zehn bis 15 Jahren völlig normal, sich mit Decke und Picknickkorb während der Pausen auf die Wiese in den Park zu legen. Dieses savoir vivre ist auch in Frankreich bekannt. Schließlich hat das Wort einen französischen Ursprung. Wörtlich übersetzt bedeutet es: Essen im Freien. "Und in einer globalisierten Welt ist es nicht verwunderlich, dass gewisse Entwicklungen, die den Menschen gefallen, dann irgendwann auch den Weg zu uns nach Deutschland finden", erklärt Uta Goretzky. Zudem habe in den vergangenen Jahren der Retro-Trend stark zugenommen. "Die Menschen besinnen sich auf alte Traditionen", meint Sebastian Bauer.

Daher landen in Picknickkörben nicht unbedingt nur heimische Speisen. Auch Kleinigkeiten aus Indien, Marokko oder Sushi aus Japan gehören inzwischen auf die Speisekarte. Seit diesem Jahr hat der Brandenburger Hof in Berlin einen finnischen Küchenchef. "Daher sind unsere Speisen in den Picknickkörben nun auch geprägt von der neuen nordischen Küche. Die Küche zeichnet sich durch spezielle Gewürze und Pflanzen wie die Moltebeere aus", berichtet Sebastian Bauer. "Roh gegessen hat sie einen bitter-säuerlichen Geschmack und wird von den Picknickern sehr geschätzt."

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