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Wein, Bier & Spirituosen

Gastronom trifft Spitzenwein: Martin Kucher (rechts) mit Restaurantleiterin bei „Message in a bottle“ Foto: Heinz Feller

Food & Beverage

Gut, leicht, deutsch

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2009/16 vom 18. April 2009
von Heinz Feller

DÜSSELDORF. Deutscher steht beim Verbraucher hoch im Kurs. Das berichteten bei der Fachmesse ProWein sowohl die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), als auch Monika Reule, Geschäftsführerin des Deutschen Weininstitutes (DWI) in Mainz. DWI-Angaben zufolge stammen 48,7 Prozent aller verkauften Weine von Winzern in Deutschland. Beim Weißwein liegt die Quote sogar bei 63 Prozent. Unter dem Strich sei Deutschland mit einem Verbrauch von 19,8 Mio. Hektolitern – das entspricht 24,3 Litern pro Kopf – der viertgrößte Weinmarkt der Welt. Dies sollte für den Gastwirt und den Hotelier Grund genug sein, sich verstärkt diesem Thema zu widmen. Und das war es auch: Denn nie zuvor wurden bei einer der umfassensten Präsentationen von internationalen Weinen und Spirituosen so viele weininteressierte Gastronomen gesichtet.

3180 Aussteller aus 38 Ländern aller fünf Kontinente boten den kompletten Überblick über Wein und Spirituosen. Von den klassischen Weinanbau-Nationen Europas, über die Neuen-Welt-Weine aus Übersee, bis hin zu den aufstrebenden Ländern Osteuropas, war alles was Rang und Namen hatte da. Im Fokus standen Themen wie Cool-Climate-Weine mit einem moderaten Alkoholgehalt, das 350-jährige Jubiläum der Rebsorte Silvaner und Vintage-Cocktails. Nach wie vor ungebremst war auch das Interesse an Bioweinen.

Leichte Weine mit einem Alkoholgehalt von weniger als 12 Volumenprozent erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Sie entsprechen auch dem aktuellen Trend zu einer leichteren, gesundheitsbewussten Küche. Etwa 25 dieser fruchtbetonten Weine der leichten Art konnten die Messebesucher am DWI-Stand verkosten.

Ein weiterer ProWein-Themenschwerpunkt des DWI war der Silvaner, der in diesem Jahr sein 350-jähriges Jubiläum in Deutschland feiert. Die Fachbesucher hatten die Möglichkeit, in einer verdeckten Probe aus verschiedenen Silvaner-Weinen deren Herkunft herauszufinden (die AHGZ wird in unregelmäßigen Abständen von einzelnen Länder-Verkostungen berichten).

Es scheint, als ob Weinfreunde auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht auf den Genuss eines guten Weines verzichten wollen. Vor allem die junge Generation goss im friedlichen Wettstreit „neuen Wein in neue Fässer“. „Message in a bottle“, „Nahe Talente“, „SüdpfalzConnexion“, „Junge Pfalz“ und „Junges Schwaben“ nennen sich die Youngster, die auf der ProWein für frischen Wind sorgten. Mit dieser neuen Generation, zu der beispielsweise die ProWein-Aussteller Markus Schneider („Junge Wilde“) und Philipp Kuhn („Junge Pfalz“), Daniel Wagner, Jochen Dreißigacker, Klaus-Peter Keller und Philipp Wittmann („Message in a bottle“), Heiko Bamberger und Frank Schönleber (Nahe Talente), Klaus Scheu und Volker Gies (Südpfalz Connexion) oder Sven Ellwanger („Junges Schwaben“) gehören, war die junge deutsche Winzerschaft auf der ProWein 2009 sehr gut aufgestellt, um sich vor allem ihren Platz neben den renommierten VDP-Gütern zu sichern. Diese wiederum werden erst zur Mainzer Weinbörse ihre gesamte Riesling-Kollektion vorstellen (die AHGZ wird darüber berichten). Und auch Spitzenwinzer außerhalb des Elitezirkels sind mit ihren neuen Gewächsen, ab Spätlese aufwärts, noch etwas zurückhaltend.

Riesling sei kein neuer Trend mehr, meint dazu Stéphane Gass, Chefsommelier in der Schwarzwaldstube in Tonbach, den wir beim Sauvignon Blanc am Stand von Manfred Tement trafen. „Riesling ist mittlerweile ein längst etablierter Spitzenwein in der Gastronomie und auch der Sauvignon Blanc, in Qualitäten wie aus der Steiermark, wird bei unseren Gästen immer beliebter.“ Die vielen Gastronomen, Sommeliers und Restaurantfachleute auf der ProWein 2009 waren nicht zu übersehen. Gastronomen wie Wolfgang Dubs (Rôtisserie Dubs, Rheindürkheim), Dieter Kettermann (Hotel Bären, Bernkastel-Kues), Martin Scharff (Wartenberger Mühle) oder Martin Kucher (Kuchers Landhotel, Darscheid), die wir auf der Messe trafen, nutzten die ProWein, um ihre Weinkarte „auf Schwächen hin abzuklopfen und gegebenenfalls zu modifizieren“. Martin Kucher sahen wir bei Jochen Dreissigacker („Message in a bottle“). Wir wollten von ihm wissen: Warum besucht ein Gastronom mit der umfangreichsten rheinland-pfälzischen Weinkarte (1400 Positionen) die Prowein? Kuchers Antwort: „Es ist für jeden in der Gastronomie einfach Pflicht, sich um den Wein zu kümmern, und sei es, sich nur über den aktuellen Jahrgang zu informieren. Das Essen allein reicht heute nicht mehr aus, um sich zu profilieren.“

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