Interview: Sabine Preis
Gutes tun und darüber reden
Bio, Nachhaltigkeit, Umweltschutz: Immer häufiger begegnet man in diesem Umfeld dem Begriff Corporate Social Responsibility (CSR). Was bedeutet das überhaupt?
Preis:Corporate Social Responsibility bedeutet, dass ein Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung übernimmt. Das heißt, dass Unternehmen sozial und ökologisch verantwortungsvoll gegenüber der Gesellschaft handeln und nicht nur in ihrem eigenen Interesse.
Wie kann diese Gesellschaftsverantwortung im Hotel aussehen?
Preis:CSR im Hotel ist in den verschiedensten Bereichen zu finden. Zum Beispiel: Wie behandelt das Hotel seine Gäste und Lieferanten? Sind die Werbepraktiken fair? Stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis? Eine große Rolle spielt auch das Verhalten gegenüber den Mitarbeiter: Schafft das Hotel Arbeitsplätze für die Region? Fördert es die Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Werden die Arbeitszeitbestimmungen eingehalten? Zudem interessiert es das Umfeld auch, wie viel Müll das Hotel produziert und ob es erneuerbare Energien einsetzt und Ressourcen schont.
In Ihrer empirischen Studie haben Sie untersucht, welche Rolle CSR für die deutsche Hotellerie spielt. Was haben Sie herausgefunden?
Preis:Meine Untersuchung zeigt, dass gesellschaftlich verantwortliches Handeln in der deutschen Hotellerie schon weit verbreitet ist. Das zeigt sich vor allem daran, wie veranwortungsvoll Hotels mit ihren Gästen und Mitarbeitern umgehen. Daraus kann man schließen, dass sich die Erkenntnis „Mitarbeiterzufriedenheit gleich Gästezufriedenheit“ durchgesetzt hat. Ähnlich ist es auch im Personalbereich, wo Hotels bei meiner Untersuchung häufig Maßnahmen zur Aus- und Weiterbildung nannten. Dicht gefolgt von Maßnahmen bei der Chancengleichheit und Frauenförderung. Auffallend ist auch, dass sich Hotels stark für Kunst und Kultur sowie Umwelt und Nachhaltigkeit engagieren. Der Hintergrund ist die Nähe zum Tourismus: Hoteliers investieren so in die Attraktivität des eigenen Standortes. Allerdings setzten sie in erster Linie auf Sponsoring und Spenden, die punktuell eingesetzt werden und nicht viel Zeit erfordern.
Wie professionell gehen Hotels heutzutage an das Thema heran?
Preis:Aus meiner Forschung geht hervor, dass es grundsätzlich an einer professionellen strategischen Ausübung von CSR fehlt. 4- und 5-Sterne-Häuser sind da eher noch die Vorreiter. Fast Dreiviertel der Befragten verneinen, eine organisatorische Zuordnung für CSR zu haben. Auffällig war, dass die Hotels durch ihr vordergründig menschenfreundliches Engagement das Erfolgspotenzial von CSR für ihren Hotelbetrieb verschenken. Gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen bedeutet nicht, dass der „Wohltäter“ keinen Nutzen daraus ziehen darf.
Das Hotel ist ein komplexes System. Wie lässt sich strategisches CSR am besten in den Betrieb einführen?
Preis:Ein allgemein gültiges Rezept dafür gibt es nicht, weil CSR für jedes Hotel individuell entwickelt werden muss. Zunächst sollte der Hotelier das Unternehmen und sein Umfeld analysieren. Darauf aufbauend müssen die CSR-Ziele festgelegt und in die Unternehmensziele eingegliedert werden. Dann entscheidet die Geschäftsführung, wo die Schwerpunkte liegen, wie die einzelnen CSR-Maßnahmen auf das Kerngeschäft ausgerichtet werden und wie diese im Betrieb umzusetzen sind. Wichtig ist, das Konzept im Hotel so einzubringen, dass die gesellschaftliche Verantwortung innen und außen wahrnehmbar ist. Weiterhin muss die Strategie mit kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen verdeutlicht und die finanziellen Mittel und Ressourcen geplant werden. Die Führungskräfte müssen die Mitarbeiter unbedingt auch von Anfang an mit einbeziehen.
Was muss der Hotelier beachten, damit die Einführung von CSR gelingt?
Preis:Will ein Hotel Corporate Sociale Responsibility einführen, muss es dabei äußerst offen und glaubwürdig vorgehen. CSR ist eine Einstellungssache, die von innen heraus gewollt sein muss und nicht einfach so über den Betrieb gestülpt werden kann. Besonders die Führungskräfte sind gefordert, weil sie das Konzept verkörpern und vorleben müssen. Dabei zählt nicht nur ihr Wissen, sondern besonders auch ihre soziale Kompetenz. Auch ist es bei der Bewertung der Unternehmens- und Mitarbeiterleistung wichtig, quantitative und qualitative Erfolgskennzahlen gleichermaßen zu berücksichtigen.
Die Fragen stellte Natascha Ziltz