Anzeige

AHGZ - Das Fachportal für Hotellerie und Gastronomie

Anzeige

Betriebspraxis

Medical Spa – das ist Wachstumsmarkt pur

Aktuelle Studie geht von 4 Millionen zusätzlichen Übernachtungen für die Hotellerie aus / Klare Zielgruppenorientierung und Konzepte sind zwingend gefordert

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/16 vom 22. April 2006
von  

STUTTGART Der Kostendruck im Gesundheitswesen nimmt weiter zu – andererseits sind immer mehr Menschen willens, mehr Eigenverantwortung für nachhaltiges Wohlbefinden und ihre Gesundheit auszugeben. Rosige Zeiten also für die Anbieter von Medical-Spa-Einrichtungen?

Eine aktuelle Untersuchung der Unternehmensberatung ghh consult GmbH schätzt das zusätzliche Aufkommen für die anbietenden Betriebe auf etwa 800.000 Gäste mit 4 Mio. Übernachtungen pro Jahr. Dabei werden rund 20 Mio. präventive Behandlungen, die durch medizinische Kompetenz unterstützt werden, von privat zahlenden Gästen im Rahmen von mehrtägigen Übernachtungsaufenthalten in Anspruch genommen. Für die Anbieterbranche von Medical-Spa-Einrichtungen mit integriertem Hotel resultiert aus diesem Nachfragepotenzial eine zufrieden stellende Auslastung von rund 17.000 Hotelzimmern.

Das durch diese Aufenthalte initiierte Umsatzvolumen beläuft sich nach der Studie auf rund 1 Mrd. Euro jährlich, was einer Wertschöpfung von 400 Mio. Euro und garantierten 20.000 Vollzeitarbeitsplätzen entspricht.

Bereitschaft zur privaten

Vorsorge nimmt deutlich zu

Im Jahr 2005 wurden in den deutschen Heilbädern und Kurorten bei 300.000 präventiven ambulanten und stationären Kuren mehr als 15 Mio. Anwendungen verabreicht, die durch erhebliche Kostenbeteiligung der Patienten/Gäste finanziert wurden.

Etwa ein Drittel der durch alle Altersgruppen hindurch befragten Personen gibt an, der Vorsorge für nachhaltige Gesundheit und Wohlbefinden in den kommenden Jahren wachsende Bedeutung beizumessen und dafür auch aus eigenem Budget zu zahlen. Die Bereitschaft nimmt mit fortschreitendem Alter zu. Die Ausgaben für medizinisch nachhaltige und gleichzeitig wellnessorientierte Anwendungen sind abhängig von Alter und Einkommen und demnach einem breiten Spektrum unterworfen, wobei Durchschnittswerte zwischen 500 und 1000 Euro als realistisch gelten.

Die neben individuellen Sport- und Fitnessaktivitäten in Anspruch genommenen präventiven Maßnahmen sind breit gefächert. Sie reichen von Massagen und Bädern über Kneippanwendungen hin bis zu Yoga, traditioneller chinesischer Medizin und differenzierten Naturheilverfahren.

Die seit Jahren unter dem Begriff von Wellness verabreichten Anwendungen müssen im Sinne von Medical Spa ganz neuen Anforderungen gerecht werden. Für zwei Drittel der Befragten kommt der medizinischen Kompetenz bei der Beratung und bei der Auswahl der Anwendungen in Zukunft hohe Bedeutung zu.

Die Anbieterbranche hat bisher nur zögerlich auf diesen neuen Nachfragetrend reagiert. Die Zahl der Betriebe, die ihr mit komfortabler Hotelunterbringung und ärztlich-medizinischer Kompetenz kombiniertes Medical- Spa-Angebot offerieren, ist auf dem deutschen Markt noch recht überschaubar.

Derzeit wird die Ausrichtung auf ein ausgewogenes Medical-Spa-Konzept von unterschiedlichen Einrichtungen noch sehr differenziert umgesetzt: Reha-Kliniken rüsten einen Teil ihrer nicht mehr belegbaren Zimmer zu Hotelsuiten um, Hotels erweitern ihr bestehendes Wellnessangebot durch eine enge Zusammenarbeit mit medizinischen Einrichtungen, traditionelle Kurorte bezeichnen klassische Kurleistungen als Medical Wellness, um neue Zielgruppen zu gewinnen. Um sich aber auf diesem neuen Medical- Spa-Markt jedoch erfolgreich etablieren zu können, bedarf es einer klaren Zielgruppenorientierung und nachfrageorientierter Konzepte. Im Vordergrund steht dabei die harmonische Verbindung eines komfortablen Hotelumfeldes mit der Professionalität ärztlich-medizinischer Kompetenz. Dies beginnt mit der Standortauswahl vorzugsweise in Destinationen mit hohem Tourismus- und Imagewert. Eine räumlich unmittelbare Verbindung zwischen Hotel, gastorientiertem Behandlungsbereich und Kurkliniktrakt bildet die Grundlage des Medical-Spa-Konzeptes. Ein auf die Bedürfnisse des Hotelgastes ausgerichteter Wellnessbereich mit Pool, Saunen und Fitnessangeboten ergänzt den stärker medizinisch ausgerichteten Behandlungsbereich.

Das gastronomische Konzept muss die Philosophie von Medical Spa widerspiegeln und sich entsprechend auf gesunde, vitaminreiche Produkte konzentrieren. Neben großzügigen öffentlichen Bereichen, sind Veranstaltungsräume für Vorträge, Seminare und Kolloquien, aber auch für Tagungen und Konferenzen vorzusehen. Räumlich angeschlossene Kurkliniken oder medizinische Kompetenzzentren müssen in ihrer Ausstattung dem des Hotels entsprechen.

Bei klarer Zielgruppenausrichtung

stellt sich bald Rentabilität ein

Eine im Rahmen der ghh consult-Studie vorgenommenen modellhafte Wirtschaftlichkeitsberechnung für ein nachfrageorientiertes Medical-Spa-Konzept bescheinigt dem neuen Produkt gute Chancen. Vor dem Hintergrund der als realistisch eingeschätzten Erlöse und Auslastungsquoten und der gegenüberstehenden Kosten ist davon auszugehen, dass bei Berücksichtigung der individuellen Standort- und Nachfragebedingungen eine zufrieden stellende Rentabilität zu erwarten ist.

Wie in anderen Wirtschaftsbereichen wird auch im Übergang von Wellness zu Medical Spa deutlich werden, dass Betriebe mit klarer Zielgruppenausrichtung und klaren Angebotskonzepten erfolgreicher arbeiten als Hotels mit undifferenziertem Angebotspektrum. Dafür sind gravierende Marktveränderungen auf der Angebots- und der Nachfrageseite verantwortlich. Die steigenden Erwartungen an spürbare Effekte und nachhaltige Wirkungen bei Anwendungen und Behandlungen unter dem Begriff Medical Spa werden im Anbieterbereich zu differenzierten, in stärkerem Umfang medizinisch gestützten Angebotsprodukten führen. Das bedeutet:

Die Zahl der Hotels, die ihr Angebot im Wellnessbereich stärker auf Medical Spa ausrichten wird steigen.

Neue Konzepte in Kombination mit bestehenden Kurkliniken werden realisiert.

Die Angebotsexpansion konzentriert sich auf die Verknüpfung von Klinikbereichen mit Hotels mittlerer Größe (50-75 Zimmer/Betrieb).

Der Qualitätsstandard konzentriert sich im Bereich Mittelklasse- und First Class.

Die veränderte Angebotsausrichtung führt vor allem in den Kurorten mit Medical Spa-Hotels zu steigender Nachfrage vor allem aus dem Ausland.

Bestehende Kurkliniken, die ihr Angebot verändern, können durch ansteigende Belegungswerten und verbesserter Auslastung profitieren.

Die Nachfragezuwächse führen zu Umsatzzuwächsen und verbesserten Renditen.

Weniger professionell geführte Betriebe mit reinem Wellnessangebot verlieren an Marktbedeutung.

Die Konzentration auf einzelne Marktsegmente im Bereich Medical Spa nimmt zu.

Spezielle Medical Spa-Angebote mit hoher Professionalität werden verstärkt nachgefragt.

Deutliche Unterschiede

innerhalb der Nachfragemärkte

Insgesamt kann in Deutschland in den kommenden Jahren in den Bereichen Gesundheit und Medical Spa von deutlichen Nachfragezuwächsen ausgegangen werden, wobei sich innerhalb der unterschiedlichen Nachfragemärkte für die Medical Spa-Hotellerie deutliche Unterschiede ergeben.

Im Inland wird die Bedeutung von Medical Spa weiter zunehmen:

Das Bewusstsein für Eigenverantwortung steigt.

Prävention im Gesundheitsbereich gewinnt an Bedeutung.

Die Zahl der Gäste, die ihren Urlaub in Deutschland verbringen und dabei Medical-Spa-Angebote nutzen, nimmt zu.

Kurzaufenthalte und Zweiturlaube mit Medical Spa gewinnen an Bedeutung.

Ausländer buchen in zunehmendem Umfang Medical Spa Angebote in Deutschland:

Deutschland genießt international im Gesundheitsbereich hohes Ansehen.

Neue Nachfragemärkte entstehen in Osteuropa.

Interessierte können die Studie unter der Mail-Adresse ghh@ghh-consult.de bestellen.

Kommentieren Drucken
Auch interessant

Berufsschule mit besten internationalen Kontakten

GRAFENAU Als eine von wenigen Berufsschulen in Bayern unterhält die Gastronomieabteilung der Berufsschule Grafenau Partnerschaften mit Schulen in Osteuropa bei der wirklich junge Leute in der Ausbildung und Freizeit zusammengeführt werden. mehr...

Weitere Artikel aus Management und Praxis vom 22.04.2006 :

Aus- und Weiterbildung: Berufsschule mit besten internationalen Kontakten (22.04.2006)
Betriebspraxis: Ohne Fahrtenbuch wird „1 Prozent“ fällig (22.04.2006)
Steuer & Recht: Auch über Trinkgelder besser Buch führen (22.04.2006)
Steuer & Recht: Pauschalierung bei Einmalbezügen (22.04.2006)
Steuer & Recht: Birne beschäftigt Richter (22.04.2006)
Betriebspraxis: „Die Investitionen sind überschaubar“ (22.04.2006)
Aus- und Weiterbildung: Fischgerichte werden immer beliebter (22.04.2006)
Steuer & Recht: Entgeltumwandlung bei Minijobs (22.04.2006)
Steuer & Recht: Steuer notiert (22.04.2006)
Betriebspraxis: Storno-Versicherung für ausländische Gäste (22.04.2006)

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel