Management
Mit gutem Gewissen speisen und logieren
Der Feldberger Hof im Schwarzwald ist das erste klimaneutrale Hotel in Deutschland / Prämiertes Energiekonzept ist gut für Umwelt, Image und Kasse
FELDBERG. Wer bislang glaubte, dass Skitourismus und Klimaschutz eigentlich nicht so recht zusammenpassen, der irrt. Das zumindest ist das die Ansicht von Thomas Banhardt, dem Inhaber des Feldberger Hofs im Schwarzwald. Kein Wunder: Banhardts 4-Sterne-Familienhotel liegt mitten im Skigebiet, 200 Meter unterhalb des höchsten Schwarzwaldgipfels. Und sein Haus gilt als das „erste klimaneutrale Hotel“ in Deutschland.
Holzschnitzel statt Heizöl
Banhardt lebt vom Skitourismus im Winter. Und vom sanften Schwarzwaldtourismus im Sommer. Der Hotelier sitzt in der rustikal aufgemachten „Badener Stube“ seines Hotels und spricht über Klimaschutz. „Wir liegen auf 1300 Meter Höhe und müssen deshalb zehn Monate im Jahr heizen. Dafür wurden früher rund 300.000 Liter Heizöl verbraucht. Jetzt heizen wir kosten- und klimaschonend mit Holzschnitzeln“, erläutert der 50-Jährige. „In unserer exponierten Lage am Feldberg ist es fast ein Muss, Vorreiter zu sein in puncto Klima,“ sagt Inhaber Banhardt. „Wir leben ja vom Wetter.“ Und deshalb habe man eigens eine Klimaschutzagentur beauftragt, den CO2-Ausstoß des Hotels zu berechnen. Durch Modernisierungs- und Einsparmaßnahmen bläst das 520-Betten-Haus jetzt gut 600 Tonnen CO2 weniger in die Luft. Statt Ölheizung gibt es nun ein Blockheizkraftwerk, das mit Hackschnitzeln befeuert wird – im Winter pro Monat eine Menge, die auf sechs Sattelzüge passt, im Sommer halb soviel.
Doch ganz ohne Kohlendioxid-Ausstoß kommt das Haus nicht aus: Die Restmenge wird daher durch den Ankauf von Emissionszertifikaten ausgeglichen. Seit dieser Skisaison können die Hotelgäste zudem „klimaneutral liften“. Um das schlechte Umweltgewissen zu beruhigen, braucht es nur wenig: Wer seine Liftkarte an der Rezeption abgibt, kann gewiss sein, dass dafür ein anteiliger Geldbetrag an ein Klimaschutzprojekt überwiesen wird. „Es geht um die komplette Energie, die verbraucht wird“, betont Banhardt. „Heizung, Strom, Wasser, das ganze Personal, der Benzinverbrauch der Lieferanten. Da ist alles enthalten, nur eines nicht: die Anfahrt unserer Gäste.“
Pragmatismus statt Ideologie
Die jedoch macht in puncto CO2-Ausstoß einen größeren Batzen aus: An Wochenenden in der Wintersaison tummeln sich bis zu 13.000 Menschen auf den Skipisten und den Loipen rund um den Feldberg. Doch für Banhardt ist das kein Widerspruch: Zwar reise auch die Mehrzahl seiner Gäste mit dem Auto an, weil das für Familien mit Kindern oft nicht anders möglich sei. „Aber hier vor Ort können sie kostenlos den öffentlichen Nahverkehr nutzen.“
Außerdem stehe man in direkter Konkurrenz zu den Flugdestinationen. Und wer in den Schwarzwald reise, steige ja immerhin nicht ins Flugzeug. Den Umweltschutz sieht Banhardt eher von der pragmatischen Seite: „Wir können die Umwelt nicht retten, indem wir alles abschaffen. Wir können aber die Techniken verbessern. Wir wollen zeigen: Man kann was bewegen, und man muss dabei noch nicht einmal draufzahlen.“
Energiekosten als Anstoß
Die Kostenseite sei sogar der eigentliche Ursprung gewesen, gibt Banhardt offen zu. „Die Anlagen waren völlig überaltert, da musste man was machen.“ Dank neuer Heizungsanlage, einer neuen Hausleittechnik und Energiesparlampen, habe man die Energiekosten um 70 Prozent reduziert. Damit will der Hotelier jetzt offensiver werben – nicht nur bei den Gästen, sondern auch bei Kollegen. „Gerade für die Hotellerie stehen die Zahlen natürlich im Vordergrund. Wir haben reelle Zahlen, anhand derer man sehen kann, dass sich Klimaschutz auch wirtschaftlich rentiert.“
Und falls der Schnee im Schwarzwald künftig ausbleibt, hat Banhardt auch schon vorgesorgt: „Der Feldberger Hof hat sich als Familienhotel spezialisiert mit einer Auslastung von 80 Prozent, weil die Gäste nicht nur im Winter kommen.“ Kürzlich wurde ein Reitstall gebaut. Und zum Thema Klimaschutz soll es konkrete Angebote für die Gäste geben. Patrick Kunkel
