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Die Autorin ist Inhaberin der Rizzato Spa-Consulting in Tettnang und Mitglied im Verband internationaler Fachplaner FCSI

Sales & Marketing

Mit Wellness Geld verdienen

Erfolg wird sich nur einstellen, wenn das Wohlfühl-Segment als eigener Betriebszweig im Hotel geführt wird / Von Dagmar Rizzato

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/47 vom 25. November 2006

STUTTGART. Ist es nur ein vorübergehender Trend oder muss ich da mitmachen? Die Frage ist durch die jüngsten Marktzahlen beantwortet (AHGZ vom 28. Oktober). Wellness ist ein Muss geworden. Wenn schon Wellness, dann richtig – und als Profitcenter.

Der Gast weiß zunehmend, was er im Hotel, Day-Spa oder Medical-Wellness-Bereich erwarten kann. Nach dem zweiten Besuch ist er in der Lage zu vergleichen und wird beurteilen. Dabei geht es nicht um Raumgrößen, die Anzahl von Behandlungskabinen oder die Bereitstellung eines Bademantels. Gefordert sind Raumqualität, Dienstleistung und Servicefaktoren, um dem Gast ein ganzheitliches Wellness-Erlebnis zu ermöglichen.

Stimmiges Betriebskonzept

Hinzu kommt aktuell der Trend zur Individualisierung, der das persönliche Gastbedürfnis noch weiter in den Vordergrund stellt. Vor diesem Anforderungskatalog und durch die Dichte der Wellness-Angebote wird die Professionalisierung von Wellness-Anlagen immer notwendiger.

Entscheidend für den Erfolg ist die Qualität der Umsetzung. Damit bekommen Faktoren wie die Konzeption von Angeboten, die Erlebnisfaktoren, die Gastorientierung sowie die Servicequalität eine deutlich höhere Priorität. Diese Punkte müssen vor einer architektonischen Planung geklärt sein. Denn sie bilden das Betriebskonzept, das nicht nur das Briefing für Planung und Design darstellt, sondern Grundlage jedes unternehmerischen Handelns für den neuen Betrieb beziehungsweise Betriebsbereich ist.

Wurde noch vor kurzem von einem Besuch des Gastes in der Wellness-Anlage gesprochen, ist heute von einer Wellnesskultur, einem -erlebnis oder Wellness-Aufenthalt die Rede. Der Gast, der eine Anlage vier bis sechs Stunden am Tag genießen möchte, „lebt“ in diesen Räumen. Damit sind automatisch andere Anforderungen an die einzelnen Bereiche, Wegeführungen und unterschiedliche Qualitäten von Ruhe- und Aufenthaltsräumen zu berücksichtigen.

Das Augenmerk muss sehr genau auf die Kapazitätsberechnung vor der Planung gerichtet werden. Auslastung und Nachfrage in den Wellness-Hotels zeigen, dass es einen enormen Anstieg der Dienstleistungsnachfragen gibt. Das führt in den meisten Hotels in den Spitzenzeiten – wie etwa einem verlängerten Wochenende – grundsätzlich zu Kapazitätsengpässen. Bis zu drei Behandlungen pro Wochenende, Aufenthalt und Gast haben gute Wellness-Anbieter heute schon zu ermöglichen. Zu wenig Behandlungskapazität bedeutet nicht nur Beschwerden, sondern auch fehlende Weiterempfehlungen und weniger Stammgäste.

Inhaltliche Ausrichtung, thematische Schwerpunkte und Stil einer Anlage sind durchgehend und harmonisch zu gestalten. Auch sollten unter dem Aspekt der Wohlfühlatmosphäre ganz besondere Farb-, Material- und Lichtkriterien erfüllt werden.

Was zu 80 Prozent in den Planungen nicht berücksichtigt wird, ja meist nicht einmal bekannt ist: Mit der Planung der Räume, in Anzahl, Ausrichtung und Kombinationsfähigkeit wird die Basis für die Umsatz- und Renditestruktur der gesamten Anlage in wesentlichen Teilen festgelegt. Um dem Gasterlebnis und der Wirtschaftlichkeit gerecht zu werden, müssen die heute entstehenden Wellness-Räumlichkeiten möglichst multifunktional konzipiert sein. Gleichzeitig müssen sie jedoch eine besondere Atmosphäre haben und sowohl auf die funktionellen als auch thematischen Inhalte und Abläufe ausgerichtet sein. Ziel ist es, Räumlichkeiten zu schaffen, die für mehrere Schwerpunktthemen ausgestattet sind.

Besonders vorteilhaft: Wenn diese Zimmer auch Behandlungs- und Arrangementgestaltungen unter rationellem Personalkostenansatz zulassen, ohne dass die Qualität dabei leidet. Gerade bei Partnerräumen und Spa-Suiten ist das sehr gut möglich. Wer im Wellnessgeschäft weiterhin oder überhaupt Erfolg haben will, der wird sich für einen weiteren Betriebszweig im Hotel entscheiden. Dieser muss dem Gast ein ganzheitliches Erlebnis mit „Mehrwert“ ermöglichen. Entscheidend ist die Qualität der Umsetzung. Damit bekommen Faktoren wie die Konzeption von Angeboten, die Erlebnisfaktoren, Werte-Kultur und das operative Management künftig noch eine deutlich höhere Priorität als heute schon.

Bereits heute ist es nicht ausreichend „einen Wellnessbereich zu bauen“. Es gilt, diese Abteilung genauso mit einem Betriebskonzept zu versehen wie den F&B-Bereich. Der wesentliche Grundsatz für Wellness lautet schlicht und einfach: Eine zweite Chance für den ersten Eindruck gibt es nicht.

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