Management und Praxis
Schöne Töne steigern den Umsatz
Akustische Verführer: Mit professioneller Hintergrundmusik bieten Gastronomen und Hoteliers ihren Gästen eine perfekte Atmosphäre
von Peter Wiehl
STUTTGART. Musik fängt dort an, wo die Sprache aufhört: Die Bedeutung eines professionellen akustischen Ambientes in Freizeitparks, Kaufhäusern und Einkaufszentren, aber auch in Restaurants, Bars und Hotels, ist in zahlreichen nationalen und internationalen Studien belegt. Hoteliers und Gastronomen, die die Hintergrundmusik als Nebensache betrachten und in die Hände von Mitarbeitern legen, sparen am falschen Ende.
Die Probleme sind bei den professionellen Musikanbietern allgemein bekannt: Angestellte, die zwischendurch CDs wechseln, MP3-Titel mit wechselnder Qualität und Lautstärke, im schlimmsten Fall nicht legal erworbene Musik. Doch selbst wenn hinter der Bar echte Musikenthusiasten arbeiten, werden die Gäste im besten Fall mit dem persönlichen Musikgeschmack des Mitarbeiters bekannt gemacht.
Musikpakete müssen passen
„Die Lieblingsmusik des Mitarbeiters ist nicht das Gleiche wie die richtige Musik für die Gäste. Häufig ist das Gegenteil der Fall. Sie kennen ja den Spruch: Der Wurm muss dem Fisch schmecken – nicht dem Angler“, erläutert Rana Baum, Geschäftsführerin der Baum Media GmbH aus Riegelsberg. Darunter leide nicht zuletzt auch der Service.
Hier setzen die Profis an. Eine Analyse der Gästezusammensetzung muss am Anfang stehen. Der Gastronom muss seine Gäste kennen. „Der nächste Schritt sind ausführliche Beratungsgespräche“, sagt Baum. Die richtige Musikauswahl für die Zielgruppe ist das A und O. Szene-Bars und Hotellounge sprechen unterschiedliche Gäste an, und auch von Hotel zu Hotel und von Restaurant zu Restaurant sind die Unterschiede riesengroß. Die Gäste in der ländlichen Tourismusregion sind andere als die in der Großstadt. In Zusammenarbeit mit dem Kunden werden dann die passenden Musikpakete erstellt.
Aber auch für das eigene Haus gilt: Gäste sind nicht gleich Gäste – über den Tag wechselt die Zielgruppe. Morgens zum Frühstück oder Brunch ist ein anderes Musikprogramm erforderlich als Nachmittags zu Kaffee und Kuchen oder abends beim Barbetrieb. Dirk Leifert von der Hamburger Accenta Music, die sich auf Gema-freie Musik spezialisiert hat, betont: „Die Auswahl der Musik muss über den ganzen Tag flexibel sein. Deshalb erstellen wir mit unseren Kunden differenzierte Beschallungspläne, die auf die jeweilige Gästezusammensetzung abgestimmt sind.“
Die technischen Lösungen sind vielfältig: Accenta hat sich auf Offline-Lösungen spezialisiert, etwa mit dem Abspielgerät MyMusic Organizer, das mit 1000 Gema-freien Titeln ausgeliefert wird. Der Player ist leicht zu bedienen und kann einfach auf verschiedene Zielgruppen zu unterschiedlichen Tageszeiten programmiert werden. Die Saarländer Baum Media bietet sowohl Online-Angebote als auch Abspielgeräte für den Stand-alone-Betrieb zur Miete oder zum Kauf.
Ganz auf Musik über das Internet hat sich die Bremer EBH Radiosoftware spezialisiert. Sie bietet via Online-Stream über 500 fertige Musikkanäle, die pro Kanal rund 1000 Titel beinhalten. Diese sind speziell auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Hoteliers und Gastronomen ausgerichtet. „Die Titel, die wir Kunden zur Verfügung stellen, sind ausgesucht und auf den jeweiligen Kanal abgestimmt“, erklärt Frank Harreß, Geschäftsführer der Bremer Akustikprofis.
Zum Angebot gehört neben den verschiedenen Kanälen, die monatlich abonniert werden können, auch das passende Abspielgerät. Die Settop-Box ist ein einfach zu bedienender Audioplayer, der nur mit dem Internet verbunden werden muss, um die bestellten Channel abzuspielen. Für Hoteliers besonders interessant ist die Möglichkeit, jedes Zimmer mit einer eigenen Settop-Box auszustatten, um den Gästen aus über 60 Kanälen Musik anzubieten, inklusive eines Kanals, der internationale Titel sechs Wochen vor ihrer Veröffentlichung präsentiert.
Licht folgt der Musik
Für Dezember dieses Jahres plant EBH Radiosoftware die Vorstellung eines Prototypen für ein integriertes Musik- und Beleuchtungssystem, das zielgenau auf die Multifunktionsräume in Hotels ausgerichtet ist. „Es geht um ein Konzept, bei dem das Licht der Musik folgt. Dabei geht es nicht schlicht darum, je nach Stimmung den Raum heller oder dunkler zu halten. Moderne LED-Beleuchtungssysteme werden von der Musiksoftware angesteuert, um über verschiedene Lichtintensitäten das Ambiente zu optimieren“, so Harreß.
Auch hier wird der Schwerpunkt auf das variierende Gästeaufkommen gelegt. „Das System kann so programmiert werden, dass für jede Tageszeit und den entsprechenden Gästetyp das passende Akustik- und Beleuchtungsdesign ausgewählt wird“, sagt Frank Harreß.
Egal für welche Lösung sich Hoteliers oder Gastronomen entscheiden – wichtig ist die Frage nach den Gema-Gebühren. Wer in Deutschland Gema-pflichtige Musik öffentlich zugänglich macht, muss eine Lizenz der Gema erwerben und Gebühren entrichten. Deshalb ist es unerlässlich, die Gebührenpflicht schon bei der Konzeption und Planung der richtigen Beschallung mit einzubeziehen. Wer die Anmeldung bei der Gema versäumt und erwischt wird, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Peter Wiehl www.accenta-music.com
