Auszeit
Sie ist dann mal weg
Von einer Auszeit profitieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Wie sich ein Sabbatical organisieren lässt
Stuttgart. Was tun, wenn der Frust an der täglichen Arbeitsroutine wächst, und die Sehnsucht nach einem Ausstieg immer größer wird? Bei Susann Hartleib von den Ringhotels war es bis vor Kurzem so. Im aufreibenden Geschäft zwischen Teamassistenz, Reklamationsmanagement und weiteren Aufgaben, die sie bei der Hotelkooperation bereitwillig übernommen hatte, war irgendwann die Luft raus. Erholen statt kündigen
Zum Schluss drehte sie sich nur noch im Kreis – und stand eines Tages im Büro ihrer Chefin Susanne Weiss. Die hatte längst mitbekommen, dass mit ihrer Mitarbeiterin etwas nicht stimmte. Dabei war sie immer zuverlässig und engagiert, eine von jenen Mitarbeitern, die man nicht gerne verliert. Als die 36-Jährige ihrer Chefin eröffnete, dass sie ihren Job gegen eine Saisonarbeit auf einer Berghütte eintauschen wollte, reagierte Susanne Weiss schnell: Sie solle doch lieber eine längere, vorübergehende Auszeit nehmen, so ihr Vorschlag – ein sogenanntes Sabbatical. Bedingung: Es musste rechtzeitig eine eingearbeitete Vertretung zur Verfügung stehen.
Weil die Hotelbetriebswirtin schon immer Fernweh hatte, nahm sie das Angebot an. Sie entschloss sich zu einem Trip durch Australien, Thailand und Neuseeland und erfüllte sich damit einen lange gehegten Traum. Den Gehaltsausfall finanzierte sie mit Erspartem. Sozial- und Krankenversicherung ließ sie pausieren. Sie meldete ihren Wohnsitz wieder bei den Eltern, reduzierte die Ausgaben für Kfz-Versicherung und besorgte sich eine Auslandskrankenversicherung. Sabbaticals sind als Arbeitszeitmodell in Deutschland bei Weitem nicht so etabliert wie in anderen Ländern. Bei einem Sabbatical handelt es sich um eine vom Unternehmen gebilligte, zeitlich begrenzte Freistellung vom Job mit der Garantie, anschließend weiterbeschäftigt zu werden. Der Arbeitnehmer kann die Freiphasen durch vorgearbeitete Arbeitszeit oder durch Gehaltsreduktion finanziell überbrücken. Dabei hat er die Möglichkeit, auf einem Zeitkonto Überstunden, Urlaub oder auch Teile des Gehalts anzusparen, um dieses Guthaben anschließend zu einem verabredeten Zeitpunkt in einen Langzeiturlaub umzuwandeln. Im Gastgewerbe hat das Thema noch kaum Gewicht. Im Gegensatz zu anderen Branchen gibt es für das Gastgewerbe auch keine tariflichen Vereinbarungen. Auf Nachfrage der AHGZ bestätigt der DEHOGA, dass das Sabbatical in den einschlägigen Gremien bislang nicht diskutiert worden ist. Es sei die Entscheidung jedes Arbeitgebers, wie er mit derartigen Anfragen umgehe.
Vorbehalte von Arbeitgebern gegenüber längeren beruflichen Auszeiten scheinen verständlich. Zum einen, weil man sich nicht darauf verlassen kann, dass der Arbeitnehmer wieder in den Job zurückkehrt. Zum anderen wegen des organisatorischen Aufwandes für das Suchen nach einer Vertretung und das einstweilige Umstellen von betrieblichen Abläufen. Dabei können von einem Sabbatical durchaus beide Seiten profitieren: Der Arbeitnehmer, der kurz vor einem Burnout stand, kehrt ausgeruht und motiviert an seinen Arbeitsplatz zurück, hat sich vielleicht weitergebildet und startet dann erst richtig im Unternehmen durch. Vorteile für Arbeitgeber
Sabbaticals können aus Arbeitgebersicht speziell in Konjunkturflauten aber auch finanzielle Vorteile bieten, etwa durch Vermeidung von Überkapazitäten und Kosteneinsparungen im Personalbereich. Bei gleichzeitiger Garantie, dass auf eingearbeitete Mitarbeiter zurückgegriffen werden kann, wenn der Markt wieder anzieht. Gerade Sabbaticals oder Bildungsurlaube seien ein gutes Mittel, um Arbeitnehmer im Unternehmen zu halten, meint Susanne Weiss.
Übrigens: Juristen raten zum Abschluss eines Sabbatical-Vertrags. Dieser sollte die voraussichtliche Vergütung während der Freistellung, Regelungen zu Versicherungen, betrieblichen Altersversorgungen oder anderen freiwilligen Leistungen des Arbeitgebers sowie Aufgabe und Position nach der Rückkehr beinhalten.
Nathalie Kopsa
