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Sparsam: Vor allem junge Gäste kaufen sich Bier und Snacks im Supermarkt Foto: Bernhard Brügger

Management

Sixpack und Sandwich

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2009/24 vom 13. Juni 2009
von

Stuttgart. Es sind beileibe nicht nur die berühmt-berüchtigten Kegelgruppen, die sich gern Speisen und Getränke aus dem Imbiss oder dem Supermarkt mit auf das Hotelzimmer nehmen. Auch jüngere Besucher und Langzeitgäste packen im Zimmer häufig Mitgebrachtes aus. Deutschlands Hoteliers geben sich bei diesem Thema jedoch meist nachsichtig und lassen sich einiges einfallen, damit die Gäste sich im Hotel versorgen.

Grundsätzlich ist nach Angaben von DEHOGA-Sprecherin Stefanie Heckel das Mitbringen von Essen und Getränken nicht gestattet, denn der Hotelbetrieb bietet für den Gast die komplette Serviceleistung. Dazu gehört neben den Drinks und Snacks in der Minibar auch eine abwechslungsreiche Küche zu angemessenen Preisen. Dies sei letztendlich auch der Sinn des Servicebetriebs.

Hotelier entscheidet

Die Entscheidung, ob „Selbstverpflegung“ geduldet wird, obliegt allerdings ganz dem Hotelbetreiber: „Er kann als Hausherr die Mitnahme von auswärts erworbenen Speisen und Getränken auf das Zimmer untersagen oder erlauben“, hebt Stefanie Heckel hervor. Es werde zum Beispiel nicht gern gesehen, wenn Gäste die Sixpacks an der Rezeption vorbeitragen. Dagegen stoße die Wasserflasche eines Stammgasts durchaus auf Nachsicht. Insbesondere Geschäftsreisende schauen laut Stefanie Heckel immer häufiger auf den Geldbeutel und verzichten auf Konsum im Hotel.

„Wir können nicht erwarten, dass langfristig untergebrachte Businessgäste jeden Abend im Hotelrestaurant essen“, meint auch Wilm Ahlers, Empfangsleiter im Parkhotel Berghölzchen in Hildesheim. „Selbstverständlich dürfen unsere Gäste außerhalb des Hotels gekaufte Snacks mitbringen.“ Oft sei es ja auch nur die Cola-Flasche, die am nächsten Tag mit zum Arbeitsplatz genommen werde.

Minibar inklusive

Eine Einschätzung die auch Marita Prüter, Direktorin im NH-Hotel Schwerin teilt: „Die Mitarbeiter von Unternehmen kommen zu uns häufig als Langzeitgäste und nehmen auch ihre Einkaufstüten aufs Zimmer.“ Bei Privatreisenden sei das jedoch nur eine Randerscheinung. „Es komme dabei auch auf das Gästeklientel an.“ Kegelgruppen oder Schulklassen, die gern Getränke und Snacks mitbringen, kämen derzeit ohnehin weniger. Der Konsum im Hotel wird zudem mit besonderen Aktionen unterstützt: Wenn die 144 Zimmer ausgebucht sind, bietet die NH-Hotelküche zum Beispiel statt A-la-carte-Gerichten ein großes Abendbuffet zu einem freundlichen Preis-Leistungs-Verhältnis an. Darüber hinaus offeriert das NH Arrangements für Aufenthalte von bis zu zwei Tagen: Gegen geringen Aufpreis ist dann die gesamte Minibar inklusive.

Die Minibar abgeschafft hat dagegen seit März 2009 das Hotel Berlin, Berlin: „Grab'n'Go“ heißt das Konzept, mit dem der Zusatzverkauf deutlich gesteigert wurde. Frische Sandwiches, Bagels und Salate sowie ein großes Getränkesortiment mit großen Flaschenabfüllungen, erlesenen Weinen und Red-Bull-Dosen finden die Gäste jetzt direkt im Foyer. „Die Minibar zu kontrollieren ist sehr kostenintensiv“, erläutert Marketingmanagerin Anne Bubner. Zudem hänge der Minibar der Ruf nach, dass sie zu teuer sei. Folglich wurde sie auch immer weniger genutzt. Da für den „Grab'n'Go“-Bereich die Snacks jeden Tag frisch zubereitet werden, spricht die Umstellung Geschäftsreisende und Touristen gleichermaßen an.

Gering ist die Zahl der Gäste, die auswärts erworbene Speisen und Getränke mit ins Hotel Estrel nimmt. „Langzeitgäste, Jugendgruppen und unsere Künstler aus ,Stars in Concert‘ bringen sich ab und zu etwas mit“, berichtet Estrel-Pressesprecherin Mihaela Djuranovic. „Aber wir schauen darüber hinweg.“

Viele Gäste reisen inzwischen ohnehin mit Halbpension oder Arrangements, sodass auch sie in den Genuss der Kochkünste von Estrel-Küchenchef Peter Griebel kommen können. Das Frühstück nehmen die Gäste natürlich auch im Estrel und nicht im auswärtigen Backshop ein. Inzwischen lässt sich zwischen einem normalen Frühstücksbuffet für 7,50 Euro und dem erweiterten Brunch für 18 Euro wählen.

„Es kommt sicher vor, dass Fastfood mit ins Hotel genommen oder bestellt wird“, sagt Tina Palmowski, Hoteldirektorin im Ellington Berlin. Diese Fälle würden sich jedoch in einem vertretbaren Rahmen halten. Einen wichtigen Grund dafür sieht sie im eigenen umfangreichen Restaurant-Angebot mit mediterran und asiatisch geprägten Speisen. Snackangebote in der Lounge ergänzen das Repertoire und ab 23 Uhr können die Gäste von der Late-Night-Karte bestellen. „Auch, wenn jemand Appetit auf eine Currywurst hat, muss er unser Haus nicht verlassen.“

Bezahlbares Angebot

Mit einer großen Konkurrenz diverser Fastfood-Ketten und Wurstbuden in unmittelbarer Nachbarschaft sieht sich das Park Inn Berlin-Alexanderplatz konfrontiert: „Wir treten dem mit einem breiten Angebot an bezahlbaren Speisen entgegen“, unterstreicht Hoteldirektor Thomas Hattenberger. So werden im Zille-Garten auch Bratwürste, Pommes und Sandwiches serviert. „Letztlich können und wollen wir dem Gast auch nicht vorschreiben, welche Speisen er wählt und wo er sie zu sich nimmt.“

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