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Kulinarium

Thomas Wein-Tipp

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/47 vom 25. November 2006

Eine wahre Fundgrube für Fans autochthoner Weine ist Portugal. Mehr als 500 unterschiedliche Sorten wachsen in den Gärten des kleinen Landes am Westzipfel Europas. In Zeiten von Gleichmacherei und globalisiertem Geschmack bieten sie eine willkommene Nische an. Gerade für Kenner aber auch für neugierige Gäste, die fernab des Mainstreams etwas neues erleben wollen, bietet Portugal einen einzigartigen, geschmacklichen Reichtum an.

Ein weiterer erfreulicher Punkt ist, dass seit dem Beitritt Portugals zur Europäischen Gemeinschaft im Jahre 1986 gewaltige Schritte in Richtung Qualität gemacht wurden. Das gilt auch für die Breite der Erzeugnisse in der man heute ein wesentlich besseres Niveau, als noch vor ein paar Jahren bekommt.

Doch was in der letzten Zeit erreicht wurde ist geradezu atemberaubend. Portugal schickt sich an, die Weltklasse zu erobern. Vor kurzem wurde der erste portugiesische Rotwein mit 97 von 100 Punkten, also einer klassischen Dotierung, im einflussreichen amerikanischen Wine Spectator bewertet. Ein Meilenstein für dieses Weinland.

Dabei nimmt das wilde Douro Tal im Norden unter den Regionen den ersten Platz in der Kritikergunst ein. Hier wurde lange Zeit ausschließlich Portwein gekeltert und Tafelwein galt lediglich als Beiwerk. Dementsprechend schmeckten diese Tropfen rau und robust. Doch die Welt ist nicht stehen geblieben, ganz im Gegenteil, obwohl der romantische Grand Wine Canyon, wie er auch genannt wird, immer noch eines der abgelegensten Anbaugebiete Europas ist.

Der Unterschied zu früher ist, dass heute mit besten Trauben gearbeitet wird, die unter größter Sorgfalt, zu atemberaubenden Weinen gemacht werden. Der verwitterte Schieferboden sorgt für ausreichend Wasser in den gnadenlos heißen Sommern. Dadurch entstehen Rotweine mit mineralischer Note, da sich das Wurzelwerk tief in das Gestein graben muss um Wasser zu bekommen. Der nahe gelegene, kalte Atlantik und das Klima der Berge sorgen für eine ausgleichende Frische trotz kräftigen Alkoholgehaltes der Weine. Letztlich sind es die alten Weingärten und die Vielzahl autochthoner Rebsorten die dieses Weinwunder entstehen lassen.

Wer einmal Bekanntschaft mit einem sensationellen Einstiegswein machen möchte, der probiere den Meandro von der Quinta do Vale Meao vom oberen Douro.

Dieses Weingut lieferte früher die Essenz für den berühmtesten Rotwein Portugals, den Barca Velha. Heute keltert die symphatische Familie Olazabal ihren eigenen Wein mit großem Erfolg aus diesem gepflegten Weingarten.

Der Jahrgang 2004 ist der ausgewogenste bisher. Er hat alles was man sich wünscht: Südlich geprägte, reife Frucht, viel Würze und Dichte, dabei einen intensiven lang anhaltenden Geschmack mit einer dekadenten Kernigkeit, wie sie eben nur Douro-Weine haben können. Und das alles zu einem denkwürdig fairen Preis.

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