Anzeige

AHGZ - Das Fachportal für Hotellerie und Gastronomie

Wein, Bier & Spirituosen

Wein

Thomas Wein-Tipp: Trouvaillen

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2010/12 vom 20. März 2010

Trotz großer Vorsichtsmaßnahmen kommt bei mir immer noch eine erstaunliche Menge an nicht gewollten Verkostungsflaschen zusammen. Ich möchte nicht undankbar sein, schon gar nicht arrogant, aber ich tue mich sehr schwer mit diesen Mustern. Zumal diese in guter Absicht an mich geschickt werden. Klappern gehört zum Handwerk, und das akzeptiert jeder. Irgendwie gehört es auch zum Weingeschäft, offen und bereit für Neues zu sein. Deswegen mache ich von Zeit zu Zeit eine Sammelverkostung, um meinen Verpflichtungen nachzukommen. Meist sind es viele sehr durchschnittliche Weine. Doch bei meiner letzten Verkostung war ich erstaunt über zwei Tropfen, die aus dem Heer der gesichtslosen Flaschen hervorstachen.

Der 2006er L'Orèe Clos de Nines aus dem Languedoc gehört in die Kategorie bezahlbar und begeisternd. Isabelle Mangeard hat diese Cuvée aus Grenache, Cinsault und Syrah behutsam im Eichenholz reifem lassen. Keine Tischlerarbeit, denn nur 10 Prozent des Mostes vergären im Barrique. Darüber hinaus sorgen Handlese und niedrige Erträge dafür, dass der auch eine schöne Konzentration an Geschmack und Duft aufweist. Mich hat vor allem seine tief würzige Frucht begeistert. Dabei wirkt er nicht marmeladig und gekocht. Die köstliche Kräuternote, die an Ginster und Thymian erinnert, schwebt wie ein sehnsüchtig machender Hauch durchs Glas. Und der kalkhaltige Boden verleiht dem L'Orée eine angenehme Frische.

Ein Wein der mich wirklich verblüfft hat, war der 2007er Graciano von Londono aus dem hochgelegenen Rioja Alavesa. Normalerweise wird die Rebsorte Graciano als geringer Anteil im klassischen Rioja Blend eingesetzt. Mittlerweile trauen sich einige Winzer aber sie reinsortig zu keltern. Gefürchtet und geschätzt zugleich wird die hartschalige, kleinbeerige Rebsorte für ihre markante Säure und das kraftvolle Tannin. Der 2007er Londono roch wie eine Gewürzkiste und funkelte mich mit seiner fast schwarzen undurchsichtigen Farbe geheimnisvoll an. Am Gaumen war er kantig aber auch saftig und köstlich fleischig. Ein Wein, der alle Sinne fordert und zum Kauen und Sinnieren geradezu zwingt.

Themenalarm Kommentieren Drucken

Weitere Artikel aus Management und Praxis vom 20.03.2010 :

Management & Praxis: Kobjolls Tipp Erfolgsgeheimnis auch für Kleinere (20.03.2010)
Management & Praxis: Wo der Gast den Preis macht (20.03.2010)
Management & Praxis: Sous-vide-Verfahren (20.03.2010)
Management & Praxis: Christiansens Cocktail des Monats Der Lufthansa-Cocktail (20.03.2010)
Management & Praxis: Klimakiller Heizkessel (20.03.2010)
Recht: Frenzels Steuertipp: Minijobs jetzt melden (20.03.2010)
Management & Praxis: Drei Fragen an Carolin Steinhauser (20.03.2010)
Management & Praxis: Nachtisch für alle Sinne (20.03.2010)
Rezepte: Ronny Bolz: Apfelstrudel in Texturen (20.03.2010)
Management & Praxis: Deutscher Hotel-Online-Kongress (20.03.2010)

Weitere Artikel zu den Themen:

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel