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Management & Praxis

Über den Tellerrand

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2009/16 vom 18. April 2009

Täglich erreichen uns neue Krisenmeldungen über alle Kanäle, das Thema beherrscht die Alltagsdiskussionen. Wie werden wir in unserem täglichen Betrieb dadurch beeinträchtigt?

Davon abgesehen, dass ich mehrmals täglich die Frage „Wie läuft das Geschäft“ gestellt bekomme und immer gleich darauf antworte: „Besser als erwartet“, ist die Unentspanntheit vieler Geschäftsreisender nur mit Alkohol wegzubekommen.

Kulinarisch gesehen wird dieses Jahr in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Der Gewinner des Jahres wird Mc Donald's sein. Nicht unbedingt allesumwälzend, aber ein deutliches Signal gegen die Trends Bio und Öko. Man denkt in den mittleren und unteren Einkommensschichten wieder mehr monetär. Der Preis allein ist nicht das Thema, sondern das subjektiv empfundene Preis-Leistungs-Verhältnis.

Vertrauen, Kontinuität und Innovation stehen im Vordergrund. Qualität und Nachhaltigkeit in Zeiten wie diesen leider erst an zweiter Stelle. Viele Kollegen aus der privat geführten Top-Gastronomie werden das Jahr nicht überstehen. Sie haben in den vergangenen Jahren zu wenig verdient oder zu viel ausgegeben, und die Kosten einem Diktat unterstellt, das auch nicht hilfreich ist.

Das Geschäft mit dem Alkohol floriert besser als zuvor. Offensichtlich überkommt viele am Abend die „Jetzt-erst-recht-Philosophie“. Man ertränkt die Sorgen. Ändern kann man die verkehrte Welt von zockenden Banken, die nun die Subventionen im Kamin verbrennen, und von Automobilherstellern, die jahrelang Überkapazitäten produziert haben, um nun trotz Abwrackprämie vom Staat ihre Geschäfte nicht in den Griff zu bekommen, ohnehin nicht. An uns Gastronomen und Hoteliers hat der Staat noch nie Geschenke verteilt – im Gegenteil. Selbst der EU-Vorschlag für den reduzierten Mehrwertsteuersatz – dies wäre ein Meilenstein zur Verbesserung der Situation unserer Branche – wird von Steinbrück arrogant abgewatscht. Das ernüchternde Fazit: Wir müssen uns also wieder selbst helfen. Die Krise hat aber auch etwas Gutes. In schlechten Zeiten wird eine höhere Kreativität freigesetzt als sonst, und der Markt wird etwas bereinigt. Das ist schlecht für den betroffenen Einzelnen, aber gut für die Überlebenden.

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