Kulinarium
Über den Tellerrand
Gestern habe ich im Porsche-Magazin Christopherus einen Artikel gelesen von einem Dentalindustriellen mit Feinmechanikerausbildung, der neben einer Porschesammlung nun auch Hotels zu seiner Leidenschaft erkoren hat. Aufgrund seiner Vielzahl von Reisen in die besten Hotels der Welt hätte er diese Eindrücke komprimiert und in seinen mittlerweile zwei Häusern realisiert. Der selbst ernannte Hotelier, ohne fachlichen Hintergrund, hat sein Hobby umgesetzt.
Einerseits ist es begrüßenswert, wenn vermögende Privatiers ihr Kapital in die Branche investieren, andererseits fragt man sich, weshalb man eine jahrelange Ausbildung benötigt, um erfolgreicher Hotelier zu werden, wenn das Gastsein in solchen Hotels genügt, um dasselbe leisten zu können. Hätte er sich als Investor betätigt und seinem Hoteldirektor die Fachkompetenz zugesprochen, wäre die Aussage klar und nachvollziehbar. Der Trend, dass jede Hausfrau mit Fähigkeit ein Tütengericht zu erhitzen, im Restaurant die Fachlichkeit des Koches in Frage stellen kann, oder der Hobbyzapfer an der Hausbar im Lokal zu einem ausgewiesenen Serviceprofi mutiert, nervt und grenzt oft an eine Beleidigung.
Können Sie sich vorstellen, dass ein Pilot sich von seinem Passagier erklären lassen muss, wie er den Flieger zu fliegen hat? Allerdings gibt es aber eine nicht unerhebliche Anzahl gelernter Kräfte, die ihre Ausbildung offenbar im Traum absolviert haben und der oben beschriebenen Hausfrau genug Futter zur Besserwisserei bieten.
Der Gast ist König, Beschwerdemanagement ein notwendiges Übel, Freundlichkeit und Seriosität sind unser Geschäft. Deshalb sollten wir mit den gleichen Waffen zurückschlagen. Wie wäre es wenn Sie beim nächsten Zahnarztbesuch Ihren Dental-Akademiker mit Besserwisserei nerven, Ihrem Friseur mit Konkurrenzandrohung das Fürchten lehren oder auch als Feinmechaniker den Markt erobern, weil Sie ja schon so viele Feinwerkzeuge in den Händen gehalten haben.
